• Angekommen - dank Bayer

    Nach fast sechs Monaten auf der Flucht ist Feras endlich in Deutschland angekommen. Hier hofft er auf eine bessere Zukunft.

Ein ganz normales Leben führen – ohne Angst vor Terror und Krieg. Das ist für viele Flüchtlinge unmöglich. Dank der Hilfe von Bayer kann Feras Alsayrawan aus Syrien bald eine Ausbildung machen und ein neues Leben in Deutschland beginnen.

Montagnachmittag, 16 Uhr. Feierabend für die Teilnehmer des Bayer-Starthilfeprogramms. Doch während es für seine Kollegen ab zum Fußballtraining, zum Treffen mit Freunden oder zum Einkaufsbummel geht, steht für Feras noch ein wichtiger Punkt auf der To-do-Liste: Deutschlernen. Denn der ehrgeizige junge Mann hat ein großes Ziel: so schnell wie möglich die neue Sprache beherrschen, um bei Bayer eine Ausbildung machen zu können. „Ich möchte auf eigenen Beinen stehen und den gleichen Weg gehen, wie alle anderen jungen Menschen hier auch“, erzählt der 25-jährige Syrer. „Bayer ist für mich ein echter Glücksfall. Denn in meiner Heimatstadt Damaskus habe ich bereits angefangen, mich mit Chemie zu beschäftigen.“

150

Flüchtlinge bereitet Bayer jährlich auf den Start ins Berufsleben vor.

Für den Start in ein neues Leben – fernab der Bedrohung durch den dortigen Krieg – hat Feras einiges auf sich genommen: Eltern, Geschwister, Ehefrau und Freunde zurückgelassen. Eine sechs Monate dauernde Irrfahrt über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich, bis er Anfang Oktober 2014 endlich in Deutschland ankam. Mehrere Monate Pendelei zwischen Flüchtlingsunterkünften in Dortmund, Frankfurt, Unna, Hemer und Bad Salzuflen. Ständige Ungewissheit.

Doch sein Ziel fest vor Augen, ließ Feras diese schwierige Zeit nicht ungenutzt. Mithilfe einer App auf dem Handy brachte er sich selbst erste Wörter und Sätze auf Deutsch bei – und nutzte jede Gelegenheit, sich mit anderen in der neuen Sprache zu unterhalten. Als er schließlich in Köln einen Platz für einen Integrationskurs bekam, machte sich sein Fleiß bezahlt: Den Sprachtest am Ende bestand er ohne Probleme. Doch wie sollte es nun weitergehen?

Berufliche Perspektiven schaffen

Seit Oktober 2015 bietet Bayer am Standort Leverkusen Flüchtlingen im Alter von 18 bis 26 Jahren die Teilnahme an einem viermonatigen Aufbaukurs an.

Mehr lesen

Mit dem Angebot, das viermal jährlich mit rund 20 Teilnehmern startet, will Bayer geflüchtete junge Menschen dabei unterstützen, ihre Deutschkenntnisse auf ein Niveau zu verbessern, das ihnen realistische Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnet. Daneben vermittelt der Aufbaukurs eine erste Berufsorientierung, die durch eine dreiwöchige Praxishospitation im Chempark Leverkusen vervollständigt wird.

Das Konzept geht auf: Inzwischen haben bereits 90 Flüchtlinge den Aufbaukurs erfolgreich durchlaufen. Zwölf von ihnen haben sich zudem für das Starthilfe-Programm von Bayer qualifiziert, in dem sie seit August 2016 für eine anschließende Ausbildung in einem gewerblich-technischen Beruf vorbereitet werden. Für den Start Mitte 2017 haben bereits fünf weitere Flüchtlinge für das Starthilfe-Programm in Leverkusen und Wuppertal, wo das Programm ab 2017 ebenfalls angeboten wird, Zusagen erhalten. Hier läuft der Bewerbungsprozess noch.

Interessenten können sich per E-Mail an aufbaukursbcd8e65cd7bb4879a1e2ceb63a109d74.lev@9c1674e9637f4b639c3fdf20fcb881bcbayer.com wenden. Ein ähnliches Angebot gibt es auch am Standort Berlin (Kontakt: ausbildung0d20563aedec4c4ba5b1e88b353b3694.berlin@94949de526dd47e1b0cf05812d55151cbayer.com).

