In Zeiten der Bots und der Trolle Vertrauen schaffen

In der Informationswelt von heute, in der Nachrichten und Daten zunehmend durch unsere sozialen Netzwerke und Filterblasen bestimmt werden, ist es häufig schwierig – wenn nicht unmöglich – ein aufgeklärter Verbraucher zu sein. Wir sind immer weniger in der Lage, uns zuverlässige Informationen zu beschaffen, auf deren Basis wir uns eine fundierte Meinung zu aktuellen Themen bilden können. Manchmal ist es extrem mühsam, Fakten von Vorurteilen zu unterscheiden.

Sinead Duffy

Sinead Duffy

Leiterin NGO Engagement bei Bayer

Durch die zunehmende Bedeutung der digitalen Kommunikation ist das noch schwieriger geworden. Da herrscht ein Gefühl der Anonymität, das die Menschen dazu ermutigt, hasserfüllte Kommentare zu verbreiten. Dadurch ist ein weiterer Raum entstanden, in dem die Menschen nicht wagen, offen zu sprechen – aus Angst vor solchen Kommentaren.

In einer Zeit, in der das Vertrauen – in unsere Institutionen, unsere politische Führung und unsere Informationsquellen – weltweit zurückgeht, stellt sich die Frage: Was können wir persönlich dagegen unternehmen? Was wäre ein erster Schritt, dass zwischen Menschen mit unterschiedlichen Sichtweisen wieder Vertrauen entsteht?

„Die Bereitschaft, sich mit offenem Visier gegenüber zu treten, ist unverzichtbar“

Die Antwort liegt darin, dass man sinnvolle Dialogmöglichkeiten schafft. Wie kann man das erreichen? Es gibt eine Fülle von Daten aus der Geschäftswelt, die zeigen: Die Bereitschaft, sich mit offenem Visier gegenüber zu treten, ist für einen produktiven zwischenmenschlichen Austausch unverzichtbar. Ich persönlich habe festgestellt, dass Menschen sowohl online als auch offline Bedenken haben, sich mutig und ehrlich zu äußern, weil sie befürchten, falsch wiedergegeben und falsch verstanden zu werden.

Aber wir müssen unbedingt neue, gewagte Ideen hören, um unseren eigenen Standpunkt kritisch beleuchten zu können und über den Tellerrand unserer täglichen Erfahrungen hinauszudenken. Wenn wir uns den Ideen anderer verschließen, entgehen uns neue Möglichkeiten und Chancen, echte Fortschritte zu erzielen.

Warum ist das wichtig? Dazu zwei Beispiele:

Anfang August 2018 berichtete die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass in den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 über 41.000 Menschen mit Masern infiziert wurden – ein Rekordanstieg in Europa. Die Ursache? Experten schreiben die plötzliche Zunahme von Ansteckungsfällen der Tatsache zu, dass sich immer weniger Menschen impfen lassen.

Im selben Monat ging aus einer im American Journal of Public Health veröffentlichten Studie hervor, dass „Twitter-Bots und russische Trolle“ die Anti-Impf-Bewegung angestachelt und allgemeine Verwirrung zum Thema Impfungen gestiftet hätten. So stellte der Bericht beispielsweise fest: „Accounts, die sich als legitime Nutzer ausgeben und fälschlicherweise als gleichwertig angesehen werden, untergraben den öffentlichen Konsens zu Impfungen.“

Ebenfalls im Jahr 2018 tweetete eine bekannte amerikanische Schauspielerin: „Endlich gibt es Bio-Mais jetzt auch auf dem Bauernmarkt! Mais ist eine der am häufigsten mit Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmitteln behandelten Getreidepflanzen und wird oft auch gentechnisch verändert. Es lohnt sich, auf den Bio-Mais auf dem Bauernmarkt zu warten. Jetzt müssen Sie Ihrer Familie nicht mehr dieses furchtbare Zeug vorsetzen!“

Keine Quellen oder Daten? Macht nichts – der Tweet verbreitete sich schnell. Die besagte Schauspielerin hat fast eine Million Twitter-Follower. Das sind 300.000 mehr als das US-amerikanische Landwirtschaftsministerium. Damit ist sie eine echte Influencerin, die die öffentliche Haltung zum Pflanzenanbau ebenso (wenn nicht stärker) beeinflussen kann wie die Wissenschaftler und staatlichen Behörden, die diese Verfahren regulieren.

Meine (virtuelle) Tür ist jederzeit offen

Was heißt das alles für ein Unternehmen wie Bayer? Was können wir tun, um eine Gesprächskultur zu fördern und Vertrauen zu schaffen?

Ich habe die Erfahrung gemacht: Vertrauen entsteht immer noch in Gesprächen – in echten, empathischen, menschlichen Interaktionen. Bayer rief deshalb im Jahr 2018 eine Reihe von Gesprächsrunden ins Leben, bei denen eine vielfältige Gruppe von Fachleuten, eng verbunden mit der Landwirtschaft, dem Umweltschutz und der internationalen Entwicklung, zusammengebracht wurden.

Wir kamen alle an einem Tisch zum direkten Gespräch zusammen, ohne Erwartungen – außer der Bereitschaft zu Unvoreingenommenheit und Aufgeschlossenheit.

Stakeholder in den Branchen Gesundheit, Ernährung und Landwirtschaft, die sich dafür einsetzen, einige der dringendsten Herausforderungen der globalen Gesellschaft von heute zu bewältigen, müssen sich zunehmend neuen Ideen öffnen und aktiver zuhören.

Machen Sie doch einfach mit. Verlassen wir gemeinsam unsere Denksilos. Und sollten Sie noch nach dem Einstieg suchen, steht Ihnen meine (virtuelle) Tür jederzeit offen. Sie wissen schon: Als gastfreundliche Irin kann ich einfach nicht anders.