• Die Heilkraft der Pflanzen

    Apotheker Dr. Sebastian Michael ist fasziniert von den Möglichkeiten, die pflanzliche Behandlungsmethoden bieten.

Herbstzeit ist Erkältungszeit. Sobald einen die klassischen Symptome wie Husten, Schnupfen und Heiserkeit quälen, helfen pflanzliche Arzneimittel schnell und zuverlässig – und das bei oft sehr guter Verträglichkeit.

Es sind diese stressigen Tage im Herbst, an denen sich Dr. Sebastian Michael manchmal fragt, warum er eigentlich Apotheker geworden ist: Von morgens bis abends stehen erkältete Kunden vor ihm am Tresen, husten, niesen, ziehen die Nase hoch – und Sebastian Michael hat keine Minute Pause. „Kaum beginnt die kühlere Jahreszeit, bricht auch schon die Erkältungswelle über uns herein.“

Zum Abschalten geht er nach Feierabend dann gern spazieren. Und wenn er so durch das Umland seiner Heimatstadt Leipzig wandert, wo Brennnesseln, Kamille und Löwenzahn am Wegesrand wuchern, weiß er plötzlich wieder, warum er diesen Beruf gewählt hat: „All diese unscheinbaren Pflanzen haben enorme Heilkräfte und können viele Krankheiten lindern“, erzählt er. „Das wahre Potenzial ihrer Inhaltsstoffe ist bis heute nicht vollständig entschlüsselt – das finde ich einfach faszinierend.“

Seine Apotheke befindet sich in Waldheim, einer Kleinstadt mitten in der sächsischen Provinz. Vor einigen Jahren hat Sebastian Michael dort die alteingesessene Löwenapotheke übernommen – und den Fokus mit viel Engagement und Einsatz auf die Phytotherapie ausgerichtet, als Kompetenzapotheke für pflanzliche Therapie. „Das bedeutet, dass wir bei der Beratung ganz bewusst auf pflanzliche Behandlungsmethoden hinweisen und Alternativen zu chemischen Medikamenten aufzeigen“, erklärt Michael. „Alle meine Mitarbeiter sind dafür entsprechend geschult und wir führen in unserem Geschäft ein breites Spektrum an pflanzlichen Produkten und Arzneimitteln.“

Mit dem Konzept ist Michael erfolgreich, das Feedback seiner Kunden ist durchweg positiv. Sein naturheilkundliches Angebot liegt nämlich aktuell im Trend: „Pflanzliche Arzneimittel werden weltweit immer beliebter, und das aus gutem Grund“, erklärt Bayer-Forscher Dr. Olaf Kelber. „Sie wirken in vielen Fällen genau so gut wie chemische Arzneimittel und haben dabei den großen Vorteil, dass sie oft sehr gut verträglich sind.“

Dr. Olaf Kelber arbeitet bei der Bayer AG in der Geschäftssparte Consumer Health daran, innovative pflanzliche Arzneimittel zu entwickeln. Das Unternehmen forscht intensiv auf dem Gebiet der pflanzlichen Gesundheitsprodukte und vertreibt mit Iberogast unter anderem einen bewährtes und erfolgreiches Mittel bei funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen.

Corinna Groß

Pflanzliche Arzneimittel wirken in vielen Fällen genauso gut wie chemische Arzneimittel und sind oft sehr gut verträglich.

Dr. Olaf Kelber, Forscher bei der Bayer AG in der Geschäftssparte Consumer Health 

Doch nicht nur bei Magenproblemen, auch bei klassischen Erkältungen empfiehlt Kelber pflanzliche Arzneimittel. Denn: „Die zentral wirkenden chemischen Präparate wirken gegen Reizhusten, indem sie das Hustenzentrum im Gehirn blockieren – sie müssen also einen Umweg machen, um die Beschwerden zu lindern“, erklärt er. „Die Phytotherapie bekämpft die Symptome hingegen direkt dort, wo sie entstehen: in Hals und Rachen.“

