• Harvard – das große Ziel

    Sebastian Stark forscht im Rahmen seiner Masterarbeit am Broad Institute of MIT and Harvard. Den Aufenthalt in Boston ermöglicht ihm das Otto-Bayer-Stipendium.

2014 ermöglicht die Bayer Science & Education Foundation 51 Studenten aus 18 Ländern ein Studium im Ausland. Das Bayer magazin hat zwei Stipendiaten besucht. Einer von ihnen ist Sebastian Stark. Er forscht seit einigen Monaten im Rahmen seiner Masterarbeit am Broad Institute of MIT and Harvard. Den Aufenthalt in Boston ermöglicht ihm das Otto-Bayer-Stipendium.

Sebastian Stark ist 24 Jahre alt und kommt aus der Nähe von Frankfurt, wo er an der Goethe-Universität Chemie studiert. Zu Beginn seines US-Aufenthalts rätselte er noch, ob er in Harvard wirklich mithalten könne. Mittlerweile ist ihm aber klar, dass ihn die Ausbildung in Deutschland gut vorbereitet hat.

„Die Goethe-Universität ist ein guter Standort für die Life Sciences. Aber das Broad Institute bietet ein unglaublich inspirierendes wissenschaftliches Umfeld. Wenn ich es in einem Wort beschreiben müsste, dann würde ich das Wort Kollaboration wählen – weil sehr eng zusammengearbeitet wird, und zwar über alle Gruppengrenzen hinweg“, so Stark.

Sebastian Stark: Student in Harvard

Eingelebt hatte sich der Bayer-Stipendiat schon nach einer Woche: „Es ist einfach, jemanden kennenzulernen.“ In seiner WG von Studenten und Forschern leben zwei Japaner, eine Brasilianerin, eine Russin, eine Türkin und ein Deutscher. „Eine sehr schöne internationale Mischung, und wir tauschen uns auch über unsere Forschungsprojekte aus“, so Stark.

Das Broad Institute, an dem er forscht, ist eine Kooperation der Harvard University, akademischen Lehrkrankenhäusern und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT). „Die weitaus meiste Zeit verbringe ich im Labor“, sagt Stark. Daneben besucht er Vorträge in Harvard und am MIT, auch wenn sie nicht direkt mit seinem Fach zu tun haben. Dabei begegnete er bereits mehreren Nobelpreisträgern.

Sebastian Stark

Man merkt hier am Broad Institute einfach, dass man am Puls der Wissenschaft ist.

Sebastian Stark, Stipendiat am Broad Institute

Bevor Sebastian Stark nach Boston reiste, informierte er sich in Arbeitskreisen und Publikationen, welches Forschungsgebiet ihn interessieren könnte. Am Broad Institute fand er schließlich einen Professor, dessen Forschung genau seinem Interessenprofil entsprach. Es folgte die Suche nach einem Stipendium für den einjährigen Aufenthalt in Boston: „Das Otto-Bayer-Stipendium war das Einzige, das genau auf mein Forschungsprojekt gepasst hat, denn es ließ sich flexibel an die Umstände des Auslandsaufenthalts anpassen.“

Sebastian Stark hofft, dass seine Forschungsarbeit zur Entwicklung neuer Ansätze in der Krebstherapie beitragen wird. „Ich möchte später auf dem Gebiet der medizinischen Chemie, im weitesten Sinn der Arzneimittelentwicklung, arbeiten, denn das ist in der Industrie und an einer Universität möglich. Das Broad Institute hier ist ein super Beispiel, wie beide Zweige erfolgreich zusammenarbeiten können.“

Eine Investition in die Zukunft

Leidenschaft, Neugier und Erfindergeist sind wichtige Eigenschaften für einen Forscher – Bayer unterstützt Stipendiaten deshalb nicht nur mit finanziellen Mitteln, sondern auch mit einem Alumni-Netzwerk.

Wer sich bewerben kann

Mithilfe maßgeschneiderter Stipendienprogramme (Fellowship Program) unterstützt die Bayer Science & Education Foundation junge Talente im In- und Ausland und hilft ihnen, besondere Studien- und Berufsvorhaben zu realisieren.

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Unterstützt werden:
1. Bewerber aus Deutschland, die im Ausland ein besonderes Studien- oder Ausbildungsprojekt anstreben,
2. ausländische Bewerber, die ein Projekt in Deutschland realisieren wollen.
Die Bewerber sollten – neben guten Noten in Schule und Studium – vor allem eins mitbringen: Pioniergeist und eine individuelle Projektidee, bei deren Realisierung die Bayer-Stiftung als Partner gewünscht wird.

Welche Fachrichtungen werden gefördert?

