• Wo die Paprika wächst

    Paprika-Bauer Nihat Yildrim hat rund 7.500 Pflanzen in seinem Gewächshaus, um sich und seine Familie zu ernähren.

Die Paprika-Bauern in der Türkei kämpfen mit einem besonders hartnäckigen Schädling: den Nematoden. Diese Fadenwürmer sind für hohe Ernteausfälle verantwortlich. Bayer testet derzeit ein neues Mittel gegen die gefährlichen Winzlinge.

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Die Türkei produziert pro Jahr rund 1,8 Millionen Tonnen Paprika und ist damit weltweit der drittgrößte Paprikaproduzent.

Nihat Yildirim ist ein sorgfältiger Mensch. Und er hat scharfe Augen. Jeden Morgen streift er durch sein Gewächshaus und untersucht penibel seine Paprika-Pflanzen: Sind die Blätter grün genug? Sehen die Stängel gesund aus? Passt die Wuchshöhe? Konzentriert hockt er zwischen den Pflanzen, um auch die kleinste Auffälligkeit zu entdecken. „Wenn die Blätter ein wenig gelblich aussehen oder die Pflanze einen Hauch zu klein ist, könnten Schädlinge am Werk sein – und dann muss ich sofort handeln.“

Nihat Yildirim ist Paprika-Farmer in der Türkei. In seinem Gewächshaus gedeihen Jahr für Jahr rund 7.500 Pflanzen, die grüne oder rote Exemplare des Gemüses tragen – je nachdem, wie lange Yildirim sie reifen lässt. Seine Ernte verkauft der 28-Jährige an einen regionalen Großhändler – und der beliefert damit die Marktverkäufer und Supermärkte im Touristenzentrum Antalya an der türkischen Mittelmeerküste.

Der Handel mit Paprika ist in der Türkei ein gutes Geschäft, denn wie im gesamten mediterranen Raum steht das Gemüse auch hier bei den Einwohnern nahezu täglich auf dem Speiseplan. In Ländern wie Spanien, Griechenland und der Türkei kommt die Paprika in allen erdenklichen Varianten auf den Tisch: Mit Hackfleisch gefüllt, in Öl eingelegt, gebraten, gegrillt oder als Rohkost im Salat. Als Nahrungsmittel spielt sie dabei eine wichtige Rolle für eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Nährstoffen, denn das Gemüse ist einer der Hauptlieferanten für Vitamin C und reich an Kalium, Magnesium, Zink und Calcium.

Bei Türken äußerst beliebt, ist die lange, dünne, grüne Paprikasorte.

Die Paprika

Das Gemüse gehört zur Familie der Nachtschattengewächse, und sowohl die Pflanze als auch die Früchte werden als Paprika bezeichnet. Je nach Schärfe, Größe und Farbe tragen die Früchte unterschiedliche Namen. Allgemein unterscheidet man zwischen den milden Gemüsepaprika und den scharfen Gewürzpaprika, die meist kleiner und länglicher sind.

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Dazu gehören beispielsweise Peperoni und Chilis. Diese Sorten schmecken wegen ihres hohen Capsaicin-Gehalts relativ scharf, denn der Stoff Capsaicin löst im Körper einen Hitze- und Schmerzreiz aus. Der so genannte Scoville-Index gibt den Capsaicin-Gehalt der jeweiligen Frucht an. Eine normale Gemüsepaprika wird auf dieser Skala als mild eingestuft, Kirschpaprika und Peperoni gelten als pikant, Jalapenos sind mittelscharf und die Cayenne-Pflanzen zählen zu den scharfen Sorten.  

Wegen ihres Capsaicin-Gehalts sind scharfe Paprika auch Bestandteil von einigen Arzneimitteln. So nutzen Wärmepflaster die Wirkung des Cayenne-Pfeffers, um rheumatische Beschwerden zu lindern. Auch bei Problemen wie Hexenschuss oder Migräne werden capsaicinhaltige Produkte eingesetzt. Der Verzehr von Paprika soll sich positiv auf die Gesundheit auswirken, denn das Gemüse ist besonders reich an Vitamin C. Noch dazu enthalten Paprika Flavonoide, denen eine antioxidative Wirkung zugeschrieben wird. Die Carotine in der Paprika wirken darüber hinaus zellschützend.

Auch bei Yildrims gibt es kaum ein Abendessen ohne Paprika. „Die gehört bei uns einfach dazu“, erzählt der Farmer. „Schon in meiner Kindheit habe ich sie gern gegessen, auch zwischendurch – und besonders gern die roten.“ Seit 40 Jahren baut seine Familie das Gemüse an. Ihr Ehrgeiz: erstklassige Qualität zu liefern. Nihat Yildrim weiß also genau, woran man ein gutes Exemplar erkennt: „Die perfekte Paprika hat einen sehr intensiven Geschmack und eine leuchtende Farbe, sie ist groß und prall, aber nicht wässrig.“

Nihat Yildrim erklärt, wie Würmer seinen Paprikapflanzen schaden.

30 %

der Anbaufläche für Paprika in Antalya ist von Nematoden befallen.

Der Paprika-Bauer hat in Bursa Agrarwissenschaften studiert und ist nach seinem Abschluss in seine Heimatstadt Antalya zurückgekehrt, um die Farm seiner Eltern zu leiten. Seitdem sind die ärgsten Feinde des Bauern die weniger als einen Millimeter großen Winzlinge in seinem Gewächshaus: Nematoden. Bei diesen Fadenwürmern handelt es sich um besonders hartnäckige Schädlinge. Sie befallen die Wurzeln der Pflanzen und saugen aus ihnen Nährstoffe und Wasser. Die Pflanze bekommt Probleme, sich selbst zu versorgen, und stirbt bei sehr hohem Nematodenbefall sogar ab.

