Von Raymond zu Vanessa

„Ich heiße Vanessa, doch das war nicht immer so.“ Vanessa McGivern wurde als Raymond geboren und hat die meiste Zeit als Mann gelebt. Doch irgendwie wusste sie immer, dass irgendetwas nicht passte.

Vanessa McGivern

Vanessa McGivern

IT Analyst bei Bayer in Pittsburgh, USA

Dort, wo ich aufwuchs, gab es keine Transgender. Es gab zwar Homosexuelle, aber ich wusste, dass ich auch anders war als die. Ich schien nirgendwo richtig hineinzupassen – und auch nicht ganz zu mir selbst. Ich bin damit so gut wie möglich umgegangen. Ab und zu kam mein wahres Ich zum Vorschein, zum Beispiel als ich mich drei Jahre lang an Halloween als Mädchen verkleidete.

Im vergangenen Jahr habe ich festgestellt, dass ich keine Jeans mehr tragen wollte. Ich suchte nach etwas Bequemeren, besaß aber nur zwei alte, abgetragene Jogginghosen. Durch Zufall stieß ich auf eine Strumpfhose – das war perfekt für mich. In dem Moment kamen meine lange unterdrückten weiblichen Gefühle an die Oberfläche. Ich kaufte also gleich drei Strumpfhosen. Voilà une femme! Ganz langsam erlaubte ich mir, in dem begrenzten Umfeld meines eigenen Zimmers Frau zu sein.

Als ich entdeckte, dass ein Bekannter meiner Tochter ein Transgender war, sprach ich mit ihr darüber. So fand ich heraus, dass meine Tochter nichts gegen Transgender hatte und es für sie auch kein Problem darstellen würde, wenn ich einer wäre. In dem Moment konnte ich meine Zimmertür für meine wahre Persönlichkeit öffnen, aber noch nicht meine Wohnungstür.

Durch Zufall stieß ich auf eine Strumpfhose – das war perfekt für mich.

Als die Feiertage und mein Geburtstag hinter mir lagen, beschloss ich, dass es Zeit für mein Coming-Out wäre. Ich erinnerte mich an einen Flyer über BLEND, Bayers Community für LGBT+-Mitarbeiter, den ich zuvor gesehen hatte. Ich kontaktierte den Ansprechpartner an meinem Standort in Pittsburgh. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich einfach nur zu einer Gruppe gehören und zu dieser Gruppe etwas Positives beitragen.

Bei meinem ersten Treffen mit BLEND war ich noch sehr zögerlich, was mein wahres Ich anbelangte. Ich sprach darüber, dass ich zu den LGBT-Mitarbeitern gehörte, sagte aber nichts darüber, dass ich mitten im Übergang war. Zu dieser Zeit hatte ich mich schon Freunden und Familienmitgliedern durch einige Facebook-Posts und Telefonate mit meinen Geschwistern geöffnet.

Mir wurde klar, dass ich nun überall zu meiner Persönlichkeit stand, nur nicht auf der Arbeit. Als der LGBT-Pride-Monat vor der Tür stand, kam mir der Gedanke, wie toll es wäre, mich bis dahin komplett geoutet zu haben. Ich hatte also ein Ziel. Mit Unterstützung meines HR Business Partners, meines Vorgesetzten und der BLEND-Führungscrew in Pittsburgh wurde daraus eine wunderbare Erfahrung.

Mein Plan begann mit einer ersten Ankündigung bei einem spontanen Meeting mit einigen meiner aktuellen und ehemaligen Kollegen. Mit dieser Vorgehensweise fühlte ich mich wohl. Fast zeitgleich ging eine E-Mail zu meinem Coming-out, die ich zusammen mit der Personalabteilung und meinem Vorgesetzen formuliert hatte, an den gesamten Campus von Pittsburgh. In den nächsten eineinhalb Tagen wurde ich der vielen Glückwünsche kaum Herr. Einige kamen sogar von Leuten, die ich gar nicht kannte. Danach war ich bereit für den nächsten Schritt: meine E-Mail-Adresse, meinen Firmenausweis und mein Mitarbeiterprofil anzupassen.

Der Bayer-Leitfaden zur Transition am Arbeitsplatz war in dieser Zeit eine hilfereiche Orientierung und hat mir den Wandel sehr erleichtert. Er ist sehr detailliert und geht sowohl auf die Bedürfnisse des Mitarbeiters selbst als auch auf die des Unternehmens ein. Versteht mich nicht falsch: Es ist alles nicht leicht und natürlich gab es auf dem Weg auch Hürden und Schwierigkeiten. Doch insgesamt war es eine sehr positive Erfahrung.

Diese Geschichte jetzt an meinem Schreibtisch zu schreiben, an dem ich ganz frei als die Frau sitzen kann, die ich im Innern schon immer war, ist ein wunderbares Gefühl. Ich habe das große Glück für ein Unternehmen zu arbeiten, das sowohl über Richtlinien verfügt, die mir erlauben, so zu sein wie ich bin, und in dem es Kollegen gibt, die mich unterstützen. Ich weiß, dass es da draußen viele Menschen gibt, die nicht so ein Glück haben wie ich, und hoffe, dass ich anderen mit dem Teilen meiner Geschichte dabei helfe, den Mut zu finden, sich zu offenbaren.

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