Wenn ich sage, dass ich in langen Zeiträumen denke, dann betrifft das auch meinen Alltag. Einen Boden richtig zu pflegen, bedarf permanenter Arbeit. Ich muss dran bleiben und den Boden offen halten. Sonst kommt es im schlimmsten Fall zur Erosion. Der Boden muss in Ordnung sein, sonst nimmt er den Regen nicht auf.

Ich denke, dass es eine Entfremdung vieler Menschen zur Landwirtschaft gibt. Die meisten Bürger wissen gar nicht, wie moderne Landwirtschaft funktioniert. Vielleicht tragen wir auch eine Teilschuld, denn wir erklären zu wenig, was wir tun und wie wir es tun. Für viele gilt noch immer das Klischee vom Bauern, der mit Trecker und großem Güllefass über den Acker rumpelt.

Dass fast alle Landwirte hochqualifizierte Fachleute sind, die ihren Beruf studiert haben, ist kaum bekannt. Ich habe meine Diplomarbeit vor mehr als zwanzig Jahren über die Wirkung von Fungiziden im Winterweizen geschrieben. Wir arbeiten mit Hightech-Maschinen, die so viel kosten wie Einfamilienhäuser und auf Knopfdruck satellitengenau geradeaus fahren können – all diese Dinge wissen die Wenigsten. Die Lebensmittel liegen im Supermarktregal und sind am besten günstig. Wie sie dorthin kommen und welche Arbeit darin steckt – dafür fehlt das Verständnis.

Mir fehlt auch manchmal der Respekt vor unserer Arbeit. Eine Art Grundvertrauen in das, was wir tun. Die Leute gehen ins Internet, suchen sich auf irgendwelchen Seiten irgendwelche Informationen zusammen und haben dann Ahnung. Aber dies ist ein Phänomen, das nicht nur Landwirte betrifft.

Wir Landwirte handeln mit Herz und Verstand, nicht nur zu unserem Wohle, sondern zum Wohle der Gesellschaft. Ich habe Verantwortung für meine Gesundheit und die meiner Familie. Ich trage Verantwortung für die Lebensmittel, die wir produzieren. Meine Aufgabe ist es auch, das Ökosystem auf unserem Hof aufrechtzuerhalten. Ich spritze nur, wo ich muss.

Glaubt jemand, ich würde etwas tun, was meine Gesundheit, meine Familie oder die Allgemeinheit gefährdet?

Nehmen wir das Herbizid Glyphosat, über das so viel gestritten wird. Für mich ist Glyphosat der Schlüssel zum Schutz des Bodens. Ich arbeite nach einem System, in dem ein Vierteljahrhundert Erfahrung steckt. Gibt es strengen Frost, setze ich es nicht ein. Gibt es keinen Frost, brauche ich Glyphosat. Ich spritze das Mittel, bevor ich neue Kulturen ansähe, meistens Anfang März. Nicht abgestorbene Zwischenfrüchte und Unkräuter lassen sich so kleinkriegen. Ich halte mich an die Sicherheitsvorschriften, trage Schutzkleidung und verwende das Mittel genauso, wie es angegeben ist. Keiner der Kollegen, die ich kenne, hat negative Erfahrungen mit dem Herbizid gemacht, das wir seit vielen Jahren verwenden. Kann ich kein Glyphosat einsetzen, muss ich tiefer pflügen und mehr verhexeln, ich muss also deutlich tiefer in den Boden eingreifen, als ich das möchte.

Arbeite ich nicht sorgfältig, haben nachfolgende Generationen noch darunter zu leiden. Meine Enkel werden sehen, wenn ich etwas stehen lasse, so hartnäckig hält sich Unkraut im Boden.

Seit langem arbeitet unser Damianshof mit Bayer zusammen. Schon mein Vater hat damit begonnen, das ist vier Jahrzehnte her. Heute heißt es ForwardFarming. Wir arbeiten an neuen Lösungen für eine nachhaltige Landwirtschaft. Die Natur hat immer das letzte Wort. Doch wir zeigen auf den Versuchsflächen, wie wir mit Pflanzenschutz die Erträge steigern können. Eine GPS-gesteuerte Ausbringungstechnik ermöglicht es, die Pflanzenschutz- und Düngemittel punktgenau auf die Pflanze zu bringen. Dank eines speziellen Timers weiß ich auch, wann der richtige Zeitpunkt ist. Dann kommen jahrzehntelange Erfahrung und Tradition der Familie Olligs mit moderner Agrartechnologie zusammen.

Wir wollen auch zeigen, welche positiven Beiträge wir Bauern leisten können. Wir legen Blühstreifen an und untersuchen, wie viele Insekten sich ansiedeln. Besonders der Schutz von Insekten ist ein Thema für uns. Es sind weniger als früher. Woran aber liegt das? Dazu müsste mehr geforscht werden. Wir können als Landwirte mithelfen. Auf dem Damianshof haben wir ein Bienenhotel eingerichtet. Am Beispiel eines Staudenbeets zeigen wir, wie Landwirte und auch Verbraucher zur Artenvielfalt beitragen können, indem sie die richtigen Pflanzen setzen.

Bauern aus aller Welt kommen zu uns nach Rommerskirchen, um sich auf der ForwardFarm zu informieren. Sogar aus Chile, aus Brasilien und aus China waren Kollegen zu Besuch. Ihre Äcker sind zehntausend Kilometer weit entfernt, doch die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind überall gleich. Klimawandel, Erderwärmung, extremeres Wetter. Wir Bauern sorgen dafür, dass die Menschen etwas zu essen haben. Und wir kümmern uns darum, zu erhalten.

Die nächste Generation soll es besser haben. Meine Söhne sollen es besser haben. Das ist mein Ziel. Jeden Tag.


Bernd Olligs, Jahrgang 1967, stammt aus einer Dynastie von Landwirten. Mit seiner Familie betreibt der Familienvater den Damianshof in Rommerskirchen in der Nähe von Köln.