• Hilfe für Tacloban

    Kathleen Opoku hat in der philippinischen Stadt Tacloban Nonnen beim Management des Krankenhauses geholfen und Schülern Deutsch beigebracht.

Es ist bereits eineinhalb Jahre her, dass der Taifun Haiyan im Süden der Philippinen gewütet hat. Bis heute sind die Folgen sichtbar. Die Menschen vor Ort sind dankbar über jede Unterstützung – zum Beispiel über die von Kathleen Opoku, Mitarbeiterin von Business Consulting, einem Geschäftsfeld von Bayer Business Services.

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Menschen starben durch den Taifun Haiyan im November 2013 und 1.785 werden vermisst.

F ür zwei Monate half Kathleen Opoku als Teilnehmerin des Programms „Bayer People Care For Society“ der Bayer Cares Foundation in der stark betroffenen Stadt Tacloban. Als „Teacher Kathleen“ den Campus des Holy Infant College betrat, begrüßten die Kinder sie begeistert mit einem lauten, deutschen „Guten Tag!“ Sie wollten unbedingt anwenden, was sie im Deutschunterricht von Kathleen Opoku gelernt hatten. „Meine jüngsten Schüler sind drei Jahre alt“, sagte sie – mit einer Stimme, in der Stolz und Zuneigung mitschwingen. „Je jünger sie sind, desto besser die Aussprache.“

Kathleen Opoku hilft in Tacloban

4,3 Mio.

Menschen wurden in den beiden Provinzen Leyte und Samar obdachlos.

Dabei stand Kathleen Opoku der Idee, philippinischen Kindern Deutsch beizubringen, zunächst skeptisch gegenüber. „Was sollen sie damit anfangen?“ fragte sie anfangs. „Es bereitet ihnen aber so viel Spaß. Es ist ein Highlight für sie im Schulalltag. Und sie wollen unbedingt alles über Deutschland erfahren. Ich glaube, es erweitert einfach ihren Horizont, gibt Hoffnung und eine Perspektive für die Zukunft.“ Eigentlich ist Opoku gar keine Deutschlehrerin, sondern interne Unternehmensberaterin bei Bayer in Leverkusen. Was verschlägt also eine auf strategisches Projektmanagement spezialisierte Expertin in eine Stadt ans andere Ende der Welt, wo sie als Deutschlehrerin den Opfern einer der größten Naturkatastrophen der vergangenen Jahre hilft?

Ganz einfach: Kathleen Opoku ist eine der ersten Teilnehmerinnen der Initiative „Bayer People Care For Society“. Bei diesem Programm der Bayer Cares Foundation in Kooperation mit Business Consulting geht es nicht um finanzielle Unterstützung. Das Unternehmen entsendet vielmehr professionelle Berater weltweit in unterschiedliche Sozialprojekte. „Wir als Bayer Business Consulting verfolgen damit zwei Ziele“, erklärt Opoku, „zum einen wollen wir den Menschen vor Ort helfen, zum anderen profitieren wir auch als Mitarbeiter davon, dass wir uns persönlich weiterentwickeln können.“ 

Kathleen Opoku

Zum einen wollen wir den Menschen helfen, zum anderen profitieren wir als Mitarbeiter davon, dass wir uns weiterentwickeln können.

Kathleen Opoku, Bayer In-house Consultant

Die Kommunikationswissenschaftlerin Opoku zählte zu den Pionieren des Programms. „Als ich hörte, dass ich eine der ersten sein würde, war ich ziemlich aufgeregt“, erzählt sie. Und als sie sich in Tacloban eingefunden hatte, folgten die ersten Zweifel: „Ich wusste anfangs nicht genau, wie wir hier würden helfen können.“

Tacloban. Eine rund 220.000-Einwohner-Stadt im Nordosten der philippinischen Insel Leyte. Im November 2013 zerstörte der Taifun Haiyan nahezu die gesamte Stadt. Hier arbeitet die Bayer Cares Foundation mit der Caritas Germany zusammen. Die Hilfsorganisation vermittelte Kathleen Opoku an den Schwesternorden „Religious Sisters of Mercy“ in Tacloban City. Die Schwestern boten der Deutschen ein Zuhause an – und baten sie, an ihrem Holy Infant College zu unterrichten. So wurde aus der Bayer-Beraterin eine Deutschlehrerin.