„Bei einem Informationsgespräch der IHK habe ich erfahren, dass Bayer spezielle Aufbaukurse für Flüchtlinge anbietet. Ich wusste sofort: Das will ich machen“, erzählt Feras. Also standen nochmal vier Monate Deutsch-Intensivkurs auf dem Programm, um ein Sprachniveau zu erreichen, das Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnet. Bayer bietet den geflüchteten jungen Menschen nicht nur Grammatik- und Vokabeltraining – in den Laboren, Werkstätten und Technika haben sie zudem die Möglichkeit, in die Arbeit des Unternehmens hineinzuschnuppern und verschiedene Berufe kennenzulernen. Feras war sofort Feuer und Flamme.

„Bei den 16 geflüchteten Jugendlichen, die das Starthilfe-Programm derzeit absolvieren, erleben wir ein außergewöhnliches Maß an Ehrgeiz und Engagement sowie einen großen Willen, sich in die neue Kultur zu integrieren. Und das trotz Sprachbarrieren und den teilweise sehr belastenden persönlichen Hintergründen. Die Arbeit mit ihnen ist eine Herausforderung, bietet aber auch zahlreiche bereichernde Erfahrungen und Eindrücke. Immer wieder erinnern sie daran, wie schön es ist, in Frieden und Freiheit leben zu dürfen.“ Monica Böcker, Ausbilderin für das Starthilfe-Programm von Bayer

Bei den 12 jugendlichen Flüchtlingen, die das Starthilfe-Programm derzeit absolvieren, erleben wir ein außergewöhnliches Maß an Ehrgeiz und Engagement sowie einen großen Willen, sich in die neue Kultur zu integrieren.

Monica Böcker, Ausbilderin für das Starthilfe-Programm von Bayer

Sein Traum – einen Ausbildungsplatz als Chemielaborant im Unternehmen zu bekommen – hat sich inzwischen erfüllt: Dank seiner guten Leistungen im Aufbaukurs und im anschließenden Starthilfe-Programm wird er im kommenden Sommer bei Bayer eine Ausbildung zum Chemielaboranten beginnen. Bei einem betrieblichen Praktikum konnte er die Kolleginnen und Kollegen mit seiner offenen Art und seinem großen Interesse an ihrer Arbeit vollends von sich überzeugen.


4 Fragen an Dr. Hartmut Klusik, Bayer-Personalvorstand

„Wir werden unser Engagement weiter fortsetzen“

Herr Klusik, warum hat sich Bayer entschieden, die berufliche Integration von Flüchtlingen zu fördern?
Weil es uns ein wichtiges Anliegen ist, nach Deutschland geflüchtete Menschen zu unterstützen, die sich hier eine neue Existenz aufbauen möchten. Dafür ist es notwendig, dass sie sich zunächst ein genaues Bild von den Qualifikationen machen können, die sie benötigen. Deshalb haben wir unsere berufsvorbereitenden Aufbaukurse ins Leben gerufen. Denn durch die Vermittlung von Sprachkenntnissen und den Einblick in die betriebliche Praxis können wir den Teilnehmern praxisnahe Hilfestellung bei der Integration in den Arbeitsmarkt und damit auch in die deutsche Gesellschaft bieten.

Mehr lesen

Was beinhaltet der Aufbaukurs denn genau?
Für die beruflichen Chancen von Flüchtlingen sind gute deutsche Sprachkenntnisse entscheidend. Das Ziel des Kurses ist es daher, das Sprachniveau der Teilnehmer so zu verbessern, dass sie das Zertifikat B2 erwerben können. Denn das ist die Voraussetzung dafür, eine Ausbildung beginnen zu können. Darüber hinaus vermittelt der Kurs eine erste Berufsorientierung, die durch eine vierwöchige Hospitation im Chempark Leverkusen abgerundet wird. Während der gesamten Dauer werden die Teilnehmer zudem sozialpädagogisch betreut.

