Misstrauen mit Transparenz begegnen

Ab heute sind sicherheitsrelevante Informationen aus unserem Pflanzenschutz-Bereich online verfügbar.

Misstrauen mit Transparenz begegnen

Wir leben in einer Zeit des Misstrauens, in der Fakten immer weniger gelten und politische Debatten zunehmend von Behauptungen, Bildern und Emotionen getrieben werden. Umfragen zeigen: Das Vertrauen der Menschen in praktisch alle gesellschaftlichen Institutionen schwindet. In Deutschland zum Beispiel vertrauen nach dem „Global Trust Report 2017“ des GfK Vereins nur noch 18 Prozent den politischen Parteien, 30 Prozent den großen Unternehmen und 45 Prozent den Medien.

Kemal Malik

Kemal Malik

Kemal Malik ist Mitglied des Vorstands der Bayer AG, zuständig für den Bereich Innovation

Aber wenn kein Vertrauen herrscht und nichts mit Gewissheit gilt, worauf gründen wir dann unsere Entscheidungen? Misstrauen ist keine Basis für die Gestaltung der Zukunft.

Wir alle müssen deshalb investieren, damit wieder Vertrauen entstehen kann. Für uns als Unternehmen bedeutet das: Wir suchen den Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen. Denn nur wenn wir miteinander reden, können wir die Gräben überbrücken, die sich zwischen den politischen Lagern und zwischen den „Filterblasen“ im Internet auftun.

Aber ein aufrichtiger und fruchtbarer Dialog braucht Transparenz. Denn nichts schürt mehr Misstrauen, als wenn Dinge im Verborgenen geschehen und die Menschen das Gefühl haben, dass ihnen Informationen ohne ersichtlichen Grund vorenthalten werden.

Wir ermöglichen daher ab heute den Zugang zu sicherheitsrelevanten Informationen aus unserem Pflanzenschutz-Bereich. Unter https://cropscience-transparency.bayer.com werden Zusammenfassungen von Testergebnissen und Bewertungen zum Download verfügbar sein sowie auf Anfrage für nicht kommerzielle Zwecke erste vollständige Berichte von Sicherheitsstudien. Bayer übernimmt damit in Sachen Transparenz eine Vorreiterrolle. In einer zweiten Stufe, die für Anfang 2018 geplant ist, sollen weitere vollständige Studienberichte auf Anfrage für nicht kommerzielle Zwecke zugänglich gemacht werden. Infographiken und Videos sollen helfen, die wissenschaftlichen Informationen besser zu verstehen und einzuordnen.

Übrigens hat sich Bayer auch im Pharma-Bereich schon seit Jahren dazu verpflichtet, Informationen über klinische Studien öffentlich zur Verfügung zu stellen. Die Daten sind über den „Bayer Trial Finder“ auf der Homepage unserer Division Pharmaceuticals (www.pharma.bayer.com) sowie unter www.ClinicalTrials.gov zugänglich. Darüber hinaus können Forscher und Ärzte noch detailliertere Informationen auf Nachfrage von uns erhalten. Dadurch begegnen wir dem häufig zu hörenden Vorwurf, Pharma-Studien würden nur öffentlich, wenn die Ergebnisse den Unternehmen in die Karten spielen.

Diese Aktivitäten zeigen, wie wichtig uns Transparenz ist. Wir bauen so eine Brücke zwischen der interessierten Öffentlichkeit und unseren Wissenschaftlern, die davon überzeugt sind, dass sie einen wertvollen Beitrag leisten – für eine bessere medizinische Versorgung und eine ausreichende Ernährung der Menschen.

Dabei wissen die wenigsten Menschen, mit welcher Sorgfalt heute in der Erforschung und Entwicklung von Medikamenten und Pflanzenschutzprodukten gearbeitet wird. Diese Sorgfalt spiegelt sich in einem enormen Aufwand an Zeit und Geld wider. So kostet die Entwicklung eines neuen Medikaments heute im Durchschnitt mehr als eine Milliarde Euro und dauert meist länger als zehn Jahre. Im Pflanzenschutzbereich sieht es ähnlich aus. Hier schafft es von rund 100.000 Prüfsubstanzen am Ende nur eine auf den Markt – nach durchschnittlich 13 Jahren und 1.200 Registrierungsstudien, die erforderlich sind, bis ein neuer Wirkstoff bei Kulturpflanzen angewendet werden kann.

Sicher, es gibt auch Grenzen für Transparenz. Bei klinischen Studien müssen sensible Patientendaten selbstverständlich geschützt bleiben. Und wir müssen natürlich auch sicherstellen, dass unser geistiges Eigentum nicht in die Hände von Wettbewerbern fällt – unser gesamtes Geschäftsmodell als innovatives Unternehmen hängt davon ab. Aber wir arbeiten daran, die richtige Balance zwischen größtmöglicher Transparenz und notwendiger Vertraulichkeit finden – um wieder mehr Vertrauen zu schaffen, ohne das unsere Gesellschaft nicht funktionieren kann.