• Bessere Medizin für Chinas Landbevölkerung

    Das vom chinesischen Gesundheitsministerium und Bayer initiierte Weiterbildungsprogramm „Go West“ richtet sich an Ärzte im Westen Chinas, wo die Gesundheitsversorgung oft mangelhaft ist.

Ein OP-Saal in der Medical School von Kunming in der südchinesischen Provinz Yunnan. Unter der Anleitung eines erfahrenen Chirurgen durfte der junge Landarzt Dr. Cai Chaoliang bei einer komplizierten Operation assistieren.

Er ist einer von derzeit 10.000 ausgewählten Nachwuchs-Ärzten, die die Chance hatten, sich hier drei Monate lang weiterzubilden. „Go West“ heißt das vom chinesischen Gesundheitsministerium und Bayer HealthCare 2007 initiierte Programm. Es richtet sich an Ärzte im westlichen Teil Chinas, da die Gesundheitsversorgung in diesen armen Provinzen oft mangelhaft ist: Vor allem auf dem Land fehlen gut ausgebildete Mediziner, und die wenigen kleinen Krankenhäuser haben meist kein Geld für eine moderne technische Ausstattung. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO ist die Lebenserwartung der Menschen darum dort deutlich niedriger und die Kindersterblichkeit höher als in den Großstädten.

Landärzte werden an der Uniklinik in Lanzhou fortgebildet (Quelle: CNBC)

Doktor Cai ist ausgebildeter Traumatologe und Orthopäde und arbeitet normalerweise in einer Klinik in Pu Er City, wo er die Opfer schwerer Unfälle versorgt. Hier in der Medical School will er lernen, wie er ihnen trotz der widrigen Umstände vor Ort noch besser helfen kann. Wann immer es geht, nimmt er an Operationen teil, und in seiner Freizeit liest er medizinische Fachbücher.

Dr. Cai Chaoliang

Ich habe so viel gelernt. Davon werden die Menschen bei uns profitieren!

Dr. Cai Chaoliang, Teilnehmer des „Go-West-Progamms“

„Wegen der schlechten Infrastruktur in unserer Region können die Menschen die großen Krankenhäuser nicht erreichen“, erzählt er. „Wir müssen es schaffen, sie in unserer kleinen Klinik gut zu versorgen. Mit den Behandlungstechniken, die ich hier kennenlerne, kann ich dazu beitragen, denn vieles davon gehört bei uns noch keineswegs zum Standard.“

Die Provinzen des Go-West Programms

Auch die Internistin und Kinderärztin Dr. Li Jianhong hat das „Go West“-Training durchlaufen und konnte auf einer modernen Neugeborenen-Station ihr Wissen über die Behandlung von Babys vertiefen.

Außerdem lernte sie, wie sich der Dialog mit Patienten und nicht zuletzt mit besorgten Eltern verbessern lässt, um ihnen ärztliche Befunde oder notwendige Verhaltensänderungen verständlicher zu machen. Von alledem profitieren nun die vielen Menschen, die im County Hospital in der Provinzstadt Wuding Hilfe suchen. Dr. Li ist dort Chefin der Kinderstation. Ihre kleinen Patienten sind oft mehrere Tage unterwegs, weil die Eltern mit ihnen zu Fuß aus den umliegenden Bergdörfern kommen.

Dr. Li Jianhong im Film

Die Patientenzahlen steigen beständig. Dr. Li ist froh darüber: „Früher haben die Frauen ihre Kinder zu Hause zur Welt gebracht. Jetzt entbinden sie bei uns“, sagt sie. „So können wir vielen Babys im Notfall schnell helfen.“

Die Professoren der Medical School stehen den Ärzten auch nach der dreimonatigen Fortbildung weiter zur Seite und beraten sie in schwierigen Fällen. Bei Babys mit Magen-Darm-Blutungen beispielsweise seien sie im County Hospital früher völlig hilflos gewesen, gesteht Dr. Li. Dank des engen Austauschs mit den Fachkräften aus Kunming aber hätten sie inzwischen viele als geheilt entlassen können. Auch die Behandlung von Gelbfieber habe sich fundamental verbessert – schon weil die Ärzte durch die Schulung die Krankheit jetzt viel früher erkennen können.

Freude bei den Initiatoren

Freude bei den Initiatoren: Das 2007 bestartete Projekt „Go West“ wird von Bayer und dem chinesischen Gesundheitsministerium (MOH) auch in Zukunft fortgeführt. 

„Go West“ bis 2017 verlängert

2007 starteten Bayer und das chinesische Gesundheitsministerium das Programm „Go West“. Ursprünglich auf fünf Jahre angelegt, wurde es bereits im Juni 2011 bis zum Jahr 2017 verlängert.

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Bayer HealthCare unterstützt das Projekt finanziell stärker als zuvor und stellt umgerechnet weitere 3,09 Millionen US-Dollar bereit. Insgesamt sollen mit dem Programm 10.000 Ärzte in ländlichen Regionen erreicht und weitergebildet werden. Schon bis Ende 2011 hatten rund 3.500 Mediziner und über 3.000 weitere Krankenhausmitarbeiter das Angebot genutzt.

„Wir freuen uns, dass immer mehr Patienten in den ländlichen Gebieten Chinas eine Gesundheitsversorgung auf hohem Niveau erhalten, ohne dafür ins Ausland reisen zu müssen“, erklärte der Bayer-Vorstandsvorsitzende Dr. Marijn Dekkers anlässlich der Vertragsverlängerung. „Deshalb führen wir dieses Pionier-Projekt auch mit großer Freude weiter.“

Wie die anderen Teilnehmer des „Go West“-Programms hat die junge Ärztin ihr neu gewonnenes Wissen bereits an viele Kollegen aus der Umgebung weitergegeben. Auf diese Weise erreicht das Programm erheblich mehr Mediziner als die, die in Kunming dabei waren – ein Schneeballeffekt mit nachhaltiger Wirkung.