Nicht immer sieht man mit dem Zweiten besser

Mit dem Zweiten sieht man besser! Auf zwei vor Kurzem im ZDF ausgestrahlte Sendungen trifft der bekannte Slogan des Senders leider nicht zu. Einseitig und wenig faktenbasiert vermitteln die Autoren ihre gewünschte Botschaft. Auf der Strecke blieb dabei ein ausgewogenes journalistisches Informationsangebot an die Zuschauer.

Mit seinen Schwerpunkten Gesundheit und Ernährung ist Bayer in zwei gesellschaftlich hochrelevanten Bereichen unterwegs. Damit verbunden ist nicht nur eine große Verantwortung gegenüber unseren Kunden, sondern auch gegenüber der breiten Öffentlichkeit. Wir legen großen Wert darauf, mit unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen zu diskutieren, wie man die Lebensverhältnisse einer steigenden Weltbevölkerung verbessern kann, ohne die natürlichen Ressourcen der Welt zu zerstören. Unter dem Motto „Dialog statt Deckung“ haben wir uns zu einem offenen und konstruktiven Austausch mit allen Interessengruppen verpflichtet. Das gilt ausdrücklich auch für die Diskussion mit Kritikern. Ein solcher Dialog setzt allerdings voraus, dass es auf beiden Seiten ein aufrichtiges und ernsthaftes Interesse an der Argumentation des jeweils Anderen gibt. Leider ist dies längst nicht immer der Fall. Zum Beispiel dann, wenn Medien ein Interview anfragen, bei dem wir davon ausgehen müssen, dass Storyline, Dramaturgie und Kernbotschaften des geplanten Beitrags längst feststehen.

In den vergangenen Tagen hat das ZDF den Themen Bayer, Landwirtschaft und Biodiversität gleich zwei Reportagen gewidmet. Für beide Sendungen sind wir vorab um eine Stellungnahme vor der Kamera gebeten worden. Entgegen unserem eigenen Anspruch, wo immer möglich für einen Dialog zur Verfügung zu stehen, haben wir letztendlich nur mit einem kurzen schriftlichen Statement geantwortet. Der Grund dafür ist – anders als in beiden Filmen behauptet – nicht, dass wir uns pauschal über eine „unfaire Behandlung durch die Medien“ beklagen würden. Vielmehr war gerade in diesen beiden Fällen von Anfang an erkennbar, dass wir nicht mit einer differenzierten und faktenbasierten Berichterstattung rechnen können, sondern die Rollen von Gut und Böse längst verteilt waren, lange bevor die Redaktion uns um unsere Meinung gefragt hat.

Nach Ausstrahlung der beiden Sendungen sehen wir uns leider in unserer Einschätzung bestätigt. Beide Reportagen stehen für eine heute weit verbreitete Art, Filme zu drehen: Viel Framing, wenig Differenzierung und die Dramaturgie so aufgebaut, dass die gewünschte Botschaft unmissverständlich transportiert wird, unabhängig davon, ob sie von den Fakten und Erfahrungen unabhängiger Experten wirklich getragen wird.

Christian Maertin

Christian Maertin

Leiter Corporate Communications
Bayer AG

Was die beiden Sendungen des ZDF angeht, heißt das zum Beispiel:

  • Antje Pieper moderiert ZDFzoom mit den Worten an: „Hier geht es jetzt um das große Bienensterben und das tödliche Geschäft mit Pflanzengiften.“ Mehr Framing in nur einem Satz geht kaum. Die Unterstellung, es gäbe in Deutschland ein großes Sterben der Honigbienen ist zudem schlichtweg falsch. Die Zahl der Honigbienenvölker steigt seit Jahren kontinuierlich.
  • In der Einstiegsszene von „Bioschutz statt Ackergift“ schildert der Imker Christoph Koch über mehrere Minuten einen singulären und elf Jahre zurückliegenden Fall von Bienensterben, der nachweislich auf einen Unfall zurückzuführen ist, der so heute nicht mehr möglich wäre. Ohne konkrete Belege zu nennen, vermittelt der Film dem Zuschauer trotzdem den Eindruck, die Pflanzenschutzmittel selbst seien verantwortlich für den beschriebenen Vorfall.
  • Die führenden internationalen Zulassungsbehörden haben die verschiedensten Einsatzmöglichkeiten der in beiden Filmen diskutierten Pflanzenschutzmittel zugelassen. Selbst die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat bei ihrer Risikobewertung von Imidacloprid im Jahre 2018 keinerlei Einsatzmöglichkeiten mit einem unkalkulierbaren Risiko für Honigbienen feststellen können. Die folgenden Beschränkungen basieren vielmehr auf Datenlücken, unzureichenden Sicherheitsnachweisen und einem von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen Vorsorgeansatz. Diese Hintergründe werden in beiden Filmen jedoch mit keinem Wort erwähnt.
  • Als biologische Alternative zu chemischen Pflanzenschutzmitteln präsentiert der Autor Nematoden („Fadenwürmer – genauso wirksam, ohne Nebenwirkungen“). Diese Behauptung zeugt von einer erschreckenden Unkenntnis der Thematik. Nematoden können allenfalls in einigen Fällen und unter kontrollierten Bedingungen gegen bestimmte Schädlinge eingesetzt werden. Da sie empfindlich gegenüber Sonnenlicht sind und leicht austrocknen, sind sie zudem auf Bodenanwendungen beschränkt. Der Schädlingsbefall von größeren Pflanzen wie Mais, Soja, Weizen, Reis oder Baumwolle lässt sich durch Nematoden unter Freilandbedingungen nicht effektiv kontrollieren. In Summe sind sie also keinesfalls ein genauso wirksames Pflanzenschutzmittel.
  • Die Redaktion hatte uns gegenüber ausdrücklich eine „ausgewogene, journalistisch saubere und faire Berichterstattung“ angekündigt. In der Realität jedoch präsentieren die beiden Filme den Zuschauern einen allseits bekannten Kritiker von Pflanzenschutzmitteln nach dem anderen. Andere Sichtweisen, etwa von Landwirten, unabhängigen Zulassungsbehörden oder Wissenschaftlern der Bieneninstitute, die am Deutschen Bienenmonitoring teilgenommen haben, werden praktisch komplett ignoriert.

Unser Fazit lautet daher: Wir werden auch in Zukunft für „Dialog statt Deckung“ stehen. Allerdings unter der Voraussetzung, dass ein differenzierter, sachlicher und ideologiefreier Austausch möglich ist.