• Plan gegen den Hunger

    Aus den Substanzen, die Heiko Rieck synthetisiert, entstehen Fungizide. Sie schützen Obst, Gemüse, Getreide und Kartoffeln vor Pilzen.

Samstag ist Markttag für Heiko Rieck. Und darauf freut er sich die ganze Woche. Denn der Gang an den Ständen vorbei ist für ihn immer wieder ein Fest für die Sinne. Und er weiß, dass seine Freude den Einkauf überdauern wird.

Das eingekaufte Obst und Gemüse sind die Zutaten für sein wunderbares Essen, das er später am Tag mit der Familie und Freunden genießen will. „Hier, riechen Sie mal! So duftet nur eine wirklich reife Mango“, sagt der begeisterte Hobbykoch und hält einem die grüne Frucht vor die Nase. Und schon ist er am nächsten Stand: Rieck schließt seine Lider, schnuppert wieder, drückt beinahe zärtlich eine Papaya, dreht sie noch mal vor seinem kritischen Auge und kauft. Er weiß, was er will. Und das nicht nur auf dem Markt.

Er war zehn, als er seine Leidenschaft fürs Kochen entdeckte. Heute ist er 44 – und kocht nicht nur privat. Rieck hat in Heidelberg, Montpellier und Stanford Chemie studiert, und wenn er seine Arbeit bei Bayer CropScience beschreibt, steht auch dort das Kochen im Vordergrund. „Wir nutzen diesen Begriff, wenn wir im Labor Substanzen synthetisieren“, sagt er lachend.

Auf dem Markt mit Dr. Heiko Rieck

Aus den Substanzen, die Heiko Rieck dort seit 1998 gemeinsam mit seinen Kollegen synthetisiert, entstehen für Bayer wichtige Produkte: Fungizide. Sie schützen Obst, Gemüse, Getreide und Kartoffeln vor Pilzen. Manchmal genügt eine einzige Pilzspore, um eine Pflanze zu infizieren. Die Sporen befallen Wurzeln, Stängel, Blüten oder Fruchtanlagen und rufen damit Krankheiten hervor, die Ernteertrag und -qualität extrem beeinträchtigen können.

Spätestens, wenn der Pilz als grau-brauner, bisweilen auch weißlicher Belag auf Trieben und Blättern sichtbar wird, weiß der Obstbauer oder Landwirt: Jetzt hat er ein echtes Problem, das sich bis auf die Früchte ausdehnen kann. Erst einmal infiziert werden sie den Verbraucher nicht makellos erreichen, sondern schon auf dem Transport zum Markt oder in die Supermärkte verfaulen. „Das führt Jahr für Jahr zu gewaltigen Verlusten“, sagt Rieck.

Je nach Befall, Kultur und Land können diese Einbußen zum Teil deutlich im zweistelligen Prozentbereich liegen. Experten sagen, dass rund ein Drittel der Erntegüter weggeworfen wird, weil sie bereits vor dem Verzehr verdorben sind. Also müssten bei vollständigem Verzicht auf Fungizide die Anbauflächen um rund zehn Prozent erweitert werden, um dieselben Erntemengen zu erzielen. Doch woher zusätzliche Anbaufläche nehmen? Schon jetzt verringert sich die Pro-Kopf-Fläche für die Produktion von Nahrungsmitteln stetig.

Forschung zum Wohl der Pflanzen

Rieck und seine Kollegen setzen deshalb ihren Fokus auf die Entwicklung neuer Lösungen gegen Pflanzenkrankheiten. Und das mit großem Erfolg. Jüngstes Beispiel ist Luna™. Der neue Wirkstoff in Luna™ verhindert die Entstehung von Grauschimmelfäule oder Echtem Mehltau, indem er zielgenau bis in die Mitochondrien der Pilzzellen eindringt. Diese Kraftwerke verwandeln normalerweise Zucker in Energie und erhalten so die Zellen am Leben. Dabei blockiert er ein wichtiges Enzym der Energieproduktion und des Zellstoffwechsels.

Die Folgen: Obst ist bis zur Ernte rundum geschützt und kann danach unbesorgt eingelagert werden. „Wir haben unser neues Botrytis- und Mehltaumittel in mehr als 70 Kulturen weltweit erfolgreich geprüft. Darunter Weintrauben, Pfirsiche, Äpfel, aber auch andere Früchte wie Himbeeren, die zu den Spezialkulturen gehören“, sagt Produktmanager Dominique Steiger. Luna™ hat sich außerdem in Tests mit Tomaten, Raps und sogar Schnittblumen hervorragend bewährt.

Neue Fungizide: Hemmer in der Atmungskette

Denkt Rieck manchmal beim Schlendern über den Markt daran, dass die gesunden Früchte ihre Vitalität ihm und seinen Kollegen zu verdanken haben? „Ja, manchmal schon“, sagt er und lächelt dabei wieder. „Ich bin tatsächlich ein wenig stolz und auch froh darüber, dass unsere Entwicklungen helfen, dem Verbraucher gesundes und qualitativ hochwertiges Obst und Gemüse zu liefern.“ Und deshalb wird er auch in Zukunft weiter nach neuen Rezepten suchen, denn Kochen – wo auch immer – macht ihn einfach glücklich.

Liam Condon

Wir müssen einer neuen landwirtschaftlichen Revolution Leben einhauchen. Zum Wohle der Menschen und des Planeten. Heute ebenso wie morgen.

Liam Condon, Vorstandsvorsitzender von Bayer CropScience

Fünf-Punkte-Plan

„Unser Planet“, sagt Liam Condon, „hat seine ökologischen Grenzen erreicht.“ Für den Vorstandsvorsitzenden von Bayer CropScience ist deshalb klar: „Wir müssen das verfügbare Land besser bewirtschaften.“ Und dazu brauche man schlicht und einfach „neue Ideen“.

Genau das ist der Hintergrund für den Fünf-Punkte-Plan von Bayer CropScience. Ein ganzheitlicher Ansatz zur Förderung einer neuen Revolution in der Landwirtschaft. Damit knüpft das Unternehmen an die sogenannte grüne Revolution der Sechzigerjahre an. Damals konnte die landwirtschaftliche Produktion enorm gesteigert werden – und zwar durch den vermehrten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Dünger.

Mehr lesen

Heute sind andere Maßnahmen gefragt. Neue Ideen eben. Diese hat Bayer CropScience in fünf Punkten festgeschrieben. Punkt 1 sieht gezielte Investitionen in agrarwirtschaftliche Innovationen vor, um mit neuen Lösungen die zentralen Herausforderungen der Landwirtschaft anzugehen. Denn Condon weiß: „Es ist entscheidend, dass wir alle verfügbaren Forschungsansätze verfolgen, um die Welternährung nachhaltig zu sichern.“

Punkt 2 ist das Bestreben, Landwirte weltweit durch den Zugang zu Technologien, Know-how und Ausbildung zu stärken. So unterstützt Bayer CropScience zum Beispiel mit dem „Model Village Project“ Kleinbauern in Indien dabei, selbstständige und unabhängige Unternehmer zu werden. Diese Hilfe wird in Zukunft auch die Lebensbedingungen in den Dörfern verbessern.

Den nachhaltigen Ausbau der Agrarproduktivität schreibt Punkt 3 fest. Condon fordert: Agrarwissenschaftler sollten sich noch stärker als bisher auf klimaintelligente Lösungen für die Landwirtschaft konzentrieren. Auch die gibt es teilweise schon. Etwa beim Reisanbau. Da hat Bayer CropScience umfassende Lösungen entwickelt. Dazu gehören Hybridsaatgut, neue Pflanzenschutzmittel, Technologien und Schulungen.

Wie Pflanzen Dürreperioden besser überstehen

Ein Drittel aller Kinder weltweit kann sich nicht voll entwickeln. Der Grund: Mangelernährung. Wie man diesem Defizit entgegenwirken kann, steht in Punkt 4 des Zukunftsplans: die Förderung der Gesundheit der Menschen durch die sogenannte Biofortifizierung. Ein Fachbegriff, hinter dem sich die erhöhte Aufnahme von Nährstoffen wie Zink, Eisen und Jod durch die Pflanze verbirgt. Und genau auf diesem Gebiet arbeitet Bayer CropScience bereits mit Organisationen wie Harvest Plus zusammen. Das gemeinsame Ziel: den Nährwert von Pflanzen zu verbessern.

Der letzte Schritt des Fünf-Punkte-Plans betrifft den Ausbau der internationalen Zusammenarbeit zwischen politischen und Wirtschaftsakteuren. Und dabei sollte man sich gemeinsam auf den Aspekt der praktischen Umsetzung konzentrieren, so Condon. Der Privatsektor hätte dann die Aufgabe, weiterhin in Wissenschaft, Produkte und Dienstleistungen zu investieren. Er würde damit seinen Beitrag leisten, um Ernährungssicherheit und ländliche Entwicklung zu verbessern. Gleichzeitig gebe es aber Herausforderungen wie mangelnde Bildung, politische und wirtschaftliche Instabilität, schlechte Infrastruktur und unsichere Rahmenbedingungen. Hiergegen müssten viele Akteure gemeinsam vorgehen.