Neben der Schule betreiben die Schwestern seit Dezember 2010 auch das Mother of Mercy Hospital. Als der Taifun Haiyan über Tacloban wütete, zerstörte er die Schule fast komplett und beschädigte einen Großteil der Krankenhausausrüstung. Die Schwestern erinnern sich, dass das Krankenhaus nur dank der Hilfe mehrerer internationaler Nichtregierungsorganisationen wie Humedica International Aid Monate später wieder funktionstüchtig war.

Doch der Taifun richtete einen so großen wirtschaftlichen Schaden an, dass das Krankenhaus Kredite im Wert von mehreren Millionen von Pesos aufnehmen musste. Die kann es jetzt nicht zurückzahlen – eine belastende Situation für die gesamte Belegschaft: Immer wieder kündigen medizinische Mitarbeiter, weil andere Krankenhäuser und Einrichtungen bessere Löhne zahlen.

Die Angestellten sind ihren Ideen gegenüber offen, weil sie ihre Erfahrungen aus dem Unternehmensumfeld mit einbringt.

In dieser schwierigen Lage kam Opoku genau zum richtigen Zeitpunkt, um die Schwestern zu unterstützen. „Ich half dabei, einen Businessplan für das Krankenhaus zu erarbeiten“, erzählt sie. „Dieser bot Orientierung bei kritischen Maßnahmen, die aber absolut notwendig waren, um den Betrieb am Laufen zu halten.“ So organisierten Opoku und der Krankenhausberater Chris Villarino zum Beispiel einen Workshop: Dabei sollten die Belegschaft und die Abteilungsleiter des Krankenhauses gemeinsam die Schlüsselbereiche identifizieren, in denen das Krankenhaus mit Problemen kämpft – und Lösungsansätze erarbeiten.

Chris Villarino war selbst Schüler am Holy Infant College. Er erkannte schnell, wie wichtig die Ratschläge von Kathleen Opoku für die Organisation des Krankenhauses waren. „Die Angestellten sind ihren Ideen gegenüber offen, weil sie ihre Erfahrungen aus dem Unternehmensumfeld mit einbringt“, erzählt er. Schon beim Workshop wurde deutlich, wie ernst alle Beteiligten die Vorschläge aufnahmen – obwohl sie zum ersten Mal in dieser Konstellation zusammen gekommen waren. Trotz anfänglicher Zurückhaltung äußerten die Teilnehmer ihre Erwartungen, Bedürfnisse und Änderungswünsche.

Im Nachhinein ist sich Kathleen Opoku durchaus bewusst, dass sie mit ihrer Hilfe nicht ein Krankenhaus hat retten können. Aber sie vermittelte einen Leitfaden, der den Beteiligten bei der Problemlösung helfen kann. „Das sind nur ganz kleine Schritte. Es muss noch viel mehr getan werden.“

Auch an der Schule der Schwestern war die Hilfe der Bayer-Mitarbeiterin zunehmend gefragt. So unterrichtete sie am Holy Infant College zunächst nur zwei Klassen, doch ihre Anwesenheit sprach sich schnell herum – bis Opoku einen dichten Stundenplan hatte. Schnell bemerkte die Beraterin auch, was fehlte: beispielsweise ein Schülerlabor. „Jetzt suche ich nach Wegen, wie der Schule hier geholfen werden kann.“

Am Tag ihrer Abreise versammelten sich alle Klassen in der Aula. Rund 200 Schüler malten farbenfrohe Poster zu Dingen, die sie in ihrem Deutschunterricht gelernt hatten, und bedankten sich mit Tanz- und Gesangseinlagen. Auch die Schwestern verabschiedeten sich schweren Herzens. So wie Opoku auch: „Die Menschen hier sind für mich Vorbilder geworden, weil sie die Hoffnung nie aufgeben und immer weiter machen. Sie klammern sich mit einem großen Lächeln im Gesicht ans Leben.“