Die Virus-Bekämpferin

Brasilien leidet unter dem Zika-Virus, das bei Neugeborenen zu schweren Missbildungen führen kann. Bayer-Mitarbeiterin Amaila De la Torre, selbst Mutter zweier Kinder, machte die Epidemie zu ihrem Projekt und startete eine Hilfsaktion.

„Als ich vom Ausbruch des Zika-Virus hier in Brasilien das erste Mal hörte, war ich gerade im vierten Monat schwanger“, erinnert sich Amaila De la Torre. „Ich hatte sofort tausend Fragen im Kopf, vor allem: Kann auch ich mich infizieren? Immerhin hatte ich das Glück, sofort einen Arzt sprechen zu können und Ultraschallbilder zu bekommen.“

Wie das Virus nach Südamerika kam, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Sicher ist, dass vor allem werdende Mütter gefährdet sind: Infizieren sie sich mit dem Erreger, besteht die Gefahr, dass ihr Kind mit der Krankheit Mikrozephalie zur Welt kommt – einer Schädelverformung, die dazu führen kann, dass das Kind eine Lebenserwartung von nur elf Jahren hat. Seit November 2015 bis Juli 2017 sind in Brasilien knapp 2.900 Babys von dem Zika-Syndrom betroffen. Die Regierung rief daraufhin den nationalen Notstand aus.

360°-Aufnahme eines Zika-Virus

Übertragen wird das Virus durch die Mücke Aedes aegypti, die nach Angaben der Hilfsorganisation Human Rights Watch in Brasilien ideale Brutstätten finden. Mehr als 35 Millionen Brasilianer besitzen keinen Zugang zu einer angemessenen Müllentsorgung. Nur 32 Prozent des Abwassers würden gereinigt. „Sanitäre Anlagen und Zugang zu sauberem Wasser sind vor allem dort, wo arme Menschen leben, oft nicht vorhanden – ein Paradies für die Stechmücke“, macht De la Torre auf die schwierigen Umstände aufmerksam.

Die Stechmücke –
Killer Nummer eins

Die Stechmücke ist das tödlichste Tier der Welt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist sie für jährlich 725.000 Todesopfer verantwortlich, wobei in erster Linie Menschen in tropischen Gebieten gefährdet sind.

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„Sie ist äußerst robust – eine Überlebenskünstlerin“, sagt Frederico Bellucco, Head of Marketing and Vector Control bei der Bayer-Division Crop Science in Brasilien. Ein Umstand, der Forscher vor Herausforderungen stellt: Erstens, weil Stechmücken gegen existierende Wirkstoffe resistent werden. Zweitens, weil es schwierig ist, die Winzlinge überhaupt zu erreichen.

Seit den 60er-Jahren widmet sich Bayer der Insektizidforschung zur Vektorkontrolle. Zuletzt haben Bayer-Forscher sechs Jahre lang an der Zusammensetzung eines Mittels gegen Stechmücken gearbeitet, das aus zwei Wirkstoffen besteht: FludoraTM Fusion. Bald, so die Hoffnung, könnte es gegen den lautlosen Killer Aedes aegypti, der außer Zika die schweren Krankheiten Dengue und Gelbfieber überträgt, zum Einsatz kommen.

Bayers „Mosquito Control Learning Lab“ erklärt Betroffenen im Internet, welche Krankheiten Mücken übertragen, wie sie sich verbreiten und wie man sich selbst, seine Familie sowie sein Umfeld vor einem Stich schützen kann.

„Die Armada der Blutsauger ist gefährlicher als jede feindliche Armee. In den vergangenen zehn Jahren ist die Verbreitung von Aedes aegypti weltweit explodiert“, sagt der Umweltwissenschaftler Dr. Kurt Vandock, Senior Scientist bei Bayer Crop Science in den USA.

Außer durch Mückenbiss kann das Virus beim ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden. „Leider wissen das viele nicht“, sagt Amaila De la Torre. Und fügt hinzu: „Bayer kennt sich mit Vektorkontrolle aus – mit Maßnahmen, um Krankheiten einzudämmen.“ Dass etwas unternommen werden muss, steht für De la Torre, die als Public and Governmental Affairs Managerin für Bayer in São Paulo arbeitet, außer Frage.

Nach der Geburt ihrer gesunden Tochter Luna kehrt sie in den Job zurück – und arbeitet intensiv an einem Zika-Hilfsprojekt. Dabei wird sie über Bayers Stiftungs- und Spendenwesen aus einem „Sondertopf für präventive Katastrophenhilfe“ mit rund 200.000 Euro unterstützt. Gemeinsam mit Fundo PositHiVo arbeitet sie an einer Aufklärungskampagne im Bundesstaat Pernambuco, Brasilien. In Form von Straßenparaden soll die Bevölkerung über das Virus informiert werden. Denn an den Ursachen für die Ausbreitung habe sich bis heute nichts geändert, sagt die gebürtige Kolumbianerin. Nach wie vor fehle es an sanitären Anlagen, an sauberem Wasser, an Müllentsorgung sowie an Aufklärung, wie sich eine Infizierung vermeiden lasse. „Der nächste Ausbruch kann jederzeit geschehen“, befürchtet sie.

Corinna Groß

Der nächste Zika-Ausbruch kann jederzeit geschehen.

„Wir wollen an Schulen aufklären und dabei Teenager gewinnen, die die Sprache ihrer Generation sprechen. Es gibt noch so viel zu tun“, sagt die Mutter zweier Kinder. Ihr Kampf gegen das Virus hat gerade erst begonnen.