Frischer Look für’s Bayer-Kreuz

Ingenieur Thorsten Thran schaut bei dem leuchtenden Bayerkreuz in Leverkusen fünf- bis sechsmal im Jahr nach dem Rechten.

Seit 114 Jahren gibt es das Bayer-Kreuz. Wer das Logo damals erfunden hat, können heute selbst die Konzern-Archivare nicht mehr eindeutig sagen. Aber es hat sich trotz kleiner Veränderungen in den letzten Jahren zum Zeichen der Verlässlichkeit entwickelt. Gerade erst ist das Warenzeichen noch einmal leicht verändert worden und ist jetzt auch besser geeignet für das Internet.

Wir haben das Bayer-Kreuz fit gemacht für die die digitale Anwendung“, erklärt Uwe Schmidt, Leiter von Corporate Branding. „Viel mussten und wollten wir aber nicht verändern, denn das Bayer-Kreuz ist eines der bekanntesten Markenzeichen der Welt.“ Und eines der sichtbarsten. In 47 Ländern über den Globus verteilt erleuchtet ein Bayer-Kreuz den Nachthimmel. In Shanghai hat es zum Beispiel einen Durchmesser von elf Metern. Das größte aber steht auf einem Dach im Bayer-Werk in Leverkusen: mit einem Durchmesser von 51 Metern, einem Gewicht von 300 Tonnen sowie ausgestattet mit insgesamt 1.712 Leuchten.

„Das ist nicht nur technisch etwas ganz Besonderes, es ist auch ein Stück Heimat“, sagt Thorsten Thran, der bei dem Kreuz in Leverkusen fünf- bis sechsmal im Jahr nach dem Rechten schaut. Seit 2009 ist er als Ingenieur zuständig für die gigantische Lichtanlage. „Das Bayer-Kreuz hatte ich schon lange vor Augen.“ Thran zeigt vom Dach auf eine bestimmte Stelle, nur wenige hundert Meter entfernt. „Da hinten stand mein Elternhaus“, erzählt er. „Das Kreuz konnte ich vom Kinderzimmer aus sehen. Und ich habe mit meinen Eltern oft argumentiert: Ich will noch nicht ins Bett, das Kreuz leuchtet ja noch nicht.“

Corinna Groß

Unser Logo transportiert die positiven Werte, die Menschen mit Bayer verbinden.

„Unser Logo transportiert die positiven Werte, die Menschen mit Bayer verbinden“, sagt Uwe Schmidt. Deshalb hat sich das Symbol auch nie großartig verändert. 1929 sind die einst gekippten Buchstaben gerade gestellt worden, das Logo orientierte sich damit in seiner Klarheit am Bauhaus-Stil. 1989 haben die Farben Blau und Grün das Bayer-Kreuz ergänzt und 2002 sind diese Farben in den Kreis gewandert.

Die letzte Anpassung ist ganz frisch. Erst gerade hat das Team um Uwe Schmidt das neue Markenzeichen vorgestellt, das fit für die Zukunft ist. Die Unterschiede liegen im Detail. So gibt es keine Farbverläufe mehr im Kreis, dafür klar definierte Linien. Damit ist es optimal geeignet für die dynamische Nutzung in den verschiedensten digitalen Medien. Diese klare Struktur kommt bei ersten Untersuchungen sehr gut an. „Es erscheint frischer, moderner und zeitgemäßer“, erläutert Schmidt.

Auf dem Dach in Leverkusen aber leuchtet das Kreuz heute noch fast genauso wie vor 60 Jahren. Thorsten Thran wirft einen Blick auf die gespannten Drahtseile vor ihm in der Luft. Der Wind pfeift. Hier oben, 70 Meter über dem Boden, schaukelt jedes Einzelteil der Netzkonstruktion hin und her. Die Leuchten halten nur dank eines speziellen Bajonettanschlusses in den Fassungen. Mit dem handelsüblichen Drehgewinde würden sie wohl einfach vom Himmel fallen. „Im Wind bewegt sich das Netz bis zu fünf Meter in jede Richtung und bei Windstärke zwölf peitscht es mit mehrfacher Erdbeschleunigung hin und her. Hier wirken Wind und Wetter und trotzdem hängt alles noch so stabil wie 1958.“

Die 2009 eigesetzten LEDs wurden im Jahr 2016 gegen LEDs neuerer Generation ausgetauscht, die nun für ein deutlich harmonischeres Bild sorgen. „Damit sollte ein Zeichen für den Umweltschutz gesetzt werden“, sagt Thorsten Thran. Der Energieverbrauch wurde um fast 90 Prozent verringert. Wird das Kreuz heute angeknipst, verbrauchen die 1.712 Leuchten gerade einmal so viel Strom wie drei Wasserkocher. Trotzdem muss Thran heute schon an morgen denken. Denn wenn die LED-Leuchten eines Tages nicht mehr hergestellt werden, dann müssen schnell Alternativen her. „Naja, nicht ganz so schnell“, beruhigt Thran und zeigt auf die Kisten mit Ersatzbirnen. „Ich denke, dafür haben wir noch zehn bis 15 Jahre Zeit.“

Die Entwicklung des Bayer-Kreuzes

Geschichte des Bayer-Kreuzes

Das Bayer-Kreuz wurde vor 114 Jahren, am 6. Januar 1904, in die Zeichenrolle des kaiserlichen Patentamtes mit dem Aktenzeichen F 4777 unter der laufenden Nummer 65777 eingetragen. Wer es nun tatsächlich erfunden hat, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

Im Unternehmensarchiv lagern zwei unterschiedliche Versionen: In der einen soll Hans Schneider, ein Mitarbeiter der Wissenschaftlichen Abteilung Elberfeld, der Urheber sein. In der zweiten Version gilt ein gewisser Dr. Schweizer, Mitarbeiter der New Yorker Filiale, als Erfinder des Logos. Er sollte Ende des 19. Jahrhunderts amerikanische Mediziner für die Produkte aus Deutschland begeistern. Doch die lange Firmenbezeichnung „Farbenfabriken vormals Friedr. Bayer & Co., Elberfeld“ war englischsprachigen Ärzten nicht so leicht zu vermitteln. Deshalb entwickelte Schweizer einen einprägsamen Firmenstempel in der bekannten Kreuzform, den er zunächst auf Briefköpfen, später auch auf Drucksachen und Prospekten verwendete.

Dieses Logo hat damals das erste Bayer-Warenzeichen abgelöst, einen zweischwänzigen Bergischen Löwen, der an den Heimatort der „Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. Elberfeld“ erinnern sollte. Das Kreuzsymbol trat danach seinen Siegeszug über den Globus an und ist heute untrennbar mit dem Bayer-Konzern verbunden – vor allem wegen einer cleveren Marketingidee: Ab 1910 wurde das Logo auf die Tabletten gestanzt, um sie vor Nachahmern zu schützen. Der Stempel wurde so für Verbraucher zum Gütesiegel für höchste Qualität.