• Allein unter Männern

    Gizem Boran macht eine Ausbildung zur Chemikantin bei Bayer – und hat Spaß am Reparieren von Motoren in der Pumpenwerkstatt.

Nur wenige Frauen trauen sich in Männerberufe. Doch das ändert sich allmählich. Oft führt der Weg über ein Schnupperpraktikum – wie bei unseren Beispielen.

Wer im Hause Boran den Akkuschrauber benutzt, ist klar: „Ich!“ Gizem Boran lacht. „Meine Mama traut dem Ding nicht über den Weg, die weiß gar nicht, wie man sowas bedient.“ Ganz anders die Tochter: Sobald ein Regal zusammengebaut werden muss, ist die 19-Jährige zur Stelle und schwingt den Schrauber. Denn im Umgang mit Werkzeug ist die Auszubildende Profi: Schließlich hantiert sie jeden Tag bei der Arbeit mit viel schwererem Gerät.

Die 1,57 Meter große Frau repariert Motoren in der Pumpenwerkstatt am Bayer-Standort Bergkamen. Seit anderthalb Jahren arbeitet die angehende Chemikantin bei dem Unternehmen – und die Station in der Pumpenwerkstatt ist Teil ihrer praktischen Ausbildung. „Die Arbeit im Werk macht richtig viel Spaß“, erzählt sie. „Es ist echt spannend, beim Herstellungsprozess der Produkte dabei zu sein – und ich lerne jeden Tag etwas Neues dazu.“

Dabei hatte Gizem eigentlich nie vor, einen naturwissenschaftlichen Beruf zu ergreifen. Im Gegenteil: Sie wusste überhaupt nicht, was sie mal werden wollte. Bis sie dieses Schülerpraktikum bei Bayer machte. „Mir hat's voll gut gefallen! Danach wollte ich hier unbedingt meine Ausbildung zur Chemikantin machen“, war Gizem sofort klar.

Corinna Groß

Wir möchten junge Menschen schon früh für technische und
naturwissenschaftliche Berufe begeistern. Sie sollen einen Eindruck davon bekommen, was Arbeiten bei Bayer bedeutet!

Georg Müller, Bayer-Personalchef Deutschland

Gizems Geschichte ist ein typischer Fall: Für viele Auszubildende führt der Weg in den Beruf über ein Praktikum. Deshalb ermöglicht Bayer bereits Schülern der Mittelstufen erste Einblicke in die breite Palette an Ausbildungsberufen, die das Unternehmen bietet – bei Forschertagen, Laborführungen, Schülerpraktika oder Berufsfelderkundungen. „Wir möchten junge Menschen schon früh für technische und naturwissenschaftliche Berufe begeistern“, erklärt Georg Müller, Bayer-Personalchef für Deutschland. „So sollen sie einen Eindruck davon bekommen, was Arbeiten bei Bayer in diesen Bereichen bedeutet.“

Doch Mädchen sind bei den Bewerbern für die naturwissenschaftlichen und technischen Berufe oft in der Unterzahl. Um auch bei ihnen das Interesse an diesen Ausbildungszweigen zu stärken, nimmt das Unternehmen regelmäßig am Girls' Day teil: Bei dem deutschlandweiten Berufsorientierungstag können Schülerinnen ab der 5. Klasse in die „klassischen Männerberufe“ reinschnuppern.

Gizem Boran über ihre Arbeit als angehende Chemikantin bei Bayer

Auch Maren Bergau hatte nie vor, alleine unter Männern zu sein. Heute ist sie eine der wenigen Frauen im Großraumbüro der Wirtschaftsinformatiker bei Bayer Business Services in Leverkusen. Die 21-Jährige absolviert dort seit zwei Jahren ein duales Studium zur Wirtschaftsinformatikerin. „Als ich anfing, mussten wir uns natürlich erstmal aneinander gewöhnen.“

Die Leverkusenerin steht mittlerweile kurz vor ihrem Bachelor-Abschluss – und hat bisher nur positive Erfahrungen in ihrem Arbeitsumfeld gemacht: „Eine Frau kann eine echte Bereicherung für ein Männerteam sein“, sagt sie. „Wir gehen Probleme anders an, bringen neue Argumente und Ansichten ein, haben andere Ideen und Vorschläge – und das kann bei der Suche nach Problemlösungen durchaus von Vorteil sein.“

Genau deshalb fördert Bayer ganz bewusst die Balance der Kulturen und Geschlechter in seinen Teams: „Wir sind überzeugt, dass Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen unser Geschäft voranbringen, deshalb achten wir darauf in unserem Unternehmen“, sagt Personalchef Müller. „Als Innovationsunternehmen brauchen wir bei Bayer vor allem eins: Mitarbeiter, die neugierig sind, den Status quo hinterfragen und etwas verändern möchten.“

