Jeder Patient ist einzigartig

Als Ärztin kann ich mich noch gut an die Zeit erinnern, als Chemotherapie und Bestrahlung die Standardtherapien gegen Krebs waren. Diese Therapieoptionen sind zwar wirksam und auch heute noch weitverbreitet. Aber unser Wissen darüber, was Krebs verursacht – und wie Krebs wächst und sich verändert – hat sich weiterentwickelt und neue Behandlungsansätze hervorgebracht.

Janice Chow

Dr. Svetlana Kobina

Leiterin Global Medical Affairs Oncology

Zuerst begannen wir zu verstehen, wie spezifische Proteine in bestimmten Körperzellen so „aktiviert“ oder „eingeschaltet“ werden, dass sie das Tumorwachstum fördern. Dieses Wissen ermöglichte uns, Therapien zu entwickeln, die die Krebszellen zielgerichtet bekämpfen, indem sie auf die spezifischen Proteine einwirken – zum Beispiel, indem sie diese Proteine „deaktivieren“ oder „ausschalten“. Das ist der Unterschied zur Chemotherapie, die sich ohne Unterscheidung gegen Krebszellen und gesunde Zellen richtet. Dadurch wird zwar der Tumor bekämpft, aber es werden auch Nebenwirkungen hervorgerufen.

Wir wissen jetzt auch, dass einige Krebsarten genomisch angetrieben werden. Das heißt, dass sie durch bestimmte Veränderungen in Genen, die in Form der DNA in jeder Körperzelle vorkommen, verursacht werden, was zu Anomalien oder molekulargenetischen Veränderungen führen kann. Die veränderten Gene in einer solchen Zelle führen zur Bildung veränderter Proteine, die das Tumorwachstum begünstigen können. Wenn wir mehr über diese Veränderung des Genoms eines Tumors erfahren, werden wir in der Lage sein, Krebstherapien passgenau auf spezifische molekulargenetische Veränderungen auszurichten, die Tumoren antreiben. Dieser Ansatz bedeutet, dass wir alle Tumore, welche dieselbe spezifische Veränderung aufweisen, zielgerichtet mit derselben Therapie angehen können – unabhängig davon, wo sich der Tumor im Körper befindet. Wenn also beispielsweise Lungenkrebs- oder Sarkompatienten, ob Erwachsene oder Kinder, dieselbe tumortreibende Genomveränderung aufweisen, sollte das eine Medikament, das gezielt gegen diese Veränderung entwickelt wird, eine geeignete Behandlungsmöglichkeit für sie alle sein.

Genomisch angetriebene Krebsarten in Aktion

Eine durch eine Genveränderung angetriebene Krebsart ist zum Beispiel TRK-Fusionskrebs. TRK-Fusionskrebs entsteht, wenn zwei Gene miteinander verschmelzen (fusionieren), wobei eines davon das NTRK-Gen ist. Dies führt zur Überexpression eines Proteins (in diesem Fall eines TRK-Proteins), die ein Tumorwachstum auslösen kann. TRK-Fusionskrebs kommt bei einem breiten Spektrum von Tumorarten vor und betrifft sowohl erwachsene als auch pädiatrische Patienten – verschiedene Tumorarten sind mehr oder weniger ähnliche Formen von TRK-Fusionskrebs.

Bayer wendet das Konzept der Präzisionsmedizin auf die NTRK-Genfusionen an. Zusammen mit unserem Partner Loxo Oncology erforschen wir neue Behandlungsmöglichkeiten für betroffene Patienten.

Die richtigen Patienten finden

Um die Früchte des zielgerichteten Angriffs an Genomveränderungen zu ernten, ist der Zugang zu speziellen molekulargenetischen Tests für Krebspatienten entscheidend. Mit den Tests können Ärzte die Treiber, die dem Tumor ihrer Patienten zugrunde liegen, effizient identifizieren und ihnen schnell die richtige Behandlung mit dem genau passenden Präzisionsmedikament zukommen lassen oder sie in eine klinische Studie aufnehmen, die entsprechende neue Medikamente prüft. Spezifische Tests zur Erkennung von TRK-Fusionskrebs stehen bereits zur Verfügung, werden jedoch noch nicht routinemäßig in der klinischen Praxis eingesetzt.

Einer dieser Tests, das sogenannte „Next-Generation Sequencing“ (NGS), kann bestimmte Veränderungen (u. a. auch NTRK-Genfusionen) nachweisen, indem das Tumorgenom des Patienten sequenziert wird. So können für jede Therapie die richtigen Patienten ausgewählt werden. Weitere Tests sind: Immunhistochemie (IHC) zum Nachweis von Proteinen, in diesem Fall TRK-Proteinen, quasi als „Stellvertreter“ für die Genomveränderung, sowie die Fluoreszenz-in-Situ-Hybridisierung (FISH), eine Technik, die mit fluoreszierenden Sonden spezifische DNA-Abschnitte bei der Betrachtung unter dem Mikroskop aufleuchten lässt.

Ralf's Story

Der Lauf seines Lebens

Fortschritte in Sicht

Erst dieses Jahr hat in den USA das CMS (Centers for Medicare & Medicaid Services) einen ersten Schritt unternommen, um den Zugang zu innovativer personalisierter Medizin für Medicare-Patienten mit Krebs voranzubringen. Das CMS beschloss die Kostenerstattung für NGS-Tests, die von der FDA (Food and Drug Administration) zugelassen sind. Die Aufsichtsbehörden unternehmen einiges an Anstrengungen, damit Patienten und Ärzte fundiertere Behandlungsentscheidungen treffen können, aber dabei darf es nicht bleiben. Angesichts der vielversprechenden Präzisionsmedikamente zur Behandlung von TRK-Fusionskrebs ist es wichtig, dass die onkologische Fachwelt eng zusammenarbeitet, um den Fortschritt in der Krebsmedizin weiter voranzubringen.

Beim TRK-Fusionskrebs und vielen anderen Krebsarten gilt jedoch: Die Tests für zielgerichtete Therapien bilden nur den ersten Schritt. Sobald die Patienten identifiziert sind, setzen wir uns dafür ein, dass sie die am besten geeignete Therapie zur Bekämpfung ihrer Krebserkrankung erhalten.

Die Zukunft der Krebstherapie steht bei Bayer klar im Fokus. Dazu gehört auch die Behandlung von Krebs mithilfe von Präzisionsmedizin, zielgerichteten Therapien und stärker personalisierten Ansätzen. Bei der Präzisionsmedizin engagieren wir uns dafür, Lösungen in Bereichen zu finden, in denen es zurzeit nur eingeschränkte oder gar keine alternativen Therapieoptionen für besonders therapiebedürftige Patienten gibt.