Prof. Barbara Kohn

Vorsicht bei importierten Hunden

In vielen Ländern der Welt steigt die Anzahl der importierten Hunde rapide an – durch teils gut organisierte und teils zweifelhafte Hilfsorganisationen aber auch durch Privatpersonen, die Tiere von einer Reise mit nach Hause bringen. Doch einige dieser kuscheligen Einwanderer bringen Parasiten, Bakterien oder Viren und damit Krankheitserreger ins Land, die dort zuvor nur selten auftraten und nicht nur für die importierten Hunde sondern auch für die Haustiere vor Ort und manchmal sogar für den Menschen eine ernsthafte Bedrohung darstellen.

Janice Chow

Barbara Kohn

Professorin an der Klinik für kleine Haustiere, Freie Universität Berlin

Ehrlichiose, Babesiose, Leishmaniose und Dirofilariose gehören zu den sogenannten vektorübertragenen Krankheiten bei Haustieren (Companion Vector-Borne Diseases, CVBD) und werden durch Parasiten übertragen, die sich vom Blut ihrer Wirte ernähren, wie zum Beispiel Zecken, Flöhe, Mücken oder Sandmücken. Aufgrund des Klimawandels und der stärkeren Mobilität von Haustieren breiten sich diese Infektionen immer weiter aus, und so treten auch in Gebieten, in denen diese Erkrankungen vorher unbekannt waren, immer mehr Fälle auf. Vor allem Hunde, die aus endemischen Gebieten importiert werden, tragen zur Ausbreitung dieser Krankheiten bei.

Auch in Deutschland und in unserer Klink für kleine Haustiere in Berlin behandeln wir immer mehr importierte Hunde, vor allem aus Mittelmeerländern wie Spanien, Griechenland und Italien aber auch aus Portugal und Südosteuropa. Diese Hunde können verschiedene Krankheitserreger ins Land bringen.

CVBD World Forum - Barbara Kohn

Leider liegen uns keine genauen Zahlen vor; wir wissen aber, dass es in Deutschland mehr als 100.000 mit Leishmaniose infizierte Hunde gibt. Die Leishmaniose bei Hunden ist eine ernsthafte Erkrankung, die durch den Parasiten Leishmania infantum ausgelöst wird. Er wird durch infizierte Sandmücken auf die Tiere übertragen. Die Erkrankung ist von globaler Bedeutung. Man schätzt, dass allein in Südeuropa mehr als 2,5 Millionen Hunde mit Leishmania infantum infiziert sind. Wird sie nicht behandelt, schreitet die Erkrankung fort und führt letztendlich zum Tod des Hundes. Darüber hinaus ist L. infantum zoonotisch und stellt daher nicht nur für Hunde sondern auch für Menschen eine potenzielle Bedrohung der Gesundheit dar.

Wir haben die Erreger, die wir bei importierten Hunden gefunden haben, über einen Zeitraum von über neun Jahren hinweg analysiert. Dabei wurden mehr als 350 Hunde untersucht und viele direkte und indirekte Testmethoden ausprobiert. Wir stellten dabei fest, dass über ein Drittel der Hunde an einer vektorübertragenen Erkrankung – in den meisten Fällen Leishmaniose oder Ehrlichiose – litten.

Diagnose häufig schwierig

Wir wissen leider noch nicht genug über infektiöse Krankheiten, die bei Tieren in vielen anderen Ländern auftreten. Deswegen stellt die stark ansteigende Anzahl importierter Hunde die Tierärzte vor eine große Herausforderung. Die Diagnose ist häufig schwierig, und die Tests sind teuer. Auch zwischen den unterschiedlichen Krankheiten zu unterscheiden, ist oft nicht leicht.

Umso wichtiger ist es, dass die Haustierhalter gut informiert sind. Wenn jemand tatsächlich einen Hund oder eine Katze aus dem Ausland mit nach Hause bringen möchte, sollte man sich mit den aktuellen Einfuhrbestimmungen des Landes vertraut machen und beim Tierarzt nachfragen, welche Untersuchungen nötig sind. Hunde, die in Gebiete reisen, in denen bestimmte vektorübertragene Erkrankungen auftreten, sollten mit Abwehrmitteln gegen Sandmücken, Mücken sowie Zecken und Flöhe geschützt werden, um das Risiko einer Infektion und damit der Ausbreitung im Heimatland zu reduzieren.

Um ihr Haustier optimal zu schützen, sollte jeder Besitzer vor und am besten auch nach einer Reise den Tierarzt konsultieren.

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