Und wie geht es danach weiter?
Erfolgreiche Teilnehmer können sich für das reguläre Starthilfe-Programm von Bayer bewerben, in dem wir künftig ein eigenes Kontingent für ausbildungswillige Flüchtlinge reservieren werden. Das Programm hat sich seit fast 30 Jahren bewährt, um benachteiligte Jugendliche intensiv auf eine spätere naturwissenschaftlich-technische Ausbildung vorzubereiten. Die teilnehmenden Flüchtlinge erhalten darin bereits Berufsschulunterricht sowie ein Bewerbertraining.

Bayer engagiert sich schon seit mehr als einem Jahr in der Flüchtlingshilfe. Welches Fazit ziehen Sie bisher?
Ein positives! Wir waren eines der ersten Industrieunternehmen in Deutschland, das im Herbst 2015 damit begonnen hat, sich für Flüchtlinge zu engagieren. Die verschiedenen Hilfsmaßnahmen, die zunächst sehr spontan als Reaktion auf die einsetzende Fluchtbewegung entstanden sind, sind mittlerweile zum festen Bestandteil unseres gesellschaftlichen Engagements geworden. Wir freuen uns über die erreichten Erfolge und werden unser Engagement selbstverständlich weiter fortsetzen. Allen Beschäftigten, Bürgern und Partnerunternehmen, die sich in zahlreichen Projekten beteiligt haben, möchte ich für ihren Einsatz ganz herzlich danken.

Ist es schwer für ihn, in einem fremden Land nochmal ganz von vorne anzufangen? „Nein, denn in Deutschland habe ich die Chance auf ein besseres Leben“, meint Feras. „Bayer hat mir hier eine Perspektive gegeben. Wenn ich gute Leistungen bringe, kann ich nach der Ausbildung vielleicht im Unternehmen bleiben. Diesen Weg gehe ich Schritt für Schritt. Jeden Tag ein Stückchen weiter.“

Flüchtlingshilfe bei Bayer

Berufsorientierung für junge Flüchtlinge, Unterstützung für ehrenamtlich tätige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie finanzielle Hilfen für ausgewählte Initiativen im Standortumfeld: Bei Bayer hat sich seit dem Start der Flüchtlingshilfe im Oktober 2015 viel getan. Hier einige Beispiele:

Mehr lesen

• Um Mitarbeiter zu ermutigen, sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren, können sich Beschäftigte bis zu acht Tage bezahlt von der Arbeit freistellen lassen. Bis zum 31.12.2016 haben bundesweit rund 90 Bayer-Beschäftigte das Angebot für 190 Einsätze in der Flüchtlingshilfe für insgesamt 2.000 Stunden beziehungsweise 250 Arbeitstage genutzt.

• Bei der Bayer Cares Foundation können sich Bayer-Beschäftigte und Bürger aus dem Umfeld der Unternehmensstandorte um Fördergelder für lokale Ehrenamtsprojekte zugunsten von Flüchtlingen in Höhe von bis zu 5.000 Euro bewerben.

• Ähnlich wie am Standort Leverkusen gibt es auch in Bergkamen und Berlin Angebote zur Berufsorientierung und Weiterqualifizierung von jungen Geflüchteten. Damit bereitet Bayer pro Jahr circa 150 Flüchtlinge auf einen Start ins Berufsleben vor.

• Auf Initiative von Bayer Kultur zeigt die Volkshochschule Leverkusen seit Mai 2016 Filme für Menschen, die aus anderen Ländern nach Deutschland geflüchtet sind, um durch die Vermittlung von kultureller Bildung deren Integration zu fördern.

• Mit der „Science4Life“-Akademie in Berlin und Experimentalkursen im „Baylab Health“ in Wuppertal will Bayer bei Flüchtlingskindern das Interesse an Naturwissenschaften wecken und die naturwissenschaftliche Bildung fördern.

• Auch die Bayer-Sportvereine engagieren sich mit verschiedenen Aktivitäten wie speziellen Sportangeboten oder Sachspenden für Flüchtlinge in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft.

• Bayer ist darüber hinaus seit Februar 2016 aktives Mitglied von „Wir zusammen“, der Integrationsinitiative der deutschen Wirtschaft. Mehr dazu unter wir-zusammen.de.