Globale Ernteeinbußen durch Fadenwürmer

Nihat Yildirim erkennt bei seinen täglichen Kontrollgängen sofort, wenn Nematoden die Wurzeln seiner Paprika schädigen. Dann kränkeln die Pflanzen, tragen kleine und gelbliche Blätter, wachsen kaum noch. „Nematoden stellen für mich ein enormes Problem dar“, erklärt er. „Sie verbreiten sich blitzschnell und können meine Ernteerträge drastisch verringern.“ Vor allem für Kleinbauern wie ihn kann ein Befall mit Nematoden daher schnell existenzbedrohend werden.

Wenn er kranke Pflanzen entdeckt, muss Nihat Yildirim den Befall sofort mit großen Mengen herkömmlicher Nematizide – also Pflanzenschutzmittel gegen Nematoden – bekämpfen. Die Wirkstoffe werden drei bis vier Mal pro Jahr im Boden verteilt. Trotzdem lassen sich die kleinen Schädlinge nur schwer kontrollieren und kommen schnell zurück.

Fadenwürmer sind kleiner als einen Millimeter groß

Der Schädling

Nematoden sind meist farblose Fadenwürmer, die als Lebensraum eine ausreichend feuchte Umgebung benötigen. Weltweit gibt es mehr als 25.000 verschiedene Arten, von denen etwa 4.000 Arten Schäden an Pflanzen verursachen.

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Die Schädlinge befallen weltweit viele Pflanzenarten und dezimieren die Ernten von diversen Grundnahrungsmitteln beträchtlich. So sind sie beispielsweise verantwortlich für massive Ernteverluste in Bananen-, Kaffee- oder Zuckerrohrplantagen und beeinträchtigen den Soja- und Kartoffelanbau. Besonders verheerend sind die weit verbreiteten Wurzelgallen- und Wurzelzystennematoden.

Sie richten nicht nur schwere Schäden im Gemüsebau, auf Obstplantagen und Getreidefeldern an, sondern befallen auch Ölsaaten, Blumen, Zierpflanzen und Rasengräser. Weltweit verursachen Nematoden Schäden in Milliardenhöhe.

Sogar noch Monate nach der Behandlung sind die Wurzeln gesund.

Jetzt könnte diese Sisyphos-Arbeit allerdings leichter werden – dank des neuen Bayer-Produkts Velum™. Sein Wirkstoff Fluopyram bekämpfte schon Pilzkrankheiten erfolgreich. Forscher haben entdeckt, dass das Wirkprinzip auch gegen Nematoden im Boden eingesetzt werden kann. Derzeit ist das Mittel schon in einigen Ländern zugelassen.

Die Wirkweise von Fluopyram ist effizient: „Wir schalten die Nematoden aus, indem wir ihre Energiezufuhr unterbrechen“, erklärt Marc Rist, Forscher in der Abteilung Research Pest Control bei Bayer CropScience. Denn um die Wurzeln aufzufinden und anschließend zu befallen, benötigen die Fadenwürmer Energie. Dazu produzieren Zellen das Molekül Adenosintriphosphat – kurz ATP. „Fluopyram greift in diesen Stoffwechsel ein, indem es die ATP-Bildung verhindert“, so Rist. Die Folge: Die Nematoden bleiben reglos im Erdreich liegen und sterben ab.

Wie ein Pilz hilft, Fadenwürmer in Schach zu halten

Die Bayer-Forscher setzen auf integrierte Lösungen, indem sie abwechselnd Fluopyram und einen Mikroorganismus aus der Natur verwenden: entweder Bacillus firmus, aktiver Bestandteil im biologischen Produkt Flocter™, oder den Bodenpilz Purpureocillium lilacinum, Stamm 251, aktiver Bestandteil im biologischen Produkt BioAct™. Diese Produkte sind schon in einigen Ländern zugelassen, trotzdem arbeiten die Forscher weiter an Produktverbesserungen.

Der Pilz in BioAct™ ernährt sich von den Eiern pflanzenschädigender Nematoden und verhindert so, dass die Larven schlüpfen. Ist der Boden also durch die Fluopyram-Behandlung bereits von den infektiösen Larven befreit, verhindert der Pilz, dass aus den Eiern neue schlüpfen. „So ist man in der Lage, nicht nur kurzfristig eine Nematodenplage zu beseitigen, sondern sogar noch nach Monaten gesunde und aktive Wurzeln vorzufinden“, erklärt Helmut Fürsch von der Abteilung Global Agronomic Development bei Bayer CropScience.

Nihat Yildirim hat Velum™ in diesem Jahr zum ersten Mal ausprobiert. Und der Paprika-Farmer ist von den Ergebnissen begeistert: „Es ist unglaublich“, erzählt er. „Die behandelten Pflanzen sind viel gesünder und größer – und die Paprika sehen super aus.“ In diesem August wird seine Ernte nach langer Zeit endlich wieder unversehrt ausfallen. „Für mich ist das eine riesige Erleichterung, denn ich hatte wegen der geringen Erträge schon Zukunftsängste“, sagt er. „Jetzt sieht alles danach aus, dass ich die Farm meiner Eltern langfristig weiterführen kann – und das war schon immer mein großer Traum.“