Maria will den Darmkrebs bekämpfen

 

Darmkrebs im weit fortgeschrittenen Stadium: Als die Kolumbianerin Maria Claudia Renjifo Zambrano die Diagnose erhielt, war die Chance, dass sie überlebt, nicht mal 50/50. Doch sie kämpfte – und fand einen Weg, der ihr dabei half.

Maria Claudia Renjifo Zambrano hatte sich schon länger nicht wohl gefühlt. Sie war Anfang 40 und gerade von Venezuela nach Pittsburgh, USA, umgezogen. Bis dahin hatte sie immer gedacht, die Umstände seien schuld. Sie lebte wegen der Arbeit in Venezuela. „Die politische und die soziale Situation waren dort schwierig“, sagt Zambrano. Das stresste sie. Außerdem fiel es ihr schwer, sich gesund zu ernähren.

In den USA, dachte sie, wird alles besser: Sie war jetzt in Sicherheit, ernährte sich gut, trainierte für einen Fünf-Kilometer-Lauf. Aber auch nach einem Monat in Pittsburgh gingen die Symptome nicht weg. „Ich war ständig müde. Mein Magen war wie aufgeblasen, ich hatte Blähungen.“ Kurze Zeit später entdeckte Zambrano Blut in ihrem Stuhl. Sie suchte einen Arzt auf. Dann ging es Schlag auf Schlag: Eine Untersuchung folgte auf die nächste und schließlich die Diagnose: aggressiver Darmkrebs im weit fortgeschrittenen Stadium.

Krebs. „Das passiert den anderen. Nicht mir. Ich bin stark.“ Das war es, was Zambrano zuerst durch den Kopf ging. „Ich war erst 43 Jahre alt. Das ist nicht das Alter, in dem man an Darmkrebs erkrankt.“ Sie war jung – und plötzlich lag ihr Risiko, an Krebs zu sterben, bei 60 Prozent, und die Chance, ihn zu überleben, bei 40. „Ich hatte große Angst.“


Darmkrebs – die vierthäufigste Krebsart

Der Begriff Darmkrebs umfasst alle bösartigen Tumore des Darms. Am häufigsten bilden sich bösartige Krebszellen in den Geweben des Dickdarms (Kolon) oder des Enddarms (Rektum), so dass man auch vom kolorektalen Karzinom (CRC) spricht. CRC ist weltweit die vierthäufigste Krebsart. Pro Jahr erkranken daran mehr als eine Million Menschen.

Die Sterblichkeit für die Krankheit liegt etwa bei der Hälfte der Erkrankten. Durchschnittlich leben fünf Jahre nach der Diagnose noch 55 Prozent der Patienten. Die Rate hängt sehr stark davon ab, wie fortgeschritten das Stadium des Tumors bei der Entdeckung ist – von 74 Prozent der Patienten mit Stadium I bis zu nur 6 Prozent der Patienten mit Stadium IV.

In den ersten Wochen nach der Diagnose dachte sie immer wieder an die 60 Prozent Risiko zu sterben. Daran, dass es wahrscheinlicher sei, dass sie es nicht schafft. Kurz bevor die Chemotherapie begann, traf Zambrano eine Entscheidung: „Ich wollte mich ab jetzt auf die 40 Prozent konzentrieren. Darauf, dass ich es schaffe!“

Rückblickend sagt sie: „Ich denke, das hat den Unterschied gemacht: wie ich mit dem Prozess umgegangen bin, mit den Nebenwirkungen und den Risiken.“ Nach der OP, bei der ein Teil ihres Dickdarms entfernt wurde, und der sechsmonatigen Chemotherapie entschied sie sich zur Teilnahme an einer Studie. Nachdem die Chemotherapie komplett abgeschlossen war, begann sie mit der Einnahme der Tabletten, die sie im Rahmen der Studie erhielt.

Ich wusste, da ist etwas, das den Krebs möglicherweise daran hindern kann, zurückzukehren.

„In den ersten beiden Jahren ist die Gefahr, dass der Krebs zurückkommt, am größten. Daher habe ich große Hoffnung daraus geschöpft, Teil einer Studie zu sein, die darauf abzielt, genau das zu verhindern. Ich wusste, da ist etwas, das den Krebs möglicherweise daran hindern kann, zurückzukehren. Dieses Gefühl war unbezahlbar“, erinnert sich die heute 43-Jährige. Anderen Patienten, die sie kennenlernte, erging es anders. „Die meisten Darmkrebspatienten werden nach der Chemotherapie in ihr Leben zurückgeworfen. Sie müssen mit dem Risiko und der Angst leben, dass der Krebs zurückkommt.“

Doch auch mit etwas mehr Sicherheit veränderte sich Zambranos Sicht auf das Leben. Sie hörte auf, langfristige Pläne zu schmieden. „Ich konzentrierte mich unbewusst immer nur auf die nächsten drei Monate. Ich wusste ja nicht, ob ich noch ein Jahr Zeit habe oder nicht. So traurig das klingt: Es half mir, auf das Schöne im Jetzt zu schauen. Auf die erstaunlichen Menschen, die mich umgeben. Auf das Gute, das mir täglich widerfährt. Ich habe gelernt, Krebs nicht mein Leben kontrollieren zu lassen. Und ich habe gelernt, um Hilfe zu bitten und sie anzunehmen. Mein Glaube wurde stärker.“

Außerdem veränderte der Krebs ihren Lebensstil: „Ich esse kein rotes Fleisch mehr und keine verarbeiteten Lebensmittel. Ich trinke nur noch sehr selten und dann sehr wenig Alkohol. Und ich mache mehr Sport. Ich bin jetzt ein großer Fan von Pilates.“

Nach der Diagnose gingen auch ihre Verwandten zur Darmspiegelung. Dabei kam heraus: Drei ihrer Tanten auf der mütterlichen Seite hatten Darmpolypen. Aus Darmpolypen kann Darmkrebs entstehen. Bei einer anderen Tante wurde Darmkrebs im Stadium I diagnostiziert. Sie wurde operiert.

Zambrano rät nach ihrer persönlichen Geschichte jedem zur Vorsorge. „Darmkrebs ist unauffällig. Symptome zeigen sich erst im fortgeschrittenen Stadium. Auch wenn Sie in Ihrer Familie noch keinen Darmkrebs hatten, sollten Sie unbedingt ab dem Alter, ab dem dies von medizinischer Seite empfohlen wird, zur Darmspiegelung gehen. Es wird es wert sein.“