Wie Gizem Boran hat auch Maren Bergau sich nach einem Schülerpraktikum für ihre Ausbildung entschieden. Dass in ihrem Beruf fast nur Männer arbeiten, bedauert sie sehr. „Meine Schulfreundinnen wollten alle lieber ,was mit Tieren' oder ,was mit Medien' machen – alles typische Frauenberufe“, erzählt sie. „Ich glaube, dass viele gar nicht daran gedacht haben, es mit einer technischen oder naturwissenschaftlichen Ausbildung zu versuchen.“ Warum das so ist, kann sie nur vermuten. Sie zuckt mit den Schultern. „Vielleicht ist das Image des wortkargen Programmierers am PC abschreckend.“ Dabei sei diese Vorstellung längst überholt. „In meinem Beruf muss ich sehr kommunikativ sein, schließlich arbeite ich an der Schnittstelle zwischen den Auftraggebern und unseren Programmierern.“

Maren Bergau macht ein duales Studium zur Wirtschaftsinformatikerin

Der Girls' Day: Das bietet Bayer

Bei dem bundesweiten Berufsorientierungstag können Schülerinnen ab der 5. Klasse in Betrieben und Unternehmen technische und naturwissenschaftliche Berufe näher kennenlernen. Bayer beteiligt sich mit Angeboten an folgenden Standorten.

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In Bergkamen können 80 Mädchen verschiedene Stationen der Ausbildungsabteilung kennenlernen und dabei unter Aufsicht bereits erste berufsbezogene Aufgaben lösen.
Der Standort Grenzach stellt zehn bis zwölf Mädchen seine Ausbildungszweige vor, darunter Pharmakant, Chemielaborant, Mechatroniker, Elektroniker und Maschinen- und Anlagenführer. Außerdem können die Auszubildenden in Grenzach ihren Bachelor of Arts im Fachbereich BWL machen. Die Mädchen werfen einen Blick in die Produktion, lernen von Azubis erste handwerkliche Aufgaben und experimentieren im Labor.
In Berlin können Schülergruppen mit je zehn Mädchen in Bereiche wie die Toxikologie, Strukturbiologie, Onkologie, das Resynthese-Labor, die Medizinische Chemie und das Supply Center hineinschauen und Arbeitsgänge ausprobieren, beispielsweise das Mikroskopieren, Einwiegen und Pipettieren.
Was eine „Wirtschaftsinformatikerin“ macht, erfahren die 60 Teilnehmerinnen des Girls' Days in Leverkusen: Bayer Business Services gewährt Schülerinnen der Jahrgangsstufen acht bis zwölf einen Blick hinter die Kulissen der Informations-Technologie des Bayer-Konzerns. Die Mädchen gehen auf Entdeckungsreise durch die IT-Infrastruktur und erleben technikorientierte Berufe. Außerdem besteht die Möglichkeit für 10 Schülerinnen, das Physik-Labor sowie das Technikum der Funktion Engineering & Technology besichtigen.
Wuppertal bietet zwölf Mädchen einen Einblick in den Beruf des Chemikanten. Die zehn- bis 14-jährigen Schülerinnen besichtigen das Ausbildungsgebäude und sehen den Azubis im Chemikantenlabor bei der Arbeit über die Schulter. Außerdem stellen sie aus einer Messingplakette einen Schlüsselanhänger her.
In Bitterfeld erleben 20 Mädchen ab Jahrgangsstufe 7, wie Aspirin hergestellt wird. Die Teilnehmerinnen bauen gemeinsam mit einem Azubi einen Stromkreis mit LED-Blinkschaltung und üben ihre Geschicklichkeit am „heißen Draht“.
Insgesamt 60 Mädchen können die Abteilungen von Crop Science in Monheim erkunden, darunter die Substanzlogistik, das Tropicarium und die Fungizidforschung. Im Schülerlabor können sie unter fachmännischer Anleitung selbst experimentieren und Forschung hautnah erleben. Außerdem werden Berufsbilder für zukünftige Naturwissenschaftlerinnen und Ingenieurinnen vorgestellt, um sie für ein entsprechendes Studium zu begeistern.

Sie ist überzeugt, dass es irgendwann keine klassischen Männerberufe mehr gibt. Und bis dahin hat sie für alle junge Frauen einen Tipp: „Bloß nicht schüchtern sein“, sagt sie. „Wer offen und freundlich auf Menschen zugeht, der wird auch genauso behandelt – ganz egal, ob Mann oder Frau.“