• Ein Leben mit Krebs

    Henning hat Prostatakrebs. Er erzählt oft, dass er ein zweites Leben geschenkt bekommen hat.

Wie es sich anfühlt, wenn man ein zweites Leben geschenkt bekommt? „Einfach fantastisch!“ Henning S. spaziert durch den Supermarkt und legt sorgfältig Paprikaschoten in seinen Einkaufskorb, als pflücke er die Blumen für sein erstes Date. Und dabei leidet der 72-Jährige an Prostatakrebs.

Bis vor einigen Monaten konnte der gebürtige Däne aus dem südenglischen Southampton nicht mal allein das Haus verlassen, geschweige denn im Supermarkt einkaufen gehen. Der Tumor hatte bei Henning S. bereits Metastasen in den Knochen gebildet, die starke Schmerzen verursachten und ihn in seinem Alltag immens einschränkten.


Nahezu jede Bewegung fiel dem früheren Fischzüchter schwer, vor allem die Hüfte bereitete ihm Probleme. Zuletzt konnte er nicht mal mehr den linken Arm heben, ohne vor Schmerzen das Gesicht zu verziehen. Den Tag ertrug er nur mit starken Medikamenten. „Für mich war klar, dass ich bald im Rollstuhl sitzen würde“, erzählt er. „Ich hockte von morgens bis abends im Sessel und starrte vor mich hin, kraftlos und missmutig. Mir war alles egal.“

Doch dann schlugen ihm die Ärzte am Southampton General Hospital eine noch recht neue Therapieoption vor, eine Alternative zur Chemotherapie – und Henning fasste einen mutigen Entschluss: Er stimmte der Behandlung zu. „Diese Entscheidung sollte mein Leben komplett verändern.“

Die Behandlung, der sich der 72-Jährige unterzog, richtet sich an Prostatakrebs-Patienten mit Knochenmetastasen, die nicht mehr auf eine Reduktion männlicher Hormone ansprechen.

Corinna Groß

Bei der Therapieentscheidung geht es vor allem darum, das Leben von Patienten zu verbessern.

Dr. Robin Wegener, Leiter Medizin bei Bayer Vital Deutschland

„In der fortgeschrittenen Phase der Erkrankung geht es bei der Therapieentscheidung vor allem darum, gezielt die Knochenmetastasen zu bekämpfen und dadurch das Leben von Patienten zu verbessern“, erklärt Dr. Robin Wegener, Leiter Medizin bei Bayer Vital Deutschland. Denn ungefähr neun von zehn Patienten mit kastrationsresistentem metastasierten Prostatakarzinom entwickeln Knochenmetastasen – und diese wiederum gelten als Hauptursache für eine eingeschränkte Lebensqualität und verkürzte Lebenserwartung.

Henning wurde das Medikament injiziert und die Schmerzen ließen merklich nach. „Ich kann es immer noch nicht fassen, wie gut das Medikament gewirkt hat. Bis heute, acht Monate nach dem Ende der Therapie, brauche ich überhaupt keine Schmerzmittel mehr.“

Prostatakrebs als farbige Rasterelektronen-Mikrographie

Krebs in der Prostata

Die etwa wallnussgroße Prostata produziert die Samenflüssigkeit, in der die Samenzellen durch die Harnröhre transportiert werden. Wachstum und Funktion des Organs werden vom männlichen Geschlechtshormon Testosteron gesteuert. Ohne die Stimulation durch das Hormon bleibt die Drüse unterentwickelt und bildet kein Sekret.

Wächst ein bösartiger Tumor in der Prostata, so verursacht dieser im Frühstadium oft keine Symptome. Im späteren Verlauf treten jedoch häufig schwere und unerklärliche Schmerzen auf. Den Patienten fällt das Gehen oder Treppensteigen schwer, sie leiden an Schlafstörungen oder verlieren die Kontrolle über ihre Blase.

Lesen Sie hier mehr!

Als Warnzeichen für eine fortgeschrittene Krebserkrankung können auch die erhöhte Konzentration des prostataspezifischen Antigens PSA, Schmerzen beim Urinieren und ein starker Harndrang sein. Teilweise befindet sich Blut im Samen oder im Urin.

Die Wahl der Therapie und die Behandlungsmöglichkeiten richten sich vor allem nach dem Krankheitsstadium. Bei einer frühzeitigen Diagnose gibt es verschiedene Optionen, die von der Operation über die Bestrahlung bis hin zur Reduzierung männlicher Hormone reichen. So lässt sich das Wachstum von Prostatakarzinomen stoppen oder verlangsamen.

Im fortgeschrittenen Stadium ist eine Heilung nicht mehr möglich. Dieses Stadium nennt man „kastrationsresistentes Prostatakarzinom“ oder CRPC (castration-resistant prostate cancer). Die meisten Männer im CRPC-Stadium haben symptomatische Knochenmetastasen und leiden an Schmerzen, Knochenbrüchen oder anderen Skelettproblemen, beispielsweise Rückenmarkskompressionen. Oft verkürzt der Krebs dann auch die Lebenszeit.

Tatsächlich sind es die Knochenmetastasen, die bei Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakrebs das Risiko für Krankheit und Tod erhöhen.

Er genießt sein neues Leben in vollen Zügen, kostet die wieder gewonnene Freiheit voll aus. „Ich spiele stundenlang Fußball mit meinem Enkel, mache lange Spaziergänge oder arbeite im Garten“, erzählt er. „Ich mache so ziemlich alles – außer im Sessel zu sitzen.“ Zuletzt ist er viel gereist, hat Freunde in Portugal besucht, und danach seine Verwandten in Dänemark. Seit einigen Wochen ist er wieder in der Heimat. „Seitdem spricht mich jeder darauf an, wie erholt ich aussehe – und ich selbst fühle mich auch echt gut“, erzählt er.