Ehrenamt schweißt zusammen

 

Im Job geht es um Angebote und Bestellungen und damit um Zahlen. In der Freizeit stehen die Mitmenschen im Vordergrund: Svenja Pierk, Ali Cengiz und Martin Eckardt engagieren sich ehrenamtlich und bieten mit sozialen Projekten auch anderen Bayer-Mitarbeitern die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden.

„Und schon wieder gewonnen“, freut sich Fr. W über den zweiten Bingo-Sieg an diesem Samstagvormittag. Normalerweise zieht Diplom Sozialpädagogin Dorothee Walder die kleinen Kugeln mit den Zahlen, doch heute ist Bayer-Mitarbeiterin Natalia Maya die Glücksfee in der Seniorenresidenz Haus Rheinpark in Leverkusen. Zusammen mit sechs weiteren Kollegen ist sie bei den Seniorinnen und Senioren zu Besuch, um gemeinsam mit ihnen Zeit zu verbringen.

Organisiert wurde die Aktion von Bayer-Kolleginnen und -Kollegen – und ist eine von insgesamt 35 Maßnahmen aus einem bunten Potpourri, die bereits in die Praxis umgesetzt wurden. „Wir bieten verschiedene Aktionen an, vom Musizieren mit Menschen mit Behinderung über das Ausräumen eines Kita-Kellers nach dem letzten Hochwasser bis hin zu Spielenachmittagen mit Flüchtlingskindern, während deren Eltern in Deutschkursen die neue Sprache erlernen. Es ist praktisch für jeden etwas dabei“, fasst Svenja Pierk einige Projekte zusammen, bei denen Bayer-Mitarbeiter sich in den vergangenen Monaten ehrenamtlich eingebracht hatten.

Die 29-Jährige koordiniert Termine und den Einsatz von Freiwilligen. Sie ist Mitglied des Gründertrios von PROSI. So heißt die Plattform, bei der sich die Mitarbeiter für verschiedene ehrenamtliche Projekte eintragen und diese dann in ihrer Freizeit unterstützen können. Die Idee kam ihr und den beiden Kollegen Martin Eckardt und Ali Cengiz im Büro. „Wir wollten uns gerne zusammen mit anderen Kollegen neben unserer Arbeit ehrenamtlich engagieren – aber uns dabei nicht für eine regelmäßige Aktion verpflichten, sondern je nachdem, wie der private Kalender es zulässt, an verschiedenen Tagen unterschiedliche Projekte begleiten“, erinnert sich Cengiz. Mit diesem Wunsch konnten sie ihrer Meinung nach doch unmöglich alleine sein. Also begaben sie sich auf die Suche nach Möglichkeiten für eine ehrenamtliche Tätigkeit im gewünschten Rahmen – leider mit wenig Erfolg.

„Da gab es für uns nur eine Lösung“, berichtet Eckardt. „Wir mussten selbst eine solche Plattform schaffen, das heißt Bedarfe erkennen und darauf basierend entsprechende Projekte entwickeln.“ Der Name war dann schnell gefunden: PROSI steht für „PROcurement Social Initiatives“, denn alle drei arbeiten im Procurement von Bayer, also im Einkauf. Das Programm hat sich schnell über den Einkauf hinaus entwickelt, Helfer sind natürlich aus allen Bereichen gerne gesehen und die Anzahl der Freiwilligen wächst von Projekt zu Projekt. Die Spielregeln sind einfach: „Die Kolleginnen und Kollegen müssen sich organisatorisch um nichts kümmern und können sich einfach für unsere Angebote eintragen“, erklärt Eckardt.

In Haus Rheinpark sind die PROSIs heute das erste Mal. Aber das ist nicht nur für den Gastgeber eine Premiere: Auch Bingo-Glücksfee Maya ist neu dabei und begeistert. „Es macht so einen Spaß zu sehen, wie sehr sich die Bewohner über das gemeinsame Spiel freuen – und dabei geht es nicht unbedingt darum, dass die richtige Zahl gezogen wird, sondern einfach um das gesellige Miteinander und die Gespräche zwischen den einzelnen ,Ziehungen‘.“

Gehört hatte sie über diese Aktion von ihrem Freund Michael Wojdat, der bereits bei mehreren Projekten aktiv dabei war. „Ich habe mich schon früher gerne engagiert, doch durch den Job fehlten mir dann der Zugang und die Zeit. Über die Aktionen von unseren Kollegen kann ich endlich wieder aktiv werden. Ich unterstütze PROSI heute zum dritten Mal – und kann es nur weiter empfehlen“, sagt Wojdat.

Einige Projekte werden auch finanziell von der Bayer-Stiftung unterstützt: Programm-Managerin Daniela Neuendorf klärte PROSI-Initiatorin Pierk und ihre beiden Mitstreiter über das Ehrenamtsprogramm auf, bei dem sich Mitarbeiter mit Projekten bewerben und so auf finanzielle Unterstützung hoffen können. Alle anderen Aktionen finden jedoch ohne Budget statt – und wenn doch einmal Geld benötigt wird, gibt es eigens initiierte Spendenaktionen, bei denen mit einem Kaffee- und Kuchenstand für ein konkretes Projekt gesammelt werden kann.

Die PROSI-Gründer von links nach rechts: Martin Eckardt, Svenja Pierk und Ali Cengiz

Mittlerweile gibt es die PROSI-Aktionen auch an anderen Bayer-Standorten wie Berlin und Monheim. „Wir haben unser Konzept auch mit Kollegen aus den USA und Russland geteilt. Geplant sind schon für diesen Sommer die ersten Projekte in Pittsburgh“, sagt Eckardt.

Im Haus Rheinpark beginnt die nächste Runde Bingo. „Es geht weiter mit der 8“, ruft Maya, um die Aufmerksamkeit der Spieler zurückzugewinnen, die mit Keksen und Kaffee eine kurze Pause eingelegt hatten. „Eine 9 wäre mir lieber“, hört man eine Stimme murmeln, gefolgt von einem: „Aber egal, Hauptsache, ihr kommt bald wieder.“

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