Dein zweites Ich: 10 Faszinierende Einblicke in das menschliche Mikrobiom

Die Forschung zum menschlichen Mikrobiom liefert faszinierende Ergebnisse und bildet die Grundlage für die Entwicklung einer neuen Generation von Produkten zur Selbstmedikation und Pflege für Menschen auf der ganzen Welt. Aber was genau ist das menschliche Mikrobiom, welche Rolle spielt es für unsere Gesundheit und warum wird es als unser zweites Ich bezeichnet? Wir haben einige interessante Fakten für Sie zusammengestellt.

Fakt 1: Es ist dein zweites Ich

Das menschliche Mikrobiom ist ein komplexes Zusammenspiel von Mikroorganismen, die auf und in unserem Körper leben.Jeder von uns besitzt ein sehr individuelles Mikrobiom. So teilen zum Beispiel eineiige Zwillinge 99,5 % ihrer Gene, aber nur etwa 20% ihrer Darmflora.2 Aus mehreren Gründen wird es deshalb auch gern als unser zweites Ich bezeichnet – unter anderem weil es fast im gesamten menschlichen Körper vorkommt: Unser Mikrobiom nimmt den Großteil der ungefähr 100 Billionen Zellen ein, aus denen unser Körper besteht. Diese Zellen bestehen aus Bakterien, Pilzen, Viren und anderen Mikroorganismen. Die Beziehung zwischen uns und unserem Mikrobiom ist so eng miteinander verwoben, dass man sich den menschlichen Körper wie einen Superorganismus vorstellen kann, der aus menschlichen und mikrobiellen Zellen besteht.

Fakt 2: Es ist ein großes unsichtbares Organ und ein natürlicher Schutzschild

Wie unsere anderen Organe erfüllt unser Mikrobiom bestimmte Funktionen im Körper wie zum Beispiel die Verdauung, die Stabilisierung des Hautgleichgewichts oder die Aufrechterhaltung des pH-Werts. Wenn man alle diese Bakterien und anderen Mikroorganismen auf eine Waage legen würde, käme man auf einen Wert von annähernd 2 kg. Damit wäre das Mikrobiom unser zweitgrößtes Organ gleich nach unserer Haut. Das Mikrobiom ist auch ein natürlicher Schutzschild gegen eine Vielzahl von Krankheiten. Wenn es im Gleichgewicht ist, hilft es, unseren Stoffwechsel zu modulieren, unterstützt unser Immunsystem und trägt zu unserer Haut- und Mundgesundheit bei.

Fakt 3: Es ist ein mikrobieller Fingerabdruck

Die Mikroorganismen, aus denen unser Mikrobiom besteht, kommen hauptsächlich in sieben Körperregionen vor: Magen, Nase, Mund, Lunge, Haut, Dickdarm und Geschlechtsorgane - und jeder Mensch besitzt in jeder Körperregion eine jeweils einzigartige Zusammensetzung von Mikroorganismen. Zum Beispiel besteht unser orales Mikrobiom hauptsächlich aus Streptokokken, jedoch ist der Anteil dieser Bakterien für jeden von uns spezifisch. Bestimmte Bakterien können häufig in einem Teil unseres Körpers auftreten, während sie andere Körperregionen nur sehr spärlich besiedeln. So dominieren Propionibakterien unsere Hautflora, sind aber in der Darmflora praktisch nicht vorhanden.

Fakt 4: Möglicherweise entwickeln wir unser Mikrobiom noch vor der Geburt

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Der 27. Juni wurde zum Weltmikrobiom-Tag erklärt, um die Vielfalt des menschlichen Mikrobioms zu feiern.


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Weltmikrobiomtag

Experten haben sich lange gefragt, ob wir unser Mikrobiom bei der Geburt erwerben oder ob es im Mutterleib entwickelt wird. Eine kürzlich durchgeführte Studie könnte helfen, diese Frage zu beantworten.3 Forscher fanden bereits 11 Wochen nach der Empfängnis eine bakterielle Mikrobiomsignatur bei Föten. Man geht davon aus, dass die Exposition gegenüber bestimmten Umweltreizen das Mikrobiom bei Kleinkindern formt und dadurch Resistenzen gegen bestimmte Allergien hervorrufen kann. Zum Beispiel hilft Muttermilch dabei, die mikrobielle Vielfalt der Darmflora eines Babys weiter zu fördern. Auch können Umwelteinflüsse die Zusammensetzung des Hautmikrobioms beeinflussen.4

Fakt 5: Es entwickelt sich ständig weiter

Die Zusammensetzung und Vielfalt unseres Mikrobioms verändert sich deutlich je älter wir werden. Die Vielfalt der Mikroorganismen in unserem Darm nimmt beispielsweise in den ersten zwei bis drei Lebensjahren zu und stabilisiert sich dann. Diese Vielfalt nimmt ab wenn wir älter werden. Studien haben bestätigt, dass auch die Zusammensetzung unseres Haut-Mikrobioms mit zunehmendem Alter variiert.5  Wissenschaftler untersuchen diese Veränderungen, um Erkenntnisse für die Entwicklung von Produkten zu gewinnen, die der Hautalterung entgegengewirken könnten.

Fakt 6: Es kann durch unsere Ernährung und andere externe Faktoren beeinflusst werden

Was wir essen, kann sich direkt auf die Zusammensetzung unserer Darmflora auswirken. Interessanterweise können zwei Menschen die gleichen Lebensmittel essen, die Auswirkungen auf das Mikrobiom sind dabei aber sehr unterschiedlich. Dies verdeutlicht die sehr individuelle Zusammensetzung der Mikroorganismen, die in unserem Körper leben. Eine im letzten Jahr veröffentlichte6 Studie zeigte, dass das Schwimmen im Meerwasser unser Haut-Mikrobiom erheblich verändert und diese Veränderungen 24 Stunden oder länger anhielten.

Fakt 7: Es kann scheinbar nicht verwandte Organe beeinflussen (und von diesen beeinflusst werden)

Der Arzt Hippokrates erklärte schon in der Antike: „Alle Krankheiten beginnen im Darm“, und es scheint, dass er zumindest teilweise richtig lag. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass unsere Darmflora eine Rolle bei Gehirnprozessen spielen kann, die wiederum unsere geistige Gesundheit, sowie den Verlauf von Krebs-, Herz-Kreislauf- und anderen Erkrankungen beeinflussen. Es wird auch angenommen, dass Stress und andere äußere Reize die Zusammensetzung und Funktion der Darmflora negativ beeinträchtigen können. Die Darmflora ist sogar an der physiologischen Funktion unseres Immunsystems beteiligt: In unserer Magen-Darm-Region leben etwa 70% unserer Immunzellen, und das Mikrobiom spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung unseres Immunsystems.7

Fakt 8: Mikrobielle Vielfalt ist der Schlüssel

Es richtig anzunehmen, dass es gute und schlechte Bakterien gibt. In Bezug auf unser Mikrobiom ist es jedoch wichtig, dass die „guten“ Bakterien überwiegen. Studienergebnisse liefern bislang noch keine belastbaren Erkenntnisse, wie das Profil eines idealen, gesunden Mikrobioms aussehen könnte. Der Verlust der mikrobiellen Vielfalt, insbesondere in unserem Darmmikrobiom, wird jedoch mit dem Anstieg vieler Krankheiten wie Asthma, Fettleibigkeit, Diabetes oder atopische Dermatitis in Zusammenhang gebracht.8

Fakt 9: Auf dem Vormarsch: Produkte und Behandlungen, die unser Mikrobiom verbessern sollen

Im vergangenen Jahr kamen mehr als 100 Produkte auf den Markt, von denen behauptet wird, dass sie unserem Mikrobiom zugute kommen. Und weitere sind in Vorbereitung. Grundsätzlich lassen sich diese Produkte folgenden Kategorien zuordnen:

  1. Mikrobiomfreundlich: Produkte, die sicherstellen, dass das Mikrobiom nicht geschädigt wird 
  2. Präbiotika: Nährstoffe, die die „guten“ Bakterien ernähren, um das Mikrobiom zu stärken 
  3. Probiotika: lebende Mikroorganismen, von denen angenommen wird, dass sie einen gesundheitlichen Nutzen bringen 
  4. Postbiotika: Substanzen, die von Bakterien produziert werden und deren positive Wirkung nachahmen 

Darüber hinaus vermarkten inzwischen mehrere Unternehmen Tests, die die Zusammensetzung des Darmmikrobioms zu entschlüsseln versprechen. Sie werden oft zusammen mit personalisierten Ernährungsempfehlungen zur gesunden Ernährung oder sogar zur Gewichtsreduktion angeboten. Bevor Sie diesen Angeboten vertrauen, sollten Sie sich erst vergewissern, dass die Tests klinisch geprüft worden sind und die Gesundheitsversprechen auf wissenschaftlichen Studien basieren.

Fakt 10: Bayer Consumer Health arbeitet an der Entwicklung neuer, vertrauenswürdiger Lösungen für das Mikrobiom

Wissenschaftler bei Bayer Consumer Health sind davon überzeugt, dass die Erforschung des Mikrobioms vielversprechende Möglichkeiten für die Entwicklung innovativer und natürlicher Produkte zur Pflege und Gesundheitsvorsorge für Menschen überall auf der Welt bietet. Deshalb arbeiten wir mit externen Partnern aus Wissenschaft und Forschung zusammen, um unsere eigenen Kapazitäten koninuierlich auszubauen. So haben wir Anfang dieses Jahres eine Forschungskooperation zur Identifizierung und Charakterisierung von Hautmikrobiom-Bakterien mit dem US-Unternehmen Azitra bekannt gegeben; derzeit werden klinische Studien durchgeführt. Da wir ständig nach neuen, transformativen Lösungen suchen, sind wir offen für Partnerschaften – mit Universitäten, Start-ups und anderen gleichgesinnten Unternehmen. Interessiert? Kommen Sie und reden Sie mit uns!

Die Erforschung des Mikrobioms hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen, da Wissenschaftler seine wichtige Rolle zur Erhaltung unserer Gesundheit immer besser verstehen. Wir befinden uns an einem Wendepunkt, da unser Verständnis des Mikrobioms bald die Grundlage für neue Behandlungsmöglichkeiten bieten wird, die wiederum unser Verständnis bestimmter Krankheiten ändern und unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden fördern könnten. In unserem Portfolio bei Bayer haben wir viele bewährte Produkte, wie beispielsweise Iberogast® für die Verdauungsgesundheit oder aber im Bereich Hautpflege Bepanthen SensiDaily, das ein Präbiotikum enthält. Und wir arbeiten ständig daran, die nächste Generation wissenschaftlich basierter Produkte zur Gesundheitsvorsorge im verschreibunsgfreien Bereich zu entwickeln

David Evendon-Challis, Leiter F & E Bayer Consumer Health