Interview mit Matthias Berninger

Bayer unterzeichnet Abkommen zum Schutz des Regenwaldes

Zusammen mit zahlreichen anderen Unternehmen und Organisationen hat Bayer eine Erklärung zum Schutz des Regenwaldes in Brasilien unterschrieben. Matthias Berninger, Global Head of Public Affairs & Sustainability bei Bayer, nimmt im Interview dazu Stellung.

Die „Brasilianische Koalition für Klima, Wälder und Landwirtschaft“ ist eine Vereinigung von mehr als 200 Agrarunternehmen, Umweltschutzverbänden, der Finanzbranche und der akademischen Welt. In ihrer Resolution bringen sie gemeinsam ihre Sorge über die beschleunigte Zerstörung des Regenwaldes in Brasilien zum Ausdruck: „90 Prozent der heutigen Zerstörung des Regenwaldes im Amazonas sind illegal. Andere Vergehen wie Drogenfinanzierung und Steuerhinterziehung sind zudem eng damit verbunden.“ Vor diesem Hintergrund fordert die Koalition die brasilianische Regierung auf, geeignete Schritte zu unternehmen, um die Kontrolle über die Abholzung zurückzuerlangen.

Herr Berninger, die Brände im Amazonas-Regenwald sind überall in den Nachrichten. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?
Die Wissenschaft ist sich einig: Die Zerstörung von Wäldern ist eine der wichtigsten Ursachen des Klimawandels und führt zu einem enormen Verlust an biologischer Vielfalt. Trotz aller Bemühungen, die Entwaldung zu stoppen, gehen jedes Jahr weltweit Wälder in der Größe Kenias verloren. Das ist eine globale Herausforderung. In Asien liegt es vor allem an der wachsenden, konsumfreudigen Mittelschicht. In Afrika stellen das Bevölkerungswachstum und der Grundbedarf an Brennholz wichtige Faktoren dar. In Brasilien wird die Abholzung hauptsächlich durch den Bergbau, die Holzindustrie und die weltweit wachsende Nachfrage nach Fleisch verursacht.

Brasilien ist für uns eines der wichtigsten Länder. Was können Unternehmen wie Bayer tun?
Unternehmen müssen den Schutz der Wälder unterstützen. Bayer ist Teil einer Koalition von 200 Partnern entlang der Wertschöpfungskette und Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Wir sprechen uns klar dafür aus, die entsprechenden Gesetze zum Schutz des Regenwaldes durchzusetzen und eine nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft voranzutreiben. Es ist ein bemerkenswerter Konsens, den NGOs wie der WWF, die Bauernverbände, unsere Kollegen der BASF und von Cargill, Einzelhändler wie Carrefour und Hersteller wie Danone und Unilever zusammen erreicht haben. Wir bei Bayer sind überzeugt: Unternehmensstrategien, die von der Zerstörung des Waldes abhängen, haben keine Zukunft. Diese Botschaft hören Unternehmen nicht nur von externen Stakeholdern. Auch zahlreiche Aktionäre machen sehr deutlich, dass ihnen dieses Thema ein Anliegen ist.

Dr. Klaus Kunz

Matthias Berninger

Global Head of Public Affairs & Sustainability bei Bayer

Was ist Das Ziel dieser Initiative?
Wir hoffen, die Regierungen in Europa und Brasilien zurück an den Verhandlungstisch zu bekommen. Es muss gemeinsam darüber gesprochen werden, wie man die Wälder im Amazonas schützt und gleichzeitig auch Brasiliens wirtschaftliches Wachstum unterstützt – auch durch Deckung der globalen Nachfrage nach Futtermitteln und Fleisch. Wir werden in den kommenden Wochen unseren Beitrag dazu leisten.

Könnten Sie das noch weiter ausführen?
Bayer ist ausreichend groß und international aufgestellt, um hier einen spürbaren Beitrag zu leisten. Deshalb ist der Schutz von Wäldern auch eines der Kernelemente unseres Klimaaktionsplans. Wir arbeiten bereits mit Vertretern der Zivilgesellschaft und anderen öffentlichen und privaten Einrichtungen zusammen, um Lösungen für den nachhaltigen Schutz der Biodiversität und der Wälder zu finden. Wir nehmen unsere Rolle als führendes Unternehmen ernst und suchen verstärkt den Dialog mit allen relevanten Stakeholdern, wie zum Beispiel Herstellern, Landwirten und Lieferanten. So wollen dabei helfen, dass die ganze Wertschöpfungskette gemeinsam und koordiniert aktiv werden kann.

Das hört sich erst einmal toll an, ist aber wenig greifbar. Was meinen Sie genau?
Es fängt damit an, Landwirte zu unterstützen, die nachhaltig, legal und verantwortungsbewusst arbeiten – und keinerlei Toleranz für diejenigen zu haben, die Ackerland bewirtschaften, das durch illegale Abholzung entstanden ist. Wir müssen mit gutem Beispiel vorangehen und unsere Saatgutproduktion durch unabhängige dritte Parteien zertifizieren lassen. Unser Verhaltenskodex für Lieferanten ist ein weiterer Baustein, z.B. um die Anbieter zu prüfen, von denen wir Verpackungen oder Rohstoffe beziehen.

Glauben Sie wirklich, dass Bayer hier etwas bewegen kann?
Ja, absolut. Als Teil unserer Klimastrategie werden wir die globale Kompensation von CO2-Emissionen unterstützen. Dazu sollen konkrete Aufforstungs- und Biodiversitätsprogramme gefördert werden, die idealerweise gemeinsam mit unseren Kunden entwickelt und von diesen unterstützt werden. In Brasilien hilft unser Environmental Science Team, 12 Millionen Hektar Wald wiederherzustellen. Aber unser größter Beitrag liegt zweifellos in der Innovation. Solange die Nachfrage nach Soja die Abholzung vorantreibt, müssen wir Innovationen vorantreiben, die die Erträge steigern. Je erfolgreicher wir bei der nachhaltigen Intensivierung der Landwirtschaft sind, desto geringer wird der Druck, zusätzliches Land für die Landwirtschaft nutzbar zu machen.