• Schutz für den Bienenstock

    Die Varroa-Milbe macht Imkern weltweit zu schaffen - auch die Bienen von Ernst Caspari aus Leverkusen sind betroffen.

Im Sommer ist die Zeit der Honigernte im Bienenstock. Danach füttert Imker Ernst Caspari seine Bienen mit Zuckersirup, um sie für den Winter zu stärken. Doch das allein reicht nicht aus, um das Überleben des Bienenvolkes zu sichern: Praktisch alle Bienenvölker in Deutschland sind von der Varroa-Milbe befallen. Der Parasit gilt als größter Schädling der westlichen Honigbiene.

Imker Ernst Caspari besitzt 20 Bienenvölker, die für ihn Honig sammeln. Gegen ihren größten Feind, die Varroa-Milbe, muss er seine Bienen schützen. Der ein bis zwei Millimeter große Parasit ist ein wichtiger Grund für die Bienenverluste im Winter.

30 Kilo

Honig werden im Schnitt pro Honigvolk geerntet. 

Das erste Mal tauchte die Varroa-Milbe 1978 in Deutschland auf. Caspari kennt noch die Varroa-freien Zeiten davor: „Das Imkern war einfacher. Früher musste man mit bis zu zehn Prozent Verlusten über den Winter rechnen. Mal starb eine Königin, oder es drang eine Spitzmaus in den Stock ein.“ Heute dagegen können bei einzelnen Imkern im Jahr 30 Prozent und mehr des Bienenbestands verloren gehen. „Die Imker müssen eingreifen, ohne diese Unterstützung können Bienenvölker nicht lange überleben“, erzählt der 86-jährige Leverkusener.

Corinna Groß

Wird die Varroa-Population zum Ende des Sommers hin reduziert, ist der Befall im Herbst und Winter möglichst gering.

Peter Trodtfeld, Bienengesundheitsexperte im Bayer Bee Care Center in Monheim

Die Milbe wandert zur Vermehrung kurz vor der Verdeckelung der Brutzellen in die Bienenbrut ein. Die Nachkommen der eingedrungenen Milbe und sie selbst ernähren sich von der Bienenlarve bzw. -puppe. Nach dem Schlüpfen der jungen, bereits geschädigten Honigbienen kommt auch der Parasit mit seinen Nachkommen ins Freie. „Die geschädigten Bienen“, erklärt Peter Trodtfeld, Bienengesundheitsexperte im Bayer Bee Care Center und selbst Imker, „sind geschwächt und anfällig für eine Infektion mit Viren, wie beispielsweise dem Flügel-Deformations-Virus. Die Bienen schlüpfen dann mit verstümmelten Flügeln und haben eine verkürzte Lebensdauer.“

Im Frühjahr, wenn die Bienenvölker größer sind, mache sich der Varroa-Befall nicht so bemerkbar. „Doch wenn im Spätsommer die Zahl der Brutzellen bzw. Bienen zurückgeht und die Milben sich ungehindert vermehren, gerät ein Bienenvolk in Gefahr“, erklärt Trodtfeld. „Deshalb muss man die Varroa-Population zum Ende des Sommers hin reduzieren, damit der Befall im Herbst und Winter möglichst gering ist.“

Der Parasit gilt als größter Schädling der westlichen Honigbiene.

Auch Bayer forscht seit Auftreten der Milbe in Deutschland nach einem geeigneten Gegenmittel, um die Honigbiene zu schützen. Caspari hat alle Entwicklungen als Chemo-Techniker und Mitglied des Imkervereins von Leverkusen von der ersten Stunde an verfolgt: „Früher behandelte man die Bienen noch mit einem Räuchermittel. Ein scheußliches Zeug, das stank und die Waben belastete. Das Produkt mit dem Wirkstoff Coumaphos von Bayer dagegen war ein Segen für uns Imker, als es auf den Markt kam.“

Jedes Jahr im Winter behandelt Caspari seine Bienen damit. „Ich beträufle die Bienen in der Wabengasse, und wenn die Milbe dann das Bienenblut (Hämolymphe) saugt, stirbt sie“, erklärt er die Wirkung.

Verfügbar ist ein weiteres chemisches Varroazid, das der Leverkusener auch schon im Kampf gegen die Varroa eingesetzt hat. „Das sind Kunststoffstreifen mit dem Wirkstoff Flumethrin. Man hängt sie in den Stock, die Bienen krabbeln darüber und verteilen den Wirkstoff, der dann das Nervensystem der Parasiten angreift“, erläutert Caspari. Darüber hinaus werden im Kampf gegen die Varroa auch organische Säuren und andere synthetische Varroazide eingesetzt.

Ein anderes Mittel, das den Wirkstoff Flumethrin enthält, befindet sich bei Bayer in der Entwicklung. Hier wird der Wirkstoff in Streifen mit Löchern angewendet. Diese werden am Eingang des Bienenstocks angebracht, sodass die Bienen beim Flug mit dem Wirkstoff in Berührung kommen und ihn verteilen.

Dass ein Mittel allein gegen die Varroa-Milbe nicht ausreicht, weiß Ernst Caspari nach jahrzehntelanger Erfahrung. Immer wieder entwickelt der Parasit Resistenzen. „Deshalb setze ich Mittel mit unterschiedlichen Wirkstoffen im Wechsel ein“, erklärt der Leverkusener Imker. „Um Rückstände der Präparate im Honig zu vermeiden, werden alle Mittel erst nach der Honigernte eingesetzt.“

Ob seine 20 Bienenvölker stark von der Varroa-Milbe betroffen sind, weiß er nicht genau. Erst nach einer entsprechenden Behandlung kann er sehen, wie viele tote Milben auf dem Boden im Bienenstock liegen. Aber eines weiß er sicher: Ohne die Hilfe des Imkers würden die Bienenvölker spätestens in ein bis drei Jahren sterben.