Medizinische Versorgung von Krebspatienten – auch in Zeiten von Corona

 

Corona stellt die Welt auf den Kopf. Aber Krebs macht keine Pause. Zeit ist ein entscheidender Faktor für Krebspatienten auf der ganzen Welt und sie können nicht warten, bis wir „eine neue Normalität“ erreicht haben, um ihre lebenswichtige Behandlung weiterhin zu erhalten. Eine logistische Herausforderung - nicht nur, aber gerade in diesen Zeiten.

Jeden Tag gehen Menschen zur medizinischen Versorgung zum Arzt oder in Krankenhäuser. Täglich werden in der ganzen Welt Tonnen von Gütern von A nach B transportiert - einschließlich lebenswichtiger Medikamente. Normalerweise.

Die Coronapandemie hat vieles stark verändert: Krankenhäuser müssen Ressourcen verlagern, Ärzte helfen bei der Behandlung von Covid-19-Patienten, Lieferketten brechen zusammen, weil der Flugverkehr eingeschränkt ist, um nur einige Beispiele zu nennen. Viele Dinge können warten, die Versorgung von Patienten jedoch nicht. Insbesondere für Krebspatienten ist es von größter Bedeutung, dass sie schnellstmöglich und kontinuierlich behandelt werden. Mit großem Engagement und kreativen Lösungen arbeiten viele Teams von Bayer unermüdlich hinter den Kulissen, um sicherzustellen, dass Krebspatienten ihre Medikamente auch unter diesen schwierigen Bedingungen im Rahmen des erforderlichen Behandlungsplans erhalten.

48 Stunden, um Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs zu erreichen

Mit dem Corona-Ausbruch und den weltweiten Beschränkungen des Luftverkehrs, hat der Transport von Bayers radiopharmazeutischem Medikament für fortgeschrittenen Prostatakrebs, der in die Knochen gestreut hat, eine neue Dimension erreicht. Das Produkt ist ein Alpha-Partikel-Strahler und die Produktion und der Transport sind auch in normalen Zeiten eine ständige Herausforderung. Da das Produkt Alpha-Partikel enthält, spielt der Faktor Zeit eine sehr wichtige Rolle, weil die Radioaktivität des Medikaments sich kontinuierlich abbaut. Aufgrund der kurzen Haltbarkeit des Produkts ist es nicht möglich, Sicherheitsbestände in einzelnen Ländern aufzubauen, um Unterbrechungen in der Lieferkette auszugleichen. Das Arzneimittel muss den Patienten innerhalb von 48 Stunden nach der Herstellung erreichen, um sicherzustellen, dass das richtige Aktivitätsniveau für die Behandlung verabreicht werden kann. Das in Oslo in Norwegen hergestellte Produkt wird in der Regel entweder per Transport auf der Straße oder im Falle von Überseemärkten von Partner-Fluggesellschaften geliefert, die mit dem Transport dieses speziellen Produkts vertraut sind.

Aufgrund der Pandemie konnten zivile Verkehrsflugzeuge bestimmte Märkte in Europa nicht mehr anfliegen, da viele Länder und Inseln gesperrt waren. In einigen dieser Länder gab es jedoch Patienten, die ihren nächsten Behandlungszyklus mit diesem radiopharmazeutischen Medikament erhalten sollten. Warten wäre keine Option gewesen, da der empfohlene Behandlungsplan erfordert, dass die Patienten das Medikament alle vier Wochen erhalten. Bayer untersuchte viele Möglichkeiten, die Patienten rechtzeitig mit dem dringend benötigten Medikament zu versorgen; vor allem an entlegeneren Orten oder Inseln: Wäre ein militärisches Frachtflugzeug eine Option? Oder könnten Patienten von Inseln mit einem extra angemieteten Jet auf das Festland geflogen werden, wo sie in einem Krankenhaus behandelt werden können? Sollte ein komplettes Flugzeug gemietet werden, um diese Patienten mit dem Produkt zu versorgen - möglicherweise mehrmals, bis wir wieder zum „Normalzustand“ zurückgekehrt sind? Schließlich wurde eine Lösung für die betroffenen Patienten gefunden: das Produkt, das bereits vom Produktionsstandort in Oslo in den Nahen Osten versandt worden war, konnte mithilfe einer Cargo-Flugverbindung, die vom Team identifiziert wurde, nach Europa umgeleitet werden. Auf diese Weise war es möglich, den betroffenen Patienten die erforderlichen Medikamentendosen zu verabreichen. Die globale Logistik für den Alpha-Partikel-Strahler bleibt auf absehbare Zeit eine enorme Herausforderung, und unsere Teams bleiben wachsam, um auf mögliche zukünftige Einschränkungen weiterhin reagieren zu können.

