Menstruations­tassen helfen Schulmädchen in Afrika

 

Weltweit verpassen jeden Monat Millionen Mädchen die Schule, weil sie ihre Tage haben. Sie können sich einfach keine Binden oder Tampons leisten. Bayer-Mitarbeiter helfen Mädchen in Kenia mit Menstruationstassen. So ermöglichen sie den Mädchen die Chance auf mehr Bildung – und auf ein besseres Leben.

Es sind schockierende Nachrichten wie diese, die Aino Försti-Smith, Bayer-Mitarbeiterin in Finnland, antreiben, Mädchen in Kenia zu helfen. Den Artikel hat sie ausgeschnitten aus der Zeitung vor sich. Er ist vom September 2019. Die Daily Nation berichtet über den Selbstmord einer kenianischen Schülerin. Sie hatte zum ersten Mal ihre Tage, das Blut verschmutzte ihre Kleidung. Der Lehrer demütigte die 14-Jährige so sehr, dass sie sich in ihrer Verzweiflung mit einem Lasso am Baum erhängte.

„Eine traurige Geschichte, die einen guten Eindruck von der harten Realität vermittelt“, sagt Aino Försti-Smith. Mit harter Realität meint die Finnin, dass Menstruation für Frauen an vielen Orten auf der Welt ein großes Problem ist. Schätzungen zufolge haben laut der WHO mindestens fünfhundert Millionen Frauen keinen Zugang zu Hygieneartikeln, mit denen sie ihre Regelblutung auffangen können.

In Kenia sind Hunderttausende Frauen betroffen. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt hier unterhalb der Armutsgrenze. Für Binden fehlt häufig das Geld. Eine Packung kostet fast so viel, wie Menschen an einem Tag verdienen. Viele Mädchen und Frauen müssen ohne auskommen. Aber da ist das Blut, und sie müssen es auffangen oder stoppen.

Schwämme, Stofffetzen oder Sand statt Binden

Sie packen sich Schwämme, Stofffetzen, Watte oder sogar Sand in die Hose. Doch das ist unhygienisch und kann zu Infektionen führen. In ihrer Verzweiflung zahlen manche Frauen mit ihrem Körper: Sex gegen Hygieneartikel. Transaktionssex nennen sie das in Afrika. Er kann schon im Teenageralter zu Schwangerschaften und HIV führen.

Dazu kommen die Scham und Angst. Die Mädchen fürchten, sie könnten mit ihrem Blut etwas schmutzig machen oder sich blamieren – und gehen deshalb nicht in die Schule. Doch wenn sie wegen ihrer Tage zu Hause bleiben, haben sie ein anderes Problem. Wer nicht regelmäßig zum Unterricht kommt, verliert den Anschluss – das bedeutet: schlechtere Noten, weniger Chancen auf einen Abschluss und auf einen gutbezahlten Job.

Schule verteilt Binden und Menstruationstassen

Försti-Smith und ihre Kollegen in Kenia wollen diese Probleme so nicht hinnehmen. Seit Jahren schon verteilen Bayer-Mitarbeiter an der Baba Dogo Primary School in Kenias Hauptstadt Nairobi gratis Binden an Mädchen, damit die Mädchen trotz Monatsblutung zur Schule gehen und sich auf den Unterricht konzentrieren können.

Vor ein paar Monaten startete an dieser Schule jetzt noch ein neues Projekt. Die Schülerinnen bekamen ein Geschenk, das auch langfristig sehr wertvoll für sie sein wird: Bayer-Mitarbeiter aus Nairobi und die Organisation The Cup besuchten die Schule und verteilten Menstruationstassen an die Mädchen – und leisteten Aufklärungsarbeit.


Die Tassen und das Projekt

Die Menstruationstassen von der Organisation The Cup sind eine nachhaltige und hygienische Menstruationslösung. Sie können zehn Jahre lang wiederverwendet werden.

Das Cup-Team unterrichtet die Mädchen auch über Menstruationsgesundheit und andere Themen, über die Jugendliche Bescheid wissen müssen, um gesund aufwachsen zu können. In den Stunden ging es zum Beispiel um Aufklärung, Schutz beim Sex und Menschenrechte.

Der Ansatz der Organisation ist ein ganzheitlicher. Er richtet sich auch an die Gemeinschaft, in der die Mädchen leben. An der Baba Dogo School wurden deshalb auch Jungen, Lehrer und Eltern geschult.

Försti-Smith und ihre kenianische Kollegin Helen Mwathi sind die Initiatorinnen des Projekts. Finanzielle Unterstützung kommt von der Bayer Stiftung.

Ein Grundbedürfnis wird erfüllt. Die Mädchen können sich auf das Lernen konzentrieren.“

Und was sagen die Mädchen? „Sie freuen sich, dass ein Grundbedürfnis erfüllt wird“, sagt Försti-Smith. „Sie müssen sich keine Gedanken mehr darüber machen, wo sie Hygieneartikel her bekommen. Sie können sich auf das Lernen konzentrieren.“

So verbessert das Projekt die Bildungschancen der Mädchen. „Ich bin der Überzeugung, dass das eine große Rolle spielt, wenn es darum geht, ihr Leben und ihre Zukunft zu verbessern“, sagt Helen Mwathi. Bildung ist für sie auch der erste Schritt in eine gleichberechtigte Welt. „Es wird helfen, positive Veränderungen in Familien und Gemeinden voranzutreiben.“

Veränderungen, die wichtig sind – auch damit Medien nicht mehr über Mädchen berichten müssen, die Selbstmord begehen, weil sie ihre Tage haben.

Soziales Engagement – Rückenwind für Engagierte

Ein indischer Mitarbeiter, der eine Bibliothek in einer Dorfschule seines Heimatortes einrichtet. Der Pensionär, der nun eine Lebensmittelausgabe in einer deutschen Kleinstadt leitet. Die finnische Marketing-Kollegin, die mit einem Sales-Team in Kenia jungen Mädchen Zugang zu Hygieneartikeln und Gesundheitserziehung ermöglicht. Die Mitarbeiterin, die im Winter mit dem Kältebus abends obdachlose Menschen in der Kölner Innenstadt versorgt.
Es gibt viele Wege, ehrenamtlich gesellschaftliche Herausforderungen anzupacken. Die Bayer Cares Foundation unterstützt weltweit Mitarbeiter, die sich ehrenamtlich engagieren. Die Stiftung zeichnet innovative Freiwilligenprojekte als „Role Models“ (Vorbilder) aus. Sie erhalten eine einmalige Förderung von bis zu 5.000 Euro. Seit dem Start des Ehrenamtsprogramms im Jahr 2007 hat die Bayer Cares Foundation so zum Erfolg von 632 Projekten in mehr als 60 Ländern beigetragen – und damit vielen Menschen eine bessere Gesundheitsversorgung, Bildung oder Ernährung ermöglicht.

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