So empfiehlt Dr. Sebastian Michael bei Reizhusten pflanzliche Arzneimittel, die auf Eibisch basieren. Die Wirkung dieser Heilpflanze macht sich auch das Bayer-Produkt Phytohustil zu Nutze: Besonders die Wurzeln enthalten ein vergleichsweise hohes Maß an Schleimstoffen. „Diese legen sich schützend auf die entzündeten Schleimhäute in Hals und Rachen und lindern so schnell und zuverlässig den Hustenreiz“, erklärt Michael. „Schon eine bis 15 Minuten nach der Anwendung können sich die Symptome spürbar bessern.“

Medizin aus Pflanzen

Zehn wichtige Heilpflanzen

Es gibt hunderte Pflanzen, die aufgrund bestimmter Inhaltsstoffe zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden. Die Geschichte der Heilpflanzenkunde reicht bis zu den Anfängen der Menschheit zurück, schriftliche Nachweise für den gezielten Einsatz und sogar Anbau von Heilpflanzen lassen sich bis ins Altertum zurückverfolgen. Hier einige bewährte Vertreter von Heilpflanzen, die seit Generationen in der Phytopharmakognosie eingesetzt werden:

Arnika
Arzneilich relevant sind die Arnikablüten. Diese enthalten Flavonoide, ätherische Öle und Sesquiterpenlactone. Sie wirken entzündungshemmend und antiseptisch. Äußerlich angewendet kann Arnika bei Verletzungen wie Schwellungen, Verstauchungen und Prellungen helfen. Die Heilpflanze wird als Salbe, Öl oder Creme auch bei Muskel- und Gelenkbeschwerden eingesetzt.

Finden Sie hier die weiteren Heilpflanzen.

Baldrian
In Baldrian stecken ätherische Öle, die Sesquiterpene enthalten. Sie werden für die schlaffördernde und beruhigende Wirkung der Pflanze verantwortlich gemacht. Baldrian wird allein oder in Kombination mit anderen Pflanzen wie Passionsblume und Melisse als mildes Beruhigungs- und Schlafmittel eingesetzt.

Cayennepfeffer
Die getrockneten reifen Früchte enthalten Scharfstoffe, so genannte Capsaicinoide. Gelangen sie auf Haut oder Schleimhaut, senden die Schmerzrezeptoren an der Stelle ein Signal ans Gehirn und die Wärmerezeptoren sorgen für eine stärkere Durchblutung des Areals. Die Haut rötet sich, wird warm und brennt. Dies lockert verhärtete Muskeln und lindert Verspannungen. Das Capsaicin macht auch die Nervenenden unempfindlicher und wirkt so schmerzstillend. Salben, Cremes und Pflaster mit Cayennepfeffer wirken bei Muskel- und Nervenschmerzen.

Eibisch
Die Wurzel des Eibisch besteht zu zehn bis 20 Prozent aus Schleimstoffen. Sie haften auf den Schleimhäuten in Mund, Rachen, Hals und Magen, bilden so eine Art Schutzschicht und wirken beruhigend. Ist die Schleimhaut im Rachen bei einer Erkältung gereizt und entzündet, dämpft Eibisch trockenen Reizhusten und lindert Heiserkeit.

Ginseng
Ginseng kommt vor allem in den Wäldern und Bergregionen von China, Korea und Sibirien vor. Die Wurzeln der vier bis sieben Jahre alten Pflanze werden zu Medizin verarbeitet. Denn sie enthalten Saponine, zu denen auch die Ginsenoside gehören. Daneben finden sich in den Wurzeln kleine Mengen ätherisches Öl, Peptidoglykane und Polyacetylene. Verschiedene Studien kommen zu dem Ergebnis, das Ginseng die körpereigene Abwehr gegen Stress und Krankheit stärkt. Außerdem gibt es Hinweise, dass Ginseng das Lernvermögen und das Gedächtnis verbessert. Bei Müdigkeit, Schwäche und Erschöpfung können Ginseng-Präparate helfen.

Ingwer
Im Wurzelstock von Ingwer steckt ätherisches Öl, das unter anderem die Substanzen Zingiberen, Curcumen und beta-Eudesmol enthält. Daneben stecken in der Ingwerwurzel Scharfstoffe, die der Knolle ihren typischen Geschmack verleihen. Sie bewirken unter anderem, dass beim Verzehr mehr Magensäure gebildet und die Verdauung angeregt wird. Die Substanzen im Ingwer können zudem Übelkeit und Brechreiz lindern und wirken schmerzstillend sowie entzündungshemmend.