Eine neue Behandlungsmöglichkeit für Patienten in Deutschland

Mitten im Corona-Ausbruch in Europa genehmigte die Europäische Arzneimittel-Behörde eine neue Behandlung für Prostatakrebs. Das Team in Deutschland hatte die Einführung monatelang fleißig vorbereitet, um sicherzustellen, dass das neue Produkt die Patienten nach der Zulassung so schnell wie möglich erreicht - nicht nur unter logistischen Gesichtspunkten, sondern vor allem, um Ärzte ohne Zeitverzögerung über die Verfügbarkeit des neuen Produktes zu informieren und eine angemessene Anwendung des Medikaments zu gewährleisten. Während der Ausbruch der Pandemie in vollem Gange war und das Land und die Krankenhäuser das Worst-Case-Szenario planten und Kapazitäten, wo immer dies möglich war, für die Behandlung von COVID-19-Erkrankungen freigaben, sowie nicht zeitkritische Behandlungen auf Eis legten, überarbeitete das Bayer-Team die Kommunikationsaktivitäten für die Markteinführung buchstäblich über Nacht.
Handelsvertreter wurden virtuell geschult. Informationsveranstaltungen mit Ärzten wurden virtuell und interaktiv veranstaltet, um die neue Behandlungsoption zu diskutieren und darüber zu informieren. Regelmäßig wurden Newsletter verschickt, um Ärzte in dieser Krisensituation zu unterstützen. Während die Menschen zu Hause bleiben mussten, wurde eine Social-Media-Kampagne initiiert, die Patienten trotz allem ermutigen sollte, ihre Behandlung weiterhin wahrzunehmen und sich über verfügbare Optionen zu informieren, Die Einführung des Produkts auf später zu verschieben kam nicht infrage, da es für die betroffenen Patienten entscheidend ist, eine geeignete Behandlung zu erhalten, um das Fortschreiten der Krankheit zu verzögern.

Die Therapie konnte im Heimatland fortgesetzt werden

Für einige Patienten gibt es noch keine zugelassene Therapie zur Behandlung ihres Krebses. In diesem Fall können sie auf ein Prüfpräparat zugreifen, wenn ihr Arzt glaubt, dass es ihnen helfen könnte. Oft geschieht dies im Rahmen einer klinischen Studie, aber in einigen Fällen, wenn keine reguläre klinische Studie für den Patienten verfügbar ist, ist der Zugang als Anwendung in Härtefällen auch für einzelne Patienten möglich. Ein Krebspatient aus einem südasiatischen Land hätte solch ein Prüfpräparat von Bayer normalerweise in einer an einem solchen Programm beteiligten US-Klinik erhalten. Der neue Therapieansatz ist eine hochselektive Behandlung in Entwicklung, und eine weltweite Wohltätigkeitsorganisation, die unterversorgte Patienten unterstützt, half diesem Patienten aus Asien, in den USA eine Behandlung zu erhalten. In Zeiten von Reisebeschränkungen auf der ganzen Welt war es für den Patienten jedoch unmöglich, dorthin zu gelangen, aber er musste die Therapie fortsetzen. Bayer konnte einen sicheren Versand des Prüfpräparats in das asiatische Land organisieren, und der Patient spricht nach Angaben des örtlichen Arztes weiterhin gut auf die Behandlung an.

Für diesen Patientensorgte das Bayer-Team, trotz mehrerer Hindernisse, darunter Flugbeschränkungen, Schließung eines Krankenhauses und der Regierung im Heimatland und Ausfall normaler Versorgungswege, dafür, dass die Therapie aus der Ferne für den Patienten bereitgestellt werden konnte. Die Bayer-Teams wurden mobilisiert: insbesondere durch die Arbeit der Studienleiterin Jasmin Ashour, die den regelmäßigen Kontakt zu Kurieren, der Klinik in den USA, dem Krankenhaus und dem Krebsinstitut im Heimatland des Patienten sicherstellte, und James Travis vom Bayer-Team für Public Affairs in den USA, der Gespräche mit Konsulaten und einem ehemaligen US-Botschafter führte, um Verbindungen in Asien zu mobilisieren, konnte schließlich ein Weg für den Versand der Therapie gefunden werden. „Scheitern war keine Option“, sagte Binita Patel, die klinische Projektmanagerin für das Programm. Mit Unterstützung vieler Bayer-Mitarbeiter konnte der Patient die Therapie weiterhin erhalten.