David Behre

Unser Antrieb muss von innen kommen!

Sich selbst motivieren, aus Rückschlägen lernen? Damit hat David Behre viel Erfahrung. Er gehört zu den deutschen Spitzenathleten des paralympischen Sports.

David Behre

Ob Bahn oder Büro – unser Antrieb muss von innen kommen!

Sich selbst motivieren, aus Rückschlägen lernen: Damit hat David Behre viel Erfahrung. Der Leichtathlet TSV Bayer 04 Leverkusen gehört zu den deutschen Spitzenathleten des paralympischen Sports - seine Behinderung begreift er heute als Chance.

Martin Gruss

David Behre

gilt als einer der schnellsten Sprinter mit Unterschenkel-Prothesen weltweit.

Viele werden meine Geschichte schon kennen. Für die anderen gibt es hier vorab eine Kurz-Version: Am 8. September 2007 hat sich bei einem schweren Unfall an einem Bahnübergang in Moers mein Leben von einer Sekunde auf die andere total verändert. Ich habe damals beide Füße und die Unterschenkel verloren. Schon damals war mir klar: Du wirst nicht aufgeben. Niemals. Wie das aussehen könnte, habe ich in einer Fernseh-Reportage gesehen. Da ging es um Oscar Pistorius, den Blade Runner aus Südafrika. Ich war fasziniert, wie er gelaufen ist. Und da wusste ich sofort: Das will ich auch, das kann ich auch. Es war mein tiefer innerer Wille, der mich seitdem angetrieben hat. Diese Motivation wird mich als Sportler noch zu den Paralympics 2020 in Tokio führen.

Nicht jeder Schritt war einfach

Der Weg vom Krankenhaus zu den ersten Paralympics 2012 in London, dem Gewinn des Titels über 400 Meter bei den Weltmeisterschaften 2015 in Doha und zu den drei Medaillen bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro war wie ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Damit niemand etwas falsch versteht: Nicht jeder einzelne Schritt auf dem Weg dorthin war einfach. Es gab sogar immer wieder Situationen, in denen ich gezweifelt und mich gefragt habe, warum ich das eigentlich mache. Und mein Trainer hat manchmal ein paar unfreundliche Worte abbekommen. Aber wir waren uns immer einig: Das ziehen wir durch.

Eine wirklich gute Leistung kannst du auf Dauer nur schaffen, wenn du davon überzeugt bist, was du tust. Es wird nicht immer das reine Vergnügen sein und es wird Tage geben, an denen vieles stört. Dann kann nur die eigene Motivation der Anker sein, der einen Ausweg bietet.

Gerade im Jahr 2017 musste ich ein paar Rückschläge hinnehmen, wie sie wohl jeder Sportler in seiner Karriere irgendwann erlebt. Der Weg nach Rio hatte mehr Kraft gekostet, als ich ahnen konnte. Dann machte plötzlich der Körper nicht mehr mit. Ich musste meinen Start bei den Weltmeisterschaften in London absagen und anschließend eine längere Pause einlegen. Bald konnte ich aber spüren, dass sich die Akkus Stück für Stück erholen. Deshalb kam es nie in Frage, aufzuhören mit dem, was ich liebe: Laufen, so schnell wie möglich. Inzwischen trainiere ich längst wieder und werde bis zu den Paralympics 2020 in Tokio alles geben. Ich will den Weg, der am 8. September 2007 begonnen hat, zu Ende gehen.

Landwirte auf einem Rapsfled

Motivation pur: Markus Rehm, David Behre, Felix Streng und Johannes Floors (v.r.) gewannen als 4x100m-Staffel bei den Paralympics in Rio de Janeiro, Brasilien, 2016 die Goldmedaille für ihre hervoragende Teamleistung.

Die eigene Motivation als Anker

Der Sport ist mein Beruf und er unterscheidet sich von vielen anderen Tätigkeiten. Was uns aber alle eint – egal, ob du auf der Bahn um jede Zehntelsekunde kämpfst oder in einem Büro möglich machst, dass ein Betrieb oder eine Abteilung funktioniert: Eine wirklich gute Leistung kannst du auf Dauer nur schaffen, wenn du davon überzeugt bist, was du tust. Es wird nicht immer das reine Vergnügen sein und es wird Tage geben, an denen vieles stört. Dann kann nur die eigene Motivation der Anker sein, der einen Ausweg bietet. Ich hatte damals das Glück, mich aus etwas befreien zu können, dass mein Leben von einer Sekunde auf die andere total verändert hat. Die Pistorius-Geschichte war Zufall. Dass ich nicht aufgebe, stand aber schon vorher fest. Davon will ich anderen gerne etwas weitergeben, jetzt und nach meiner aktiven Sportler-Karriere. Motivieren, Auswege suchen und Lösungen finden – diese Dinge braucht doch jeder von uns.