1. Otto-Bayer-Stipendien richten sich an Studierende der Natur- und Ingenieurwissenschaften.
2. Carl-Duisberg-Stipendien unterstützen Studierende der Human- und Veterinärmedizin.
3. Kurt-Hansen-Stipendien gelten für Studierende des Lehramts für Naturwissenschaften.
4. Hermann-Strenger-Stipendien fördern Auszubildende und junge Berufstätige in nicht-akademischen Berufen aus den Bereichen Technik, Naturwissenschaften und Gesundheitswesen sowie kaufmännische Berufe.
5. Das Programm Science Teens ermöglicht besonders engagierten Schülern eine Teilnahme an ausgesuchten naturwissenschaftlich-technischen Sommercamps

Was wird gefördert? Und wie lange?
Praktika, Ausbildungskurse, Famulaturen, Auslandssemester, Forschungsprojekte, Diplom- und Masterarbeiten sowie Promotionsvorhaben. Eine Regelförderung für ein Inlandsstudium sowie eine Förderung bereits abgeschlossener Projekte ist nicht möglich. Die Unterstützung der Stiftung läuft bis zu einem Jahr.

Wie hoch ist die Fördersumme?
Prinzipiell soll die Förderung den Lebensunterhalt, die Reise- sowie anfallende Projektkosten decken. Dazu kann jeder Bewerber individuelle Angaben im Kostenplan machen, über die der Stiftungsrat seine Förderentscheidung trifft.

Wie kann man sich bewerben?
Bewerbungen sind online möglich. Unbedingt dazu gehören: Passfoto, Sprachnachweis und Bestätigungsschreiben der Stelle im Ausland sowie Zeugnisse.

Wo gibt’s weitere Informationen?
Unter der Telefonnummer: (02 14) 30-4 11 11
Im Internet: www.bayer-stiftungen.de
Kontakt: scholarships@2e32225d84e64795abefeb6605e0aa50bayer-stiftungen.de.

Milena Tryfon: Forscherin aus Leidenschaft

Für ihren Traum hat Milena Tryfon so einiges auf sich genommen: Von ihrer polnischen Heimatstadt Łochów fuhr sie in die Hauptstadt Warschau und setzte sich in den Fernbus Richtung Deutschland. 22 Stunden dauerte die Fahrt, dann tauchte zum ersten Mal der Schriftzug „Aachen“ auf den Autobahnschildern auf. Endlich. Aachen, die Stadt, in der sie Biomedical Engineering studieren würde. „Dafür wäre mir kein Weg zu weit gewesen“, sagt die junge Polin. „Dass ich hier meinen Master machen kann, ist für mich eine einzigartige Chance.“

Milena Tryfon, Stipendiatin an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen.

Seit Herbst 2013 studiert Milena Tryfon an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule. Diese Chance wurde ihr durch das Otto-Bayer-Stipendium der Science & Education Foundation ermöglicht. Es richtet sich nicht nur an deutsche Nachwuchsforscher, die im Ausland studieren möchten. Auch ausländische Nachwuchsforscher, die nach Deutschland kommen möchten, können sich für ein Stipendium bei Bayer bewerben. „Ich wollte unbedingt nach Aachen, weil das Niveau der wissenschaftlichen Ausbildung hier sehr hoch ist“, sagt Milena Tryfon. Nach dem Biotechnologiestudium suchte sie nach einer Finanzierungsmöglichkeit – und stieß auf das Otto-Bayer-Stipendium. „Ich dachte, es ist eine gute Chance. Und so bewarb ich mich“, erzählt sie. Als es tatsächlich klappte, konnte sie es kaum fassen.

Milena Tryfon

Ich wollte unbedingt nach Aachen, weil das Niveau der wissenschaftlichen Ausbildung hier sehr hoch ist.

Milena Tryfon, Stipendiatin an der RWTH Aachen

Milena Tryfon lebte sich schnell ein und ist vom Forschungsstandard ihrer neuen Hochschule begeistert. „Es ist wirklich aufregend, ganz vorn mit dabei sein zu dürfen“, sagt sie. Der Kontakt zu den Professoren sei eng und ermögliche einen intensiven wissenschaftlichen Austausch. „Es ist so wohltuend, dass man von ihnen tatsächlich auf Augenhöhe behandelt wird.“ In ihrem Studienfach Biomedical Engineering lernt sie, technische Geräte zu entwickeln, die Körperteile und Organe unterstützen oder ersetzen. Das können Prothesen, Hörgeräte oder Minipumpen für Herz und Nieren sein. „Wenn wir beispielsweise künstliche Haut oder Muskeln herstellen, wirkt das auf den ersten Blick wie Science Fiction“, sagt sie – und dann muss sie lachen: „Auf den zweiten Blick übrigens auch.“

Doch das Otto-Bayer-Stipendium ermöglicht Milena Tryfon nicht nur eine exzellente Ausbildung an der RWTH Aachen, es ist auch persönlich eine erlebnisreiche Zeit. „Ich finde es toll, dass ich hier so viele Menschen aus der ganzen Welt treffe“, erzählt sie. „Mein Studiengang ist sehr international ausgerichtet, und ich habe von meinen Mitstudierenden schon viel über unterschiedliche Kulturen gelernt.“ Alle sprechen Englisch, und Milena Tryfon nutzt die Gelegenheit, an ihren Sprachkenntnissen zu feilen. „Auch deshalb erhöht das Stipendium meine Chancen auf dem internationalen Arbeitsmarkt.“

Milena Tryfon: „Mein Abenteuer Deutschland“

Deutschland, das ist für die Polin aber nicht nur das Campusleben. Das Stipendium will sie nutzen, das Land, die Sprache, die Kultur und die Mentalität der Menschen kennenzulernen. Deshalb hat sie sich für einen Homestay-Aufenthalt angemeldet, bei dem sie zwei Wochen bei einer deutschen Familie verbringt. „So kann ich ihren Alltag miterleben und viel über die Lebensweise hier erfahren.“ Und damit auch die Deutschen ihre Heimat Polen ein bisschen besser kennenlernen, macht Milena Tryfon bei „Europa macht Schule“ mit, einem Programm, bei dem sie einer deutschen Schulklasse ein Projekt über ihr Heimatland vorstellt.

Sie selbst hat ihre Heimat schon lange nicht mehr gesehen. Wegen der weiten Anreise kann sie nur zwei Mal pro Jahr ihre Familie in Polen besuchen. Doch nach Hause zieht es sie derzeit auch nicht: Das Otto-Bayer-Stipendium hat Milena Tryfon verändert. Sie ist weltoffener geworden und will noch viele andere Länder sehen. „Wer weiß“, sagt Milena Tryfon, „vielleicht kann ich ja mal meine Mitstudierenden in deren Heimat besuchen. Das wäre auch ein großes Abenteuer.“ Doch jetzt ist erst einmal das Abenteuer Deutschland dran.

Thimo V. Schmitt-Lord

„Unser Anspruch ist die Pionierleistung – auf allen Ebenen der Gesellschaft,“ sagt Thimo V. Schmitt-Lord, Vorstand der Bayer-Stiftungen

Dem Fortschritt verpflichtet

Was steckt hinter dem Stiftungsgedanken bei Bayer?
Wenn es um Erfolg und Zukunftssicherung geht, setzen die Bayer-Stiftungen seit 1897 auf Innovationsgeist. Dabei sind neugierige, kreative und leistungsbereite Wissenschaftler gefragt. Deshalb fördert die Bayer Science & Education Foundation sowohl den ambitionierten Nachwuchs als auch ausgezeichnete Spitzenforscher. Daneben gibt es die Bayer Cares Foundation, die den gleichen Ansatz verfolgt, nur eben in einem anderen Bereich: Innovation und Pionierleistungen im Sozialsektor und der Bürgergesellschaft.

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Wie kann denn eine Stiftung bei jungen Menschen den Innovationsgeist fördern?
Große Erfolge müssen immer auch klein anfangen können. Deshalb fördert die Bayer Science & Education Foundation beispielsweise Projekte, die den Erfindergeist und die Technikbegeisterung in den Schulunterricht tragen. Eine Stufe weiter – in Universität und beruflicher Bildung – setzen wir den Gedanken der Pionierförderung konsequent fort und unterstützen begabte und interessierte Schüler und Studierende bei der Umsetzung besonderer Studien- und Ausbildungsideen im Ausland.

Und wie unterstützt die Bayer Science & Education Foundation die Forschungselite?
Herausragende Leistungen von Spitzenforschern zeichnet die Science & Education Foundation mit hochdotierten Wissenschaftspreisen aus. Der Otto-Bayer-Preis wird beispielsweise für wegweisende Forschungsbeiträge in der Chemie und Biochemie verliehen. Für Pionierleistungen in der medizinischen Grundlagenforschung gibt es den Familie-Hansen-Preis. Wissenschaftstalente aus der Thromboseforschung im deutschsprachigen Raum zeichnet die Stiftung mit dem „Bayer Thrombosis Research Award“ aus. Und der Top-Nachwuchs in den Kategorien Biologie, Chemie und Materialien wird mit dem „Early Excellence in Science Award“ geehrt. Bei allen Preisen geht es um wissenschaftliche Exzellenz und – das ist der eigentlich entscheidende, neue Weg. Wir suchen den Pionier, der neue Türen ins Unbekannte aufstößt.

Wo setzt die Hilfe der Bayer Cares Foundation an?
Die Bayer Cares Foundation fördert weltweit Menschen, die im Sozialsektor die Welt voranbringen, sich beispielsweise im Ehrenamt für die Lösung dringender gesellschaftlicher Herausforderungen einsetzen. Außerdem gibt es den Aspirin-Sozialpreis. Er ist mit 35.000 Euro dotiert und wird für innovative Hilfs- und Beratungsangebote vergeben, die Versorgungslücken im Bereich Gesundheit schließen, ganz nach dem Preismotto „Hilfe, die wirkt“. Daneben organisiert die Bayer-Stiftung umfangreiche Wiederaufbauprojekte nach Naturkatastrophen. So haben wir in Haiti 2011 gemeinsam mit Caritas International ein Provinzkrankenhaus gebaut und aktuell organisieren wir zusammen mit dem Roten Kreuz den Aufbau von Gesundheitsposten auf den Philippinen.