Ein schöner Rasen ist Arbeit

Ob Golf- oder Fußballplatz oder der Garten zu Hause: Die Pflege eines Rasens ist anspruchsvoll und braucht viel Zeit. Die beiden Greenkeeper Nigel Broadwith aus Großbritannien und Georg Schmitz aus Deutschland wissen, worauf es ankommt – und verraten ihre Tipps.

Nigel Broadwith ist Frühaufsteher. Wenn andere sich im Bett noch einmal umdrehen, steht er schon um halb sechs auf dem Golfplatz. Der 54-Jährige ist Chefgreenkeeper des John O'Gaunt Golfclubs im englischen Bedfordshire und sorgt dort Sommer wie Winter für einen gepflegten Rasen. Zwischen März und September heißt das vor allem eines: Rasen mähen. In Bedfordshire müssen Broadwith und seine 13 Kollegen rund 140 Hektar Golfplatz in Form bringen. Das sind umgerechnet etwa 200 Fußballplätze. „Wir benötigen fast viereinhalb Stunden für alle 18 Löcher“, sagt Broadwith.

„Viele unserer Golfer fragen mich, wie sie ihren Rasen zuhause so gut hin bekommen können“, erzählt er mit einem breiten Lächeln im Gesicht, „Mein Tipp: Mähen, mähen, mähen.“ Man könne seine Arbeit im Golfclub durchaus auf jeden kleinen Garten übertragen. „Wer einen richtig schönen Rasen haben möchte, muss Zeit investieren. Also nicht einmal in der Woche die langen Halme abschneiden, sondern drei bis viermal immer nur ein wenig kürzen. Dann wird der Rasen kräftig und Unkraut hat kaum eine Chance.“

Als er vor mehr als 35 Jahren mit dem Job angefangen hat, war ein Großteil noch Handarbeit. Um den empfindlichen Boden nicht zu beschädigen, wurde meist zu Fuß gemäht. „Bessere Technik und eine bessere Ausbildung haben meinen Beruf in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert.“ Damals zum Beispiel seien zu viel Dünger und zu viele Pflanzenschutzmittel verwendet worden. „Das Motto war 'viel hilft viel'“, sagt der 54-Jährige. „Wir haben die falschen Produkte zur falschen Jahreszeit genutzt. Jetzt verwenden wir weniger und wenden sie dabei auch richtig an.“

Colin Mumford

Die Erfahrungen von Nigel Broadwith helfen uns bei der Forschung und Entwicklung von neuen Produkten, die besser in der Anwendung und für die Umwelt sind.

„Seine Erfahrung und die seiner Kollegen sind extrem wichtig für uns", sagt Dr. Colin Mumford, Technical Support Manager für das Bayer-Turf-Solutions-Team in Großbritannien. „Sie helfen uns bei der Forschung und Entwicklung von neuen Produkten, die besser in der Anwendung und für die Umwelt sind.“ Der regelmäßige Austausch zwischen Bayer und den Greenkeepern hilft auch dabei, Pflanzenschutzmittel gezielter anzuwenden. „Wir wenden Fungizide viermal im Jahr an“, erklärt Broadwith, „so schaffen wir es, 90 bis 95 Prozent aller Pilze auf unseren Gräsern zu verhindern.“ Inzwischen gibt es sogar Lehrvideos aus dem John O'Gaunt Golfclub, durch die andere Greenkeeper erfahren, wie sie mit der richtigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln effizienter werden und gleichzeitig die Umwelt schonen.


4 Fragen an Bayer-04-Head-Greenkeeper Georg Schmitz

Georg Schmitz hat den Rasen, den sich jeder Gärtner wünscht. Kein Unkraut, keine Wühlmäuse – und mehrfach im Monat von vielen Fußballfans bewundert. Er ist der Head-Greenkeeper bei Bayer Leverkusen und damit verantwortlich für den Rasen in der BayArena. Mit 13 Mitarbeitern kümmert er sich darum, dass der Fußball-Bundesligist auf optimalem Grün spielt.

Wie unterscheidet sich der Rasen in der BayArena vom Rasen im Garten?
Hier in der BayArena liegt eine ganze Menge unter der Rasenschicht versteckt: Zuerst kommt ein Baugrund, in dem alle vier Meter Drainagegräben eingefasst sind. Über die kann das Wasser abfließen. Dann folgen eine Kiesschicht und in 25 Zentimetern Tiefe eine Bodenheizung. Darüber ist eine Sandschicht ausgebreitet und erst dann beginnt die eigentliche Rasentragschicht. Sie heißt so, weil sie tatsächlich den Rasen trägt.

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Und dann folgt ein Rasen, wie wir ihn zu Hause aus dem Garten kennen?
Nein, wir haben uns im Stadion für eine Kombination aus zwei Gräser-Arten entschieden, nämlich für Wiesenrispe und Weidelgras. Da wir den Rasen immer wieder auf eine Schnitthöhe von 23 Millimetern herunter mähen, bildet er viele Seitentriebe und wird dadurch dicht und borstig. Damit machen wir es dem Unkraut schwerer Fuß zu fassen.

Wie oft steht Mähen auf dem Tagesplan in der BayArena?
Fast jeden Tag. Durch die umfangreiche Technik wie zum Beispiel die Rasenheizung und die Beleuchtung im Winter, wächst der Rasen das ganze Jahr über täglich etwa einen Zentimeter. Das Mähen dauert etwa eine Stunde.

Wie wissen Sie, was der Rasen genau an Pflege benötigt?
Wir führen regelmäßige Zustandsanalysen durch mithilfe von sogenannter Bodencubes: das sind zwei silberne Kästchen auf dem Rasen, die den Boden überwachen. Über das Handy erhalten wir dann alle wichtigen Daten zum Beispiel über den Nährstoffgehalt im Boden, die Temperatur oder die Blattfeuchtigkeit. So können wir Nährstoffe bedarfsgerecht an die Gräser anpassen und Pilzbefall ebenfalls in den Griff bekommen. Letztere sind nicht sofort sichtbar, können den Rasen aber absterben lassen.

„Als ich im John O'Gaunt angefangen habe, haben wir das Gras fast überall herunter geschnitten“, erzählt Broadwith, „jetzt gibt es große Bereiche, die wir einfach der Natur überlassen.“ Dort wachsen Wildblumen für die Bienen, dort brüten Vögel, leben Insekten, und in den Wasserhindernissen haben sich Amphibien angesiedelt. Seinem Kollegen Stephen Thompson wurde gerade der Golf-Umweltschutz-Preis 2018 verliehen. „Wir tun viel für die Artenvielfalt, und zusätzlich sieht es auch noch toll aus, wenn die Wildblumen in rot und Lila blühen“, sagt Broadwith.

Aber ganz so einfach ist der Job auch nicht. Der John-O'Gaunt-Golfclub ist normalerweise 52 Wochen im Jahr geöffnet, also auch bei Wind und Wetter, Sonne und Frost. „Es gibt Momente, da wünschte ich, der Platz wäre geschlossen“, gesteht der Greenkeeper, „wenn das Gras gefroren ist, richtet jeder Schritt Schaden an. Aber wenn unsere Mitglieder spielen wollen, dann sorgen wir Greenkeeper eben dafür, dass der Platz in einwandfreiem Zustand ist.“ Nur bei Schnee können er und seine Kollegen durchatmen, denn dann hat der Golfplatz geschlossen.


Wenn es gegen 15 Uhr auf den Feierabend zugeht, ist für Nigel Broadwith mit der Grünpflege noch lange nicht Schluss. „Zuhause habe ich einen kleinen Garten“, sagt er, „da sitze ich gerne, grille und trinke ein Bier.“ Etwa 200 Quadratmeter, viele Blumen und mittendrin Rasen. Gut gepflegt, kurz geschnitten und kein Halm Unkraut. Sein Geheimnis ist eigentlich keins: „Ich mähe hier drei- bis viermal in der Woche. Nach Feierabend.“ Er würde eben nie einen Tipp geben, an den er sich selbst nicht hält.