Offen, konstruktiv, faktenbasiert – das ist der Weg

In wenigen Tagen startet wieder die Grüne Woche. Wieder werden sich tausende Menschen über die Landwirtschaft informieren – und wieder werden tausende mit markigen Sprüchen gegen „Pflanzengifte“, „Bienenkiller“ und die „Agrarindustrie“ demonstrieren. Doch Konfrontation ist der falsche Weg. Was wir brauchen, ist eine konstruktive und ideologiefreie Debatte über die beste Landwirtschaft der Zukunft.

Christian Maertin

Christian Maertin

Leiter Corporate Communications
Bayer AG

„Klar, die Landwirtschaft muss nachhaltiger werden“, sagt Bayer Agrarvorstand Liam Condon gerne, wenn er nach den größten Herausforderungen in seiner Branche gefragt wird. „Eine einseitige Fokussierung auf Ertrag kann nicht der Weg in die Zukunft sein.“ Die große Herausforderung sei, so sein Credo, zwei zentrale Ziele in Einklang zu bringen: mehr Effizienz, aber eben auch mehr Nachhaltigkeit. Die Autoren des renommierten Weltagrarberichts, dessen neueste Auflage gerade erst vorgestellt wurde, bestätigen die Richtigkeit genau dieses Ansatzes.

Eine einseitige Fokussierung auf Ertrag kann nicht der Weg in die Zukunft sein.

Natürlich gibt es zahlreiche Faktoren, die dem Erreichen dieser Ziele im Weg stehen: technische, ökonomische, ökologische, klimatische. Einer der Wesentlichsten jedoch ist die Art und Weise, wie die Debatte um die Landwirtschaft geführt wird. Mit vielen Beteiligten ist ein konstruktiver, faktenbasierter Austausch heute kaum noch möglich. So werden am Samstag wieder tausende Menschen unter dem Motto „Wir haben es satt“ in Berlin auf die Straße gehen. Wieder werden Polemik und markige Sprüche zu mehr Polarisierung, Konfrontation und Spaltung führen.

„Leute, es wird Zeit, dass wir wieder auf die Straße gehen!“, schreibt denn auch das Biomagazin Schrot & Korn seinen Lesern im Januar. Sie sollen nicht im „stillen Kämmerlein“ dem „Gefühl der Ohnmacht“ nachgeben, sondern stattdessen „laut, stark, nachdrücklich“ demonstrieren gehen. Schrot & Korn, gratis erhältlich an der Kasse vieler Bio-Märkte, hat eine Auflage von knapp 900.000 Exemplaren. Jetzt soll die Macht von fast einer Million Lesern sichtbar werden.

Um die Stimmung rechtzeitig anzuheizen, hatte sich das Magazin schon in der Dezember-Ausgabe auf das größte Feindbild vieler Bio-Anhänger eingeschossen: das unter anderem von Bayer produzierte Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat. In ihrem Editorial räsoniert die verantwortliche Redakteurin Stephanie Silber darüber, dass einerseits der Verdacht im Raum stehe, Glyphosat sei krebserregend, Bayer anderseits aber auch Medikamente gegen Krebs verkaufe. „Da sträubt sich alles“, schreibt die Redakteurin.

Ehrlich gesagt: Bei mir auch. Wie hier jemand frei von jeglichem Sachverstand und ohne interne Einblicke andeutet, Bayer würde absichtlich Krebserkrankungen in Kauf nehmen um Geld zu verdienen, macht mich fassungslos.

Wissenschaftliche Analysen sind die Basis von allem

Dass sich die Redakteurin für die wissenschaftliche Sicht erst gar nicht interessiert, gibt sie auch ganz offen zu: „Mir sind diese Studien langsam egal! Ich weiß, dass ich für unsere Gesellschaft dieses System“ – gemeint sind große Unternehmen im Markt für Saatgut – „nicht möchte.“

Ich dagegen möchte ein System nicht, bei dem Bauchgefühle das rationale Denken verdrängen und in dem Menschen nur noch Informationen Glauben schenken, die ihr persönliches Weltbild bestätigen. Sicherheitsstudien, unabhängige Experten und wissenschaftliche Analysen sind nicht „egal“, sondern die Basis von allem.

Halten wir daher nochmal fest: Seit mehr als 40 Jahren bewerten Zulassungsbehörden auf der ganzen Welt Glyphosat als sicher und nicht krebserregend, wenn es sachgerecht angewendet wird. Nur die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stufte 2015 Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein – in der gleichen Kategorie wie zum Beispiel rotes Fleisch und heiße Getränke.

Mit diesen Produktgruppen allerdings hat „Schrot & Korn“ keine Berührungsängste. Bei rotem Fleisch hat sich die Redaktion sogar explizit mit dem Krebsrisiko auseinandergesetzt. In einem älteren Artikel heißt es wörtlich: „Alarmfarbe Rot? Dass ausgerechnet Rind- und Schafsfleisch krebsfördernd sein sollen, ist nach bisheriger Erkenntnis eher unwahrscheinlich. Nicht die Farbe ist entscheidend, sondern die Zubereitung.“ Anders gesagt: Solche Einstufungen sind für „Schrot & Korn“ vor allem dann relevant, wenn sie ins redaktionelle Weltbild passen.

Nicht übereinander reden, sondern miteinander

Ähnliche Prinzipien legt das Magazin auch an die Auswahl seiner Gesprächspartner an. Wie bei vielen Kritikern haben wir uns bemüht, auch mit der Redaktion ins Gespräch zu kommen, und damit dem Anspruch der Bayer-Kommunikation gerecht zu werden, nicht übereinander zu reden, sondern miteinander. Doch zu einem Interview war Schrot & Korn nicht bereit. Selbst aus der Absage dürfe nur nach Rücksprache mit ihr zitiert werden.

Schade. Wir hätten uns gerne mit der verantwortlichen Redakteurin über die Bedeutung wissenschaftlicher Studien ausgetauscht. Gerne hätten wir auch diskutiert, wie ein Landwirt mit Glyphosat seine Ernte schützt oder ob man allein mit biologischer Landwirtschaft eine wachsende Weltbevölkerung ernähren kann. Für diese inhaltlichen Fragen bot uns Frau Silber lediglich an, Ansprechpartner zu vermitteln. Eine Zurückhaltung, von der in ihren Editorials wenig zu spüren ist.

„Kommunikation mit Andersdenkenden ist anstrengend. Aber ihre Verweigerung ist das Ende der Kompromissfähigkeit“, sagt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Auch in der Kommunikation von Bayer erleben wir diese Verweigerung leider regelmäßig. Trotzdem werden wir auch 2019 wieder genau den gegenteiligen Weg wählen. „Sprechen Sie mit Menschen, die nicht Ihrer Meinung sind. Wer gar nicht spricht und erst recht nicht zuhört, kommt Lösungen kein Stück näher“, sagt Steinmeier. Recht hat er.