Interview mit Sascha Eilmus

Wie wir die Welt satt bekommen – und Lebensmittel retten

Sascha Eilmus ist Biologe und forscht bei Bayer. Im Interview erklärt er, warum so viele Lebensmittel vernichtet werden, warum die Welt ohne Pflanzenschutz ein Problem hätte – und welche Rolle die Verbraucher dabei spielen.

Wie kann man verhindern, dass so viele Lebensmittel weggeschmissen werden?
Sascha Eilmus: Mit bewusstem Einkaufen kann man Verschwendung im eigenen Haushalt vermeiden. Aber ganz viele Lebensmittel schaffen es gar nicht in den Supermarkt. Bei Obst und Gemüse geht im Schnitt ein Drittel der Ware während der Produktion oder des Transports verloren – einer von drei Äpfeln kommt also gar nicht erst in den Laden.

Woran liegt das?
Auf dem Feld bedrohen Schädlinge und Erreger die Ernte. Ohne entsprechenden Schutz haben Landwirte hohe Ernteausfälle. Aber auch extremes Wetter ist ein Problem. Immer öfter vernichten Überschwemmungen oder auch Dürren Ernten.

Wie können wir Lebensmittel retten?
Pflanzenschutzmittel spielt bei Lebensmittelrettung eine wichtige Rolle. Sie schützen das Obst und Gemüse oder auch das Getreide vor Insekten, Erregern und stärken es für den Transport – oder machen es widerstandsfähig genug, um mit Feuchte klarzukommen. Außerdem schützt es vor Schimmel. Schimmel führt ja nicht nur zu Verlusten bei der Ernte – er macht Menschen auch krank.

Dr. Klaus Kunz

Sascha Eilmus

Biologe bei Bayer


Ist Schimmel an Obst und Gemüse krebserregend?
Schimmelpilze können extrem giftige Stoffe produzieren. Diese Stoffe können sogar krebserregend und eine akute Gefahr für die Gesundheit sein. Früher war Schimmel in unseren Lebensmitteln allgegenwärtig. Pflanzenschutzmittel bewirken, dass wir viel weniger belastende Pilzgifte in unseren Lebensmitteln und eine verbesserte Hygiene haben.

Sind Pflanzenschutzmittel gefährlich für Menschen?
Pflanzenschutzmittel erhalten nur dann eine Zulassung, wenn sie gesundheitlich unbedenklich sind. Die Rückstände in Lebensmitteln sind extrem gering: In 99 Prozent der Fälle sind sie so niedrig sind, dass man sie gar nicht mehr nachweisen kann.

Warum wäscht man dann Äpfel, bevor man sie isst?
Vor allem aus hygienischen Gründen. Äpfel werden vor dem Verzehr von vielen Menschen angefasst. Deshalb übertragen sie Keime und Bakterien. Die Rückstände der Pflanzenschutzmittel sind so gering, dass aufs Waschen verzichtet werden könnte. Man könnte säckeweise ungewaschene Äpfel essen – und dennoch wird jedes Glas Wein (also der Alkohol darin) tausendmal gesundheitsschädlicher sein.

Pflanzenschutzmittel erhalten nur dann eine Zulassung, wenn sie gesundheitlich unbedenklich sind.

Was ist Ihre Vision, wenn Sie zur Arbeit gehen und forschen?
Ich bin ein Fan von Insekten und forsche in der Insektizidforschung. Das ist kein Widerspruch. In der Forschung trage ich dazu bei, noch selektivere und speziellere Pflanzenschutzmittel zu entwickeln - also Mittel, die noch schonender sind für Nützlinge und Bestäuber. Ich möchte einen Beitrag zum Schutz der Insektenvielfalt leisten.

Landwirte, die Pflanzenschutzmittel nutzen, werden oft kritisiert.
Das passiert aus meiner Sicht zu Unrecht. Landwirtschaft ist die größte Kulturleistung des Menschen. Sie ist die Basis unserer Zivilisation. Landwirte haben ein großes Interesse daran, die Umwelt zu erhalten. Nur so bleiben ihre Äcker fruchtbar und lebendig – und nur so können sie auch in hundert Jahren noch auf ihren Böden Lebensmittel produzieren. Landwirte und auch Forscher wie ich sind genauso Kunden und Verbraucher wie jeder andere auch. Wir haben auch Kinder, die in einer lebenswerten Welt in Zukunft leben wollen. Es ist nicht das Ziel, sich auf Kosten der Umwelt zu bereichern. Denn davon hat niemand etwas.

Was können Verbraucher tun?
Jeder sollte sich darüber informieren, woher unsere Lebensmittel stammen und wie sie produziert werden. Nehmen Sie mit Landwirten und mit uns in der Forschung für die Landwirtschaft Kontakt auf. Ohne Pflanzenschutzmittel bekommen wir nicht alle satt – zumal die Weltbevölkerung wächst. Würden wir auf Pflanzenschutzmittel verzichten, müssten wie die landwirtschaftlich genutzten Flächen ausweiten. Das könnte heute nur noch auf Kosten von Lebensräumen geschehen, die wir aus anderen, ökologischen Gründen dringend brauchen, wie Wäldern und das ist natürlich nicht gut für die Umwelt. Wir brauchen eine umweltfreundliche, aber auch moderne Landwirtschaft, die alle Innovationen verantwortungsvoll nutzen kann – dazu gehören weiterhin auch umweltfreundlichere, neue Pflanzenschutzmittel.

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