Johanniskraut
Johanniskraut wurde bereits in der Antike als Heilpflanze verwendet und wird bis heute zur Therapie von leichten bis mittelschweren Depressionen eingesetzt, wo seine Wirkung gut belegt ist. Zu den Hauptwirkstoffen zählen Hypericin und Flavonoide.

Löwenzahn
Bei Löwenzahn werden Wurzel und Kraut zu Arznei verarbeitet. Die Pflanze enthält nämlich eine Menge selten vorkommender Bitterstoffe. Diese erhöhen die Produktion von Speichel und Magensäure, fördern Verdauung und Appetit und kurbeln die Gallentätigkeit an. Außerdem ist eine harntreibende Wirkung nachgewiesen. Löwenzahn wurde auch wegen seiner harntreibenden Wirkung eingesetzt.

Rosskastanie
Rosskastaniensamen enthalten Aescin. Dieser Stoff dichtet die Gefäßwände ab. So kann sich kein Wasser im Gewebe ansammeln. Außerdem wirkt Rosskastanie leicht entzündungshemmend. Deshalb werden Extrakte der Pflanze bei Venenschwäche und Krampfadern verwendet, beispielsweise bei angeschwollenen Knöcheln oder schweren Beinen am Abend. Arzneimittel aus Rosskastanie gibt es als Salbe, Gel, Kapseln oder Tablette.

Schlüsselblume/Primelwurzel
Schlüsselblumen und Primelwurzeln enthalten Saponine, die schleimlösend wirken: Sie reizen die Magenschleimhaut und regen so über einen Reflex die Bronchialschleimhaut an, mehr Sekret zu produzieren. Dadurch wird der Schleim dünnflüssiger. Dieser Effekt hilft bei Erkältungen und Husten mit zähflüssigem Sekret, wenn sich der Schleim in der Lunge nicht von selbst löst.

Weitere Informationen zu Heilpflanzen finden Sie im Arzneipflanzenlexikon der Kooperation Phytopharmaka.

Auch in der zweiten Phase einer Erkältung, wenn der Reizhusten nach zwei bis drei Tagen in verschleimten Husten übergeht, können zwei Heilpflanzen die Symptome effektiv bekämpfen: Thymiankraut und Primelwurzel. Deshalb stecken Extrakte dieser Pflanzen auch in Phytobronchin von Bayer. Sie lösen festsitzenden Schleim, so dass er sich leichter abtransportieren lässt. „Das Arzneimittel wirkt noch dazu krampflösend und antibakteriell“, sagt Kelber. „Außerdem lässt es sich problemlos mit Phytohustil kombinieren.“ Ein weiterer Vorteil bei vielen pflanzlichen Arzneimitteln sei, dass sie sich mit einem anderen Medikament gut vertragen.

Sebastian Michael ist von seinen pflanzlichen Alternativen überzeugt: „Oft helfen die Phytopharmaka genauso gut oder sogar besser als die chemischen Medikamente“, sagt er. „Nicht selten sind die Kunden von der tatsächlichen Wirkung überrascht, da sie den Mitteln nur wenig zutrauen.“ Natürlich setzt der Apotheker trotzdem nicht ausschließlich auf Phytopharmaka: „Bei vielen Krankheiten helfen selbstverständlich nur chemische Medikamente“, sagt er. „Doch wenn Nebenwirkungen auftreten, lassen sich auch diese zum Teil mit pflanzlichen Arzneimitteln behandeln.“

Ob als Tee, Saft oder Tablette – der 37-Jährige greift seit vielen Jahren schon bei den leisesten Anzeichen einer Erkältung zu Heilpflanzen. „Wenn man auf seinen Körper hört und dessen Signale ernst nimmt, lassen sich viele Krankheiten frühzeitig behandeln, so dass sie gar nicht erst richtig ausbrechen“, erklärt er. „So erspart man sich die fiesen Erkältungstage im Herbst.“ Er selbst sei jedenfalls so gut wie nie krank – und das, obwohl er nahezu täglich angehustet und angeniest wird.