Corona-Virus: Arbeiten im Ausnahmezustand

 

Wie produziert man Medikamente inmitten einer Pandemie? Unser Team in Garbagnate/Italien demonstriert das gerade sehr bemerkenswert

Seine Antwort kommt schnell und ohne Zögern: „Wie sieht im Moment Ihr normaler Arbeitstag aus?“ – „Das Wort ‚normal’ existiert im Moment nicht.“ Mehmet Cimit erlebt in diesen Tagen eine außergewöhnliche Herausforderung – physisch wie psychisch. Als Standortleiter von Bayer in Garbagnate ist er verantwortlich für die Produktion von lebenswichtigen und medizinisch notwendigen Medikamenten – sowie für mehr als 370 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 

Sie alle leben und arbeiten in der Nähe von Mailand in Norditalien, einem der Epizentren der globalen Corona-Krise. Weltweit gehört Italien zu den am meisten betroffenen Ländern. Stand heute sind hier die meisten Todesfälle zu beklagen. Das Land lebt seit Wochen im Ausnahmezustand, mit einer nahezu kompletten Ausgangssperre für alle Bürgerinnen und Bürger. Die einzigen Ausnahmen: der Weg in Supermärkte, Apotheken, Krankenhäuser – und der Weg zur Arbeit. Vor ein paar Tagen hat die Regierung die Einschränkungen noch weiter verschärft. Jetzt dürfen nur noch wirtschaftliche Betriebe fortgeführt werden, die als unbedingt notwendig gelten. Die Produktion von Bayer in Garbagnate zählt zu diesen Betrieben.

Um weiterhin wichtige Medikamente herstellen und Patienten versorgen zu können, verbringt das Leadership Team in Garbagnate jeden Tag und auch an Wochenende mehrere Stunden damit, die aktuelle Lage zu analysieren und zusätzliche Schutzvorkehrungen zu besprechen. „Alle, die nicht zwingend vor Ort sein müssen, arbeiten von Zuhause“, erklärt Standortleiter Cimit. „Aber alle, die vor Ort sein müssen, um die Produktion am Laufen zu halten, sind auch weiterhin da.“

Jeder von ihnen trägt Atemschutzmasken. Es gelten strenge Abstandsregeln, in Meetings, in der Produktion, in der Kantine. Die Pausenzeiten sind gestaffelt. Man darf weder direkt nebeneinander sitzen, noch gegenüber. Besonders streng reglementiert ist die Kantine, dem einzigen Ort, wo man zum Essen die Schutzmasken kurzzeitig ablegt.

Die Sicherheit der Mitarbeiter steht an erster Stelle. Das ist die goldene Regel in Garbagnate und mehr denn je die wichtigste Aufgabe für Mehmet Cimit und sein Team. Dafür stehen sie in engem Austausch mit dem Führungsteam von Bayer Italia, den Behörden und Gewerkschaften, aber natürlich vor allem mit ihren Kolleginnen und Kollegen vor Ort. „Unsere Mitarbeiter spüren die gleiche Unsicherheit und haben die gleichen Sorgen wie wir alle“, sagt Cimit, der den Standort seit November 2018 leitet. „Deshalb verbringen wir viel Zeit damit, miteinander zu reden und einander zuzuhören.“

Für die Angestellten in Garbagnate ist es eine seltsame Situation. Während fast alle Nachbarn und Freunde zu Hause bleiben, gehen sie jeden Tag zur Arbeit und lassen ihre Familien allein. Was sie auch in dieser schwierigen Zeit antreibt, ist der Zweck unseres Unternehmens und ihre besondere Verantwortung für Patienten.

Am Standort Garbagnate produziert Bayer Medikamente und Gesundheitsprodukte für Italien und den globalen Markt. Die Kollegen sind verantwortlich für Herz-Kreislauf-Tabletten wie Aspirin Cardio und Xarelto, die Antibiotika Ciproxin und Avelox oder Kogenate zur Behandlung von Hämophilie. Bisher ist es den Kollegen gelungen, auch in dieser herausfordernden Situation die Produktion aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig – und noch wichtiger – konnten sie sicherstellen, dass sich bisher kein einziger Mitarbeiter in Garbagnate mit COVID-19 infiziert hat. Was für eine großartige Leistung!

Das findet auch im globalen Management große Anerkennung. „Wir sind sehr stolz auf die fantastische Arbeit und das herausragende Engagement aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an unserem Standort in Garbagnate“, sagt Wolfram Carius, Head of Product Supply in der Division Pharmaceuticals.

Mehmet Cimit – ein 49-jähriger Vater von zwei Kindern – ist seinen Mitarbeitern und ihren Familien sehr dankbar, sowohl den Kollegen, die vor Ort ausharren, als auch denjenigen, die von zu Hause aus unterstützen. Er sagt: „Die Situation führt dazu, dass wir räumlich weiter voneinander entfernt sind, aber sie bringt uns auch näher zusammen.“

Diese Solidarität gilt für das gesamte Unternehmen. Das globale Product Supply-Netzwerk unterstützt sich gegenseitig, etwa mit der Lieferung von Schutzmasken nach Garbagnate. Bayer unterstützt die Region Mailand auf verschiedene Weise und das gesamte Team von Bayer Italien hält noch enger zusammen als bisher. In den vergangenen Tagen haben die italienischen Kolleginnen und Kollegen diesem Gemeinschaftsgefühl einen Namen gegeben, einen Hashtag, den sie intern und in den digitalen Medien verwenden: #sempreinsieme – #immerzusammen.

Natürlich hofft das Team in Garbagnate, dass man so schnell wie möglich zur Normalität zurückkehrt. Wir müssen das irgendwie durchstehen, ist das Gefühl, das alle teilen. Aber das Engagement und die Hingabe des Teams werden bleiben, sagt der Standortleiter: „Wir waren immer schon sehr stolz auf unseren Beitrag zum Wohle der Patienten. Heute gilt das mehr denn je.“