Amelie Gebel

Balou passt auf mich auf

Amelie Gebel ist genervt, dass alle immer denken, sie hätte früher zu viel Süßigkeiten genascht und dürfe auch heute deswegen keine mehr essen. Die 13-Jährige hat Diabetes Typ 1 und ihren Blutzuckerspiegel im Griff – und sonst gibt es ja noch Labrador Balou, der Alarm schlägt, wenn es dann doch einmal zu Schwankungen kommt.

Vanessa McGivern

Amelie Gebel

Schülerin im Rhein-Kreis Neuss

Ich lebe jetzt schon neun Jahre mit Diabetes Typ 1. Immer wieder verwechseln die Leute Diabetes Typ 1 mit Typ 2, da eine viel größere Anzahl der Diabetiker an Typ 2 leiden. Ich jedoch bin eine von tausenden Typ-1-Patienten in Deutschland, bei denen das Hormon Insulin durch eine Autoimmun-Reaktion, bei der die Beta-Zelle durch körpereigene Zellen angegriffen wurde, schlussendlich zerstört wurde.

Balou hat so eine feine Nase, dass er ein Stresshormon meines Körpers riechen kann, wenn mein Blutzucker zu hoch oder zu niedrig ist.

Aus diesem Grund muss ich täglich mehrfach Insulin spritzen und zuvor meinen Blutzuckergehalt messen. Hierbei hilft mir nicht nur meine Familie, sondern auch mein Diabetikerwarnhund Balou. Balou hat so eine feine Nase, dass er ein Stresshormon meines Körpers riechen kann, wenn mein Blutzucker zu hoch oder zu niedrig ist. Dadurch hat er mich bereits sehr oft vor hohen oder starken Unterzuckerungen beschützt, bei denen man sogar in Ohnmacht fallen könnte. Balou passt also prima auf mich auf.

Wenn andere Menschen von meiner Diabetes erfahren, sagen sie oft, dass ich keine Süßigkeiten essen darf. Viele denken auch, dass ich die Krankheit nur bekommen habe, weil ich früher immer zu viel Süßes gegessen hätte. Das nervt mich immer sehr, da dies völliger Blödsinn ist: Weder muss ein Diabetiker auf etwas verzichten, noch ist die Form Typ 1 Folge einer falschen Ernährung.

In meiner Freizeit unternehme ich viel mit Freunden und treibe viel Sport. Meine Freunde kommen damit gut klar, dass ich Diabetes habe, und unterstützen mich. Total begeistert sind sie natürlich von Balou, der oft in meiner Nähe ist. Er kann auch über weitere Entfernungen und Etagen meine Zuckerschwankungen erkennen und macht mich darauf aufmerksam, indem er an meinem Bein kratzt.

Balou ist ein anerkannter Assistenzhund (z.B. wie ein Blindenhund) und darf mich daher auch in die Schule begleiten. Da er jedoch immer wieder meine Eltern und mich nachts vor schlechten Blutzuckerwerten warnt und daher der morgendliche Schulalltag für ihn zu stressig wäre, bleibt er tagsüber zu Hause und hat somit „schulfrei“.

Auch meine Eltern unterstützt Balou toll: Als mein Vater einmal am späten Abend nach Hause kam, stand Balou von seinem Schlafkorb im Wohnzimmer auf und legte sich vor die Schlafzimmertür meiner Eltern. Mein Vater kontrollierte daraufhin meinen Blutzucker und wieder einmal hatte Balou Recht gehabt: Der Wert war zu niedrig. Balou wollte also verhindern, dass mein Vater „einfach so ins Bett geht“ ohne meine Werte zu kontrollieren, damit ich in der Nacht nicht unterzuckere. Alle sind wirklich froh, dass Balou bei uns ist und uns so toll unterstützt.

Ich reise für mein Leben gerne, und natürlich begleitet Balou mich auch dabei. Er dürfte sogar mit mir im Flugzeug bei den Passagieren sitzen. Am besten gefällt mir aber Schweden und Italien und da kann man auch mit dem Auto problemlos mit Hund hinfahren. Ich liebe die verschiedenen Kulturen, die man auf seinen Reisen kennenlernen kann. Durch meine Reisen lerne ich neben Englisch und Französisch auch bereits die ersten Wörter Schwedisch.

Mein Lebensziel ist es, nach meinem Studium nach Schweden auszuwandern, um dort zu leben – am liebsten natürlich mit Balou an